24. November 1808

Friedrich Wilhelm III. entlässt den Freiherrn von Stein auf Drängen Napoleons, nachdem ein Brief Steins in französische Hände gelangt war, in dem seine Gegnerschaft zu Napoleon deutlich wurde. Innenminister wurde Schleiermachers Freund Alexander von Dohna, Finanzminister Karl vom Stein zum Altenstein, Justizminister Carl Friedrich von Beyme. Schleiermacher zeigt sich über diese Entlassung wenig verwundert in einem Brief an seine Braut Henriette von Willich vom 26.1.1809: „Steins Verfolgung hat mich gar nicht alterirt. Ich hatte zwar gar nicht daran gedacht aber als es kam war es mir wie etwas ganz bekantes und erwartetes. Nur das hat mir erstaunlich leid gethan daß er, was gar nicht nöthig gewesen wäre, so schnell abgereiset ist und daß ich ihn nicht vorher noch gesehen habe. Ich habe ihm sagen lassen ich gratulirte ihm denn es wäre die größte Ehre die einem Privatmann widerfahren könnte für einen Feind der großen Nation erklärt zu werden.“Brief 3045, 192–198, KGA V/10.  [Schließen]

24. Dezember 1808

Schleiermacher verbringt Heiligabend bei Reimers, leidet allerdings an einer Kolik, die den Weihnachtsabend und die kommenden Tage bestimmt. Vgl. Brief 3008, 43–50, KGA V/10.  [Schließen] Schleiermachers Braut Henriette von Willich erhält zu Weihnachten sein Portrait, das später zur Vorlage für einen bekannten Stich von Lips wird:Der Stich von Johann Jakob Lips erschien als Titelkupfer im Magazin für Prediger , VI. Bd., 1. St. (1811), vgl. Bauer, Schleiermacherbildnisse , 1928, S. 87 f.  [Schließen] „O süßer Ernst! welche Freude hast Du mir gemacht! welch einen Schatz, welch Kleinod habe ich nun in Händen! Mann meines Herzens – süßer theurer lieber Mann ich kann dir gar nichts sagen – aber es ist unendlich wie Du mich reich gemacht! Immer möchte ich nur die lieben Züge sehen – ganz im anschauen versinken – und dann gewinnen sie ein Leben daß ich hinstürzen möchte und es mit Küssen bedecken und es an mein Herz pressen, das so wonnevoll und so wehmüthig zugleich bewegt ist – – Ernst wie bist Du schön! ja der Mahler hat wohl recht daß dein Mund schön ist aber nicht hintenan stehen dürfen wahrlich Deine Augen und Deine Stirn um die etwas recht verklärtes schwebt. Ach süßer Ernst wer weiß wie oft Dein liebes Bild mich noch trösten muß – wie oft ich noch mit thränenvollem Blick davor hintreten werde. Es wird es immer thun was auch mein Herz drücke – es wird mich immer mit Seeligkeit erfüllen denn lebendig vergegenwärtigen wird es mir daß du mein bist – daß du dich mir gegeben in ganzer unsterblicher Liebe – Morgens und Abends wird es mein Gebet sein andächtig davor zu stehen.“ Brief 3013, 2–17, KGA V/10.  [Schließen]

24. Juli 1809

Wilhelm von Humboldt reicht seinen modifizierten „Antrag auf Errichtung der Universität Berlin“ ein,Vgl. Wolfes, Öffentlichkeit und Bürgergesellschaft , 2004, S. 276. Der ursprüngliche Antrag Humboldts findet sich in W. v. Humboldt: Gesammelte Schriften, Bd. X, S. 139-147.  [Schließen] der die Zustimmung des Königs Friedrich Wilhelm III. erhält.

24. September 1809

Schleiermacher predigt laut Tageskalender in Gnadenfrei (er notiert: „Antrittspredigt“).

24. November 1809

Beginn der im Vorfeld der Universitätsgründung gehaltenen Vorlesung über „Die allgemeinen Grundsätze der Auslegungskunst“ (bis zum 16.12.) am Freitag und Sonnabend von 5–6 Uhr.Vgl. Arndt u. Virmond, Schleiermachers Briefwechsel (Verzeichnis) , 1992, S. 304.  [Schließen] In den Kontext der Vorbereitung und Ausarbeitung der Hermeneutik-Vorlesungen in diesem Jahr fällt auch das Manuskript „Sprachphilosophische Untersuchungen“, das Überlegungen zu Flexionsformen enthält. Vgl. SN 125; KGA I/14, S. 105–108.  [Schließen]

24. Dezember 1809

Bescherung bei Schedes und Weihnachtsabend bei Reimers.

24. Juni 1810

Schleiermacher predigt vormittags in der Dreifaltigkeitskirche (Apg 2,44–45). Vgl. KGA III/4, S. 117–122.  [Schließen]

24. August 1810

Schleiermacher legt einen auf Vorarbeiten von Süvern und Savigny basierenden Entwurf zur Organisation der Lehre und Verwaltung der Universität vor, der weitgehend übernommen wurdeVgl. Lenz, Geschichte der Universität , Bd. 1, 1910, S. 277.  [Schließen] und am 28.12.1810 als Universitätsreglement in Kraft trat.Vgl. Wolfes, Öffentlichkeit und Bürgergesellschaft , 2004, S. 282.  [Schließen]

24. Dezember 1810

Schleiermachers erste Tochter Clara Elisabeth wird geboren, Schleiermacher berichtet an seine Schwägerin Charlotte von Kathen: „Liebste Schwester das langersehnte schöne Glük ist nun da, und wie herrlich ist es gekommen! Jette war am heiligen Abend noch ganz munter, machte gegen Abend für Groß und Klein zurecht theilte – wiewol unter den ersten Vorempfindungen – unsere Freude, und fuhr hernach noch mit zu Reimers um da der Weihnachtsfreude beizuwohnen. Bald nach Neun trieb sie nach Hause, der Geburtshelfer wurde geholt und noch vor Mitternacht war das kleine Mädchen glüklich da; stark und gesund und mit einem ganzen Kopf voll dunkler Haar angethan. Es nahm noch in derselben Nacht die Brust und befindet sich wie die Mutter sehr wol.“Brief 3553, 1–9, KGA V/11. [Schließen]

Zitierhinweis

Chronologie zu Leben und Werk Schleiermachers von 1808 bis 1810, erarbeitet von Sarah Schmidt. In: schleiermacher digital / Chronologie. Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften, Berlin. URL: https://schleiermacher-digital.de/chronologie/index.xql

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