17. Oktober 1802

Predigt über Matthäus 5, 20.SN 54, Bl. 52 [Schließen]

17. Oktober 1806

Eroberung Halles durch französische Truppen;Vgl. dazu den Bericht in Steffens: Was ich erlebte, Bd. 5, S. 190–200. In KGA V/9, S. XXIV f. finden sich dazu weitere Ausführungen. [Schließen] Schleiermacher zieht mit seiner Halbschwester zu Steffens, um den Haushalt gemeinsam günstiger führen zu können.Vgl. Briefe 2356, 45–53 und 2323, 45–55. − Vgl. auch Steffens: Was ich erlebte, Bd. 5, S. 216–218: „Schleiermachers wie meine Lage war nun freilich bedenklich genug. Unser Gehalt war mit dem ersten November fällig, und das von vergangenen Monaten völlig aufgezehrt. Die Vorlesungen aber, die eben anfangen sollten, hatten ein bedeutendes Honorar schon jetzt in unsere Hände gebracht. Ich hatte in meinem Besitz über 80 Louisd’or. Daß ich, nach meiner Gesinnung, und da ich die Auszahlung des Gehalts erwartete, an keine Geldverlegenheit dachte, ist begreiflich. Nun aber meldeten sich alle meine Zuhörer und ich mußte mich glücklich schätzen, daß ich die Summe nicht angerührt hatte, und einen Jeden zufrieden stellen konnte. Ich behielt etwa 10 Rthlr. übrig, und Schleiermacher auch nicht mehr. Durch Freunde aus der Ferne irgend Etwas zu erhalten, war vors Erste unmöglich. Die französischen Heere hatten sich gegen Osten und Norden immer weiter verbreitet, der Krieg schnitt uns von Verwandten und Freunden völlig ab. Wir entschlossen uns nun, die kleine Summe, über die wir zu gebieten hatten, vereint zu benutzen, und eine gemeinschaftliche Wirthschaft zu führen. Schleiermacher bezog meine kleine beschränkte Wohnung. Meine Frau mit ihrem Kinde und Schleiermachers Schwester bewohnten eine kleine enge Kammer, die an eine größere Stube grenzte; ebenso schlief ich mit meinem Freunde in einer ähnlichen Kammer, und ein Jeder verfolgte seine Studien und Arbeiten in einer gemeinschaftlichen Stube. In einer Ecke meines Studirzimmers hat Schleiermacher seine Schrift über den ersten Brief Pauli an Timotheus ausgearbeitet. Wir lebten in der größten Dürftigkeit, sahen wenige Menschen, verließen fast nie das Haus, und als das Geld ausging, verkaufte ich mein Silberzeug. Obgleich wir nun so höchst kümmerlich lebten, so war unsere Stimmung keineswegs niedergedrückt. Es war die feste Ueberzeugung, daß von jetzt an das Schicksal des Landes in der unveränderlichen und festgehaltenen Gesinnung eines jeden Bürgers liege, die uns erhob und stärkte, und wir konnten trotz unserer Armuth, wie gewöhnlich, die Freunde und Jünglinge, die den Muth hatten, die Stadt nicht zu verlassen, den Abend an unserem Theetisch versammeln. Wir hatten kurz vorher uns mit Thee und Zucker auf eine lange Zeit versorgt; von Reichardts Verleger in Hamburg lief eine Sendung von Rum ein, die ich in unserm Feldlager für gute Beute erklärte. Hier erschienen: Harscher, Müller, v. Marwitz, v. Varnhagen und Freund Blanc, Prediger bei der französischen Gemeinde in Halle. Letzterer hatte sich eng an Schleiermacher und mich angeschlossen, hatte unsere Vorträge besucht und war sowohl durch Geist, wie durch Gesinnung einer meiner genauesten Freunde geworden.“ [Schließen]

Zitierhinweis

Chronologie zu Leben und Werk Schleiermachers von 1768 bis 1814. In: schleiermacher digital / Chronologie, hg. v. den Schleiermacher-Forschungsprojekten. Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften, Berlin. URL: https://schleiermacher-digital.de/chronologie (Stand: 26.7.2022)

Chronologie

Die Chronologie erschließt und kommentiert das Leben und Werk Schleiermachers und ist derzeit für die Jahre 1768 bis 1814 verfügbar. Neben den nach Datum sortierten Chronologien einzelner Jahre können kurze Jahresüberblicke über die obere Menüleiste aufgerufen werden. Die Jahrgänge 1768–1795 und 1796–1807 sind als zusammenhängende Überblicke gegeben, ab dem Jahr 1808 bis zum Jahr 1811 existiert für jedes Jahr ein separater Jahresüberblick.


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