Philologe und Pädagoge, Lehrer in Berlin, Thorn und Elbing, seit 1808 im Preußischen Unterrichtsministerium

Mehr über Süvern, Johann Wilhelm

Der aus Detmold stammende Süvern wurde in einer Predigerfamilie geboren und nahm mit 18 Jahren ein Studium der Theologie und Philologie in Jena auf. Nach dem Studium begann er zunächst eine Laufbahn im Schulwesen: Er wurde 1796 Schulamtskandidat am Seminar für gelehrte Schulen in Berlin und konnte 1800 den Posten des Rektors am Gymnasium in Thorn antreten; 1803 leitete er das Gymnasium in Elbing, an dem er als Reformer im neuhumanistischen Sinne tätig war. Nebenbei publizierte er wissenschaftliche Studien und bekam so 1806 einen Ruf als Professor der Alten Literatur an die Universität Königsberg, dem er im Frühjahr 1807 folgte. Durch seine Vorlesungen über die politische Geschichte Europas im Wintersemester 1807/08 machte Süvern den preußischen Hof und die Reformpartei auf sich aufmerksam, sodass er seit 1808 zur Mitarbeit in der preußischen Unterrichtsverwaltung bestellt wurde, wo er zunächst unter Stein, dann unter Humboldt die Reform der Elementarschule nach Grundsätzen der Pädagogik Pestalozzis vorantrieb. Ende 1809 kehrte er als Staatsrat der Sektion für den Kultus und den öffentlichen Unterricht (Abteilung III des neuen Innenministeriums), zuständig für Gymnasien, nach Berlin zurück und blieb dort bis zu seinem Tode. 1817 stieg er zum Staatsrat im Kultusministerium auf und legte in diesem Amt 1819 den Entwurf eines allgemeinen Gesetzes für die Verfassung des Schulwesens in Preußen vor, das jedoch nach der Zurückdrängung der Reformpartei und dem Beginn der Demagogen-Verfolgungen nicht verwirklicht werden konnte.

Eine freundschaftliche Bekanntschaft zwischen Schleiermacher und Süvern geht wohl zurück auf Schleiermachers Zeit als Charité-Prediger in Berlin. Sie wurde jedoch brieflich nicht fortgesetzt, was vielleicht auch mit Süverns Abneigung gegen das Briefeschreiben überhaupt zusammenhing. Vgl. den Brief Süverns vom 11.7.1805, Brief 1992, 2–5, KGA V/8. [Schließen] In Berlin arbeitete Süvern in der Kommission zur Errichtung der Universität schließlich eng mit Schleiermacher zusammen, dessen Kollege er ab 1815 auch in der Preußischen Akademie der Wissenschaften wurde. Der Tageskalender aus den Jahren 1808–1810 notiert einige Besuche von und bei Süvern –  insbesondere in der ersten Hälfte 1810 im Vorfeld der Universitätsgründung.

Abgesehen von den vielen gemeinsam verfassten Akten und Schreiben wechselten die beiden Kollegen nach gegenwärtigem Wissensstand lediglich zwei Briefe. Nach einem langem Brief Süverns an Schleiermacher von 1805 konnte für 1809 ein Brief an Süvern erschlossen werden.

Korrespondenz

No. Datum Korrespondenz Ort
3221 25.04.1809 Von Friedrich Daniel Ernst Schleiermacher
An Johann Wilhelm Süvern
Berlin

Erwähnungen in Briefen

No. Datum Korrespondenz Ort
3193 05.04.1809 Von August Boeckh
An Friedrich Daniel Ernst Schleiermacher
Heidelberg
3257 23.05.1809 Von Wilhelm von Humboldt
An Friedrich Daniel Ernst Schleiermacher
Königsberg
3295 17.07.1809 Von Wilhelm von Humboldt
An Friedrich Daniel Ernst Schleiermacher
Königsberg
3450 22.06.1810 Von Johann Daniel Wilhelm Otto Uhden
An Friedrich Daniel Ernst Schleiermacher
Leipzig
3476 03.08.1810 Von Friedrich Daniel Ernst Schleiermacher
An Georg Heinrich Ludwig Nicolovius
Berlin
3477 03.08.1810 Von Friedrich Daniel Ernst Schleiermacher
An Johann Daniel Wilhelm Otto Uhden
Berlin
3533 04.11.1810 Von Joachim Christian Gaß
An Friedrich Daniel Ernst Schleiermacher
Breslau