19. August 1811

Schleiermachers Brieffreundin, die Chorleiterin und Komponistin Luise Reichardt, schreibt ihm aus Hamburg und wünscht ihm gute Besserung seiner Magenkrämpfe durch die Behandlung mit der magnetischen Kur, die Schleiermacher in einem Brief an seinen Freund Carl Gustav von Brinckmann von 1812 als eine Methode (unter anderen) anführt, die ihn schließlich (nach gut sieben Monaten) von seinem Leiden befreit habe.Vgl. Brief 3664, 4–8, Brief 3785, 30–35, KGA V/12 [Schließen]

20. August 1811

Das Sommersemester der Berliner Universität endet, Schleiermacher hält die letzte Vorlesungsstunde seiner ersten Dialektikvorlesung.

22. August 1811

Schleiermacher beendet seine Vorlesungen über „Dogmatische Theologie“ und über die „Episteln des Paulus an die Galater, Thessalonicher, Corinther und die Römer“.

27. August 1811

Schleiermacher schreibt an Adolf und Sophie Schlichtkrull auf Rügen und sagt seine für den Spätsommer geplante und bereits vorbereitete Rügenreise zugunsten der Schlesienreise im September ab.Vgl. Brief *3672, KGA V/12 [Schließen]

2. September 1811

Als Ergänzung zur 1810 eingeführten allgemeinen Gewerbesteuer wird mit dem sog. Gewerbepolizei-Gesetz die Gewerbefreiheit in Preußen weitergeführt und damit der Zunftzwang aufgelöst.

14. September 1811

In Preußen wird nach der Abschaffung der Erbuntertänigkeit der Bauern das Regulierungsedikt erlassen, durch das die Bauern von Abgaben und Diensten befreit werden sollen und Grundbesitz von ihren ehemaligen Grundherren überlassen bekommen. Allerdings werden die Bauern zugleich zu einer Rückgabe von Teilen ihres Landes bzw. einer Auszahlung an ihre früheren Grundherren als Entschädigungsleistung gezwungen.

14. September 1811

Laut Tageskalender beginnt Schleiermacher seine Reise nach Schlesien um 2 Uhr nachmittags und gelangt über Königs Wusterhausen bis nach Storkow, wo ein Zwischenhalt mit Übernachtung eingelegt wird.Zur Schlesienreise Schleiermachers vgl. die Reisenotizen in: Schleiermacher: Tageskalender 1811, erarbeitet von Wolfgang Virmond, in: schleiermacher digital / Tageskalender 1808–1834, hg. v. Elisabeth Blumrich, Christiane Hackel, Wolfgang Virmond, Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften, Berlin. [Schließen]

15. September 1811

Schleiermacher setzt seine Schlesienreise um 1 Uhr morgens fort und gelangt über Beeskow, Lieberose und Cottbus bis nach Spremberg.

16. September 1811

Schleiermacher erreicht nach frühmorgendlichem Aufbruch Niesky, wo er über Mittag bei Albertini weilt und anschließend nach Görlitz weiterreist.

17. September 1811

Schleiermacher erreicht am vierten Tag seiner Reise das schlesische Löwenberg und bricht nachmittags nach Hirschberg auf, von wo aus er seiner Frau Henriette schreibt, die Reise sei bislang ohne jeden Unfall glücklich verlaufen, er habe aber seine Geschäfte nicht ausrichten können, weshalb eine Übernachtung eingelegt worden sei. Seiner Reisebegleiterin Luise von Willich, die den Winter bei den Schleiermachers verbracht hatte, ergehe es gut; auch von einem Besuch bei seinem Bruder Carl ist die Rede.Vgl. Brief 3684, KGA V/12 [Schließen] Im nächsten Brief an Henriette vom 21. September berichtet Schleiermacher von gemeinsamen Ausflügen ins Riesengebirge zum Kochelfall und auf die Schneekoppe sowie von der Abreise Luise von Willichs. Er selber gedenke über Gnadenfrei, wo er seine Schwester Charlotte besuchen wolle, nach Breslau weiterzureisen.Vgl. Brief 3686, KGA V/12 [Schließen]

25. September 1811

Schleiermacher erreicht Breslau, quartiert sich dort bei der Familie von Joachim Christian Gaß ein und setzt seinen Reisebriefwechsel mit seiner Frau Henriette fort.Vgl. Brief 3691, KGA V/12 [Schließen] Der Aufenthalt in Breslau erstreckt sich über vier Tage bis zum folgenden Sonntag, den 29. September. Schleiermacher trifft den Präsidenten der Provinz Schlesien Friedrich Theodor Merkel, hält eine Predigt in der reformierten Kirche und tritt am Sonntagabend, nach einem Besuch bei Ludwig Friedrich Heindorf, die Rückreise nach Berlin an.Vgl. Brief 3692, KGA V/12 [Schließen] Diese verläuft über eine andere Route als die Hinfahrt: über Grünberg, Crossen, Frankfurt und Müncheberg. Am 6. Oktober kehrt Schleiermacher von seiner Schlesienreise zurück nach Berlin.

21. Oktober 1811

An der Berliner Universität beginnt das Wintersemester 1811/12. Schleiermacher kündigt (ausnahmsweise) vier Vorlesungen an: drei theologische und eine philosophische, die er an diesem Montag beginnt: „Theologische Encyklopädie“ (26 Hörer), „Briefe des Apostel Paulus an die Kolosser, Epheser, Philipper, Timotheus, Titus und Philemon“ (42 Hörer), „Christliche Sittenlehre“ (42 Hörer) und „Die Geschichte der Philosophie unter den Griechen“ (52 Hörer).Vgl. Andreas Arndt / Wolfgang Virmond (Hg.): Schleiermachers Briefwechsel (Verzeichnis) nebst einer Liste seiner Vorlesungen, Berlin / New York 1992, S. 306–307 [Schließen]

1. November 1811

Schleiermacher erhält per Post von Gottlieb Ernst August Mehmel dessen jüngst verfasstes Lehrbuch der Sittenlehre, um dessen Einschätzung dieser Schleiermacher bittet, von dem er die Grundlinien einer Kritik der bisherigen Sittenlehre in bester Erinnerung behalten habe.Vgl. Brief 3698, KGA V/12 [Schließen] Mehmel kannte Schleiermacher bereits aus dessen frühromantischer Zeit, als er noch Redakteur der Erlanger Literaturzeitung war, in der Schleiermacher u.a. eine Rezension von Schillers Übersetzung des MacBeth von Shakespeare veröffentlichte.

11. November 1811

Schleiermacher hält an der Akademie der Wissenschaften den Vortrag „Über Anaximandros“. Die im engeren Kreis von Akademiemitgliedern vorgestellte Abhandlung wurde 1815 in den Jahrbüchern der Akademie veröffentlicht.Vgl. KGA I/11, XXIII, XXX–XXXII [Schließen]

15. November 1811

Schleiermacher hat im Rahmen seiner Tätigkeit in der Sektion für den öffentlichen Unterricht erst kürzlich das Ressort der Seminarangelegenheiten der Kurmark von Johann Wilhelm Süvern übernommen und kritisiert in dieser Funktion einen von Ludwig Natorp am 15. November eingereichten Entwurf für die Umstrukturierung des kurmärkischen Schullehrerseminars.Vgl. KGA II/12, XXXII–XXXIII [Schließen]

25. November 1811

Der nach Beendigung seines Studiums in Berlin nach Hamburg gezogene August Twesten gibt dort (vorübergehend) Privat- und Hausunterricht und bittet Schleiermacher um Ratschläge für seinen Religionsunterricht.Vgl. Brief 3708, 33–58, KGA V/12 [Schließen]

Dezember 12 Joachim Christian Gaß meldet sich aus Breslau und berichtet von den ersten Wochen des Universitätsbetriebes. Es hätten sich weniger Studenten als erwartet eingeschrieben, die Vorlesungen seien aber gut angelaufen, nur wenige Professoren hätten keine Zuhörer gefunden. Der akademische Gottesdienst würde indessen nur von der katholischen Fakultät durchgeführt, während die zuständige Kommission für den protestantischen noch keine Einrichtung getroffen habe.Vgl. Brief 3710, KGA V/12 [Schließen]

14. Dezember 1811

Schleiermacher schreibt im Auftrag des Departements für den öffentlichen Unterricht an Ludwig Friedrich Froriep und bietet ihm eine ordentliche Professur für Chirurgie an der neu gegründeten Universität Breslau an, die dieser jedoch aufgrund seiner 1808 angetretenen Professur an der Universität Heidelberg nicht annahm.

19. Dezember 1811

Schleiermacher erhält von Sophie Schlichtkrull die Nachricht, dass der kleine Karl von Willich an den Röteln verstorben sei.Vgl. Brief 3718, KGA V/12 [Schließen] Schleiermacher teilt Luise von Willich in einem Schreiben vom 26. Dezember sein Beileid mit.Vgl. Brief 3720, KGA V/12 [Schließen]

25. Dezember 1811

Schleiermacher hält an der Dreifaltigkeitskirche die Predigt zum ersten Weihnachtsfeiertag (Phil 4,4).

Zitierhinweis

Chronologie zu Leben und Werk Schleiermachers von 1808 bis 1811, erarbeitet von Sarah Schmidt und Holden Kelm. In: schleiermacher digital / Chronologie. Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften, Berlin. URL: https://schleiermacher-digital.de/S1120194

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