21. Februar 1808

Schleiermacher predigt vormittags laut Tageskalender in der Jerusalemkirche (Lk 8,4–56). Am selben Tag beginnt der Schwedisch-Russische Krieg, russische Truppen fallen in Finnland ein. Schleiermachers schwedischer Freund Carl Gustav von Brinckmann schildert in einem Brief vom 28.4.1808 die politische Lage, die auch seinen Aufenthalt in dem mit Russland alliierten Preußen schwer gestaltet: „Den Verlust von Finnland, welches beinah den 3ten Theil unserer Bevölkerung enthält, können wir nie verschmerzen, und so gewiß wir es hätten vertheidigen können, wenn das Reich nicht von der entgegengesezten Seite nicht noch furchtbarer bedroht worden wäre – so unmöglich dürfte, zum Theil aus der nemlichen Ursache, die Wiedereroberung desselben werden, wenn die Russen sich erst festsezen und alle Vortheile der natürlichen Lage zu benuzen verstehen. Und von welchem Feind werden wir zermalmt? – Von ewigen, beinah unbildbaren, lichtscheuen und rohen Barbaren. Die armen Finnländer; ich kann ohne Thränen nicht an ihr Schicksal denken. – Wie es mir bei all diesen Aussichten zu Mute ist, kannst Du dir ungefehr vorstellen, denn mein persönliches Schicksal hängt auf das Genaueste mit dem öffentlichen zusammen. Daß ich nicht unter dem Unterdrücker meines Vaterlandes fortdienen könnte, versteht sich von selbst, und wenn er mich zu seinem Ersten Minister machen wolte.“ (Brief 2696, 21–36, KGA V/10) In seinem Antwortschreiben nimmt Schleiermacher eine Art Abschied vom Freund, denn die politische Lage stört auch die Möglichkeit zur ungehinderten Korrespondenz (Brief 2719, 45–55, KGA V/10).  [Schließen]

Zitierhinweis

Chronologie zu Leben und Werk Schleiermachers von 1808 bis 1811, erarbeitet von Sarah Schmidt und Holden Kelm. In: schleiermacher digital / Chronologie. Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften, Berlin. URL: https://schleiermacher-digital.de/S1120194

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