deutscher Philosoph

Mehr über Schelling, Friedrich Wilhelm Joseph

Als Sohn eines schwäbischen Pfarrers mit pietistischer Prägung besuchte Schelling zunächst die Lateinschule in Nürtingen, später die evangelische Klosterschule in Bebenhausen, wo er neben Griechisch und Latein auch Arabisch und Hebräisch lernte. Nach Abschluss des Studiums 1795 und einer kurzen Zeit als Hauslehrer nahm Schelling 1796 ein zweites Studium der Mathematik, Naturwissenschaften und Medizin in Leipzig auf. Eine Reise nach Dresden im August 1798 brachte den Kontakt zum Kreis der Frühromantiker, zu den Brüdern Schlegel, Novalis und Tieck und auch zu Schleiermacher. Schelling lehrte bereits 1798 als außerordentlicher Professor an der Universität Jena und gab die Zeitschrift für spekulative Physik (1800/01) als zentrales Organ der Naturphilosophie heraus. Auf Jena folgen ein Ruf nach Würzburg 1803 und 1806 nach München, wo er Mitglied der Bayerischen Akademie der Wissenschaften wurde, sowie 1820 eine Lehrtätigkeit als Honorarprofessor in Erlangen. 1827 wartete wiederum eine Professur als ordentlicher Professor an der neu errichteten Universität München auf ihn, bis er schließlich 1841 nach dem Tod Hegels auf dessen Lehrstuhl berufen wurde.

Als Mitglied der Berliner Gemeinschaft der Frühromantiker war Schleiermacher dem Jenenser Friedrich Schelling gut bekannt. Das Verhältnis zwischen Schelling und Schleiermacher war gekennzeichnet durch eine inhaltliche Nähe, in der die Differenzen von beiden Seiten empfindlich markiert wurden. Eine Berufung nach Würzburg 1804 bezeichnete Schleiermacher als „fatal“, Vgl. Brief an Ehrenfried von Willich vom 28.1.1804, Brief 1646, 17, KGA V/7. Vgl. auch zur selben Thematik einen Brief an Reimer vom 1.2.1804 (Brief 1648, 41 ff., KGA V/7): „Dann ist mir Schelling mit seiner liebeleeren Weisheit, denn anders hat sie mir noch nicht erscheinen können wollen, und seinem ganzen Schreckenssystem ein unangenehmer Nachbar.“ [Schließen] insofern er sich in unmittelbarer Nähe und Konkurrenz zu Schelling sah, dem er, wie Schleiermacher in einem Brief an Alexander Graf zu Dohna formuliert, „bei einer großen scheinbaren Übereinstimmung doch sehr entgegengesezt bin, der viel zu scharfsichtig ist um es nicht zu merken, und viel zu arrogant und herrschsüchtig um es zu ertragen“ Brief 1659, 24 ff., KGAV/7. [Schließen]. Schleiermacher lehnte den deduktiv-begrifflichen Charakter von Schellings Transzendentalphilosophie ab, fand jedoch in Schellings in Gegensätzen operierender Naturphilosophie inhaltliche und methodische Ansatzpunkte für seinen eigenen Standpunkt. Zur philosophischen Nähe und Differenz zwischen Schleiermacher und Schelling vgl. auch Arndt, „Kommentar“, 1996, S. 1172–1177.  [Schließen] In einem Brief an Reimer vom 11.11.1803 bezeichnet er seine Beziehung zu Schelling als „stillen Krieg“ Vgl. Brief 1590, 37 ff., KGA V/7. [Schließen] und kennzeichnet damit auch die wechselseitige Kritik und Rezensionstätigkeit, in denen Anerkennung und Konkurrenz beider zum Ausdruck kam. Vgl. „Historische Einführung“, in: KGA I/4, S. LXXXV. [Schließen] In seinen Grundlinien einer Kritik der bisherigen Sittenlehre polemisierte Schleiermacher gegen Schelling. Schelling, der sich zunächst ablehnend zu Schleiermachers „Reden über die Religion“ äußerte, seine Meinung jedoch schnell änderte, Vgl. Arndt, Schleiermacher als Philosoph, 2013, S. 227.  [Schließen] näherte sich Schleiermacher in seiner Vorlesung über das akademische Studium von 1803 wieder an. Eine Brücke zu Schelling bildete auch Schleiermachers Freund Brinckmann, der Schellings Philosophie schätzte, sowie Schleiermachers ehemaliger Kollege und enger Freund Henrich Steffens, zu dessen Naturphilosophie sich Schleiermacher im Gegensatz zu Schelling zunächst noch in vollkommener Einheit fühlte. Henrich Steffens war jedoch ein Schüler, Freund und Mitarbeiter Schellings und seine philosophische Nähe zu Schelling unübersehbar. Im Kontext der Sondierungsgespräche für die zu besetzenden Professuren an der neu gegründeten Berliner Universität äußerte Schleiermacher gegenüber Brinckmann, dass er, sollte Steffens' Berufung scheitern, eine Anstellung Schellings als Philosoph an der Berliner Fakultät einer Fichtes weit vorzog, Vgl. Brief an Brinckmann vom 26.1.1808, Brief 2617, 95–104, KGA V/10. [Schließen] denn der eigentliche philosophische Gegner hieß Fichte.

Für den Zeitraum 1808–1809 ist ein erschlossener Brief von Schelling und ein Briefmanuskript an Schelling zu verzeichnen, das in der Handschriftensammlung der Staatsbibliothek zu Berlin aufbewahrt wird und vor Erscheinen der KGA nur in Form eines Zitats veröffentlicht war. In diesem Brief bedankt sich Schleiermacher förmlich bei Schelling für seine Aufnahme als auswärtiges Mitglied in die Akademie der Wissenschaften in München im Sommer 1808. Zwei weitere Briefe an Schelling folgen nach gegenwärtigem Wissensstand erst in den Jahren 1832 (Schelling wurde in diesem Jahr Mitglied der Preußischen Akademie) und 1833 sowie ein Brief an Schleiermacher ebenfalls 1833.

Korrespondenz

No. Datum Korrespondenz Ort
2774 10.07.1808 – 04.08.1808 Von Friedrich Wilhelm Joseph Schelling
An Friedrich Daniel Ernst Schleiermacher
München
2963 06.12.1808 Von Friedrich Daniel Ernst Schleiermacher
An Friedrich Wilhelm Joseph Schelling
Berlin

Erwähnungen in Briefen

No. Datum Korrespondenz Ort
2610 16.01.1808 Von Henrich Steffens
An Friedrich Daniel Ernst Schleiermacher
Krempelsdorf
2617 26.01.1808 Von Friedrich Daniel Ernst Schleiermacher
An Carl Gustav von Brinckmann (schwed. Brinkman)
Berlin
2650 01.03.1808 Von Friedrich Daniel Ernst Schleiermacher
An Carl Gustav von Brinckmann (schwed. Brinkman)
Berlin
2670 28.03.1808 Von August Boeckh
An Friedrich Daniel Ernst Schleiermacher
Heidelberg
2792 18.08.1808 Von Henrich Steffens
An Friedrich Daniel Ernst Schleiermacher
Halle an der Saale
3419 06.04.1810 Von Henrich Steffens
An Friedrich Daniel Ernst Schleiermacher
Halle an der Saale
3485 08.08.1810 Von Friedrich Severin Metger
An Friedrich Daniel Ernst Schleiermacher
Stolp (Stolpe)

Erwähnungen in Erläuterungen

No. Datum Korrespondenz Ort
2610 16.01.1808 Von Henrich Steffens
An Friedrich Daniel Ernst Schleiermacher
Krempelsdorf
2615 23.01.1808 Von Friedrich Daniel Ernst Schleiermacher
An Henrich Steffens
Berlin
2616 23.01.1808 Von Carl Gustav von Brinckmann (schwed. Brinkman)
An Friedrich Daniel Ernst Schleiermacher
Königsberg

Erwähnungen in Vorlesungen

Ästhetik 1832/33, Nachschrift Schweizer