3. October 1802

Predigt über Psalm 104, 13.SN 54, Bl. 46f. [Schließen]

3. October 1805

Auf der Rückreise trifft Schleiermacher in Dessau ein.Vgl. Brief 2041, 4–6 [Schließen] Henriette Herz berichtet an Ehrenfried und Henriette von Willich über Eleonore Grunows Fortgehen von ihrem Mann: „Nun, meine Lieben, will ich Euch ein wenig das Detail erzählen von Leonorens Fortgehen und ihrer jezigen Lage. Der treue wackere Jösting betrieb seit einiger Zeit die Sache mit ungemeinem Eifer und drang so lang in Leonore, bis sie ihm fest den Tag bestimmte, an welchem sie das ihr unwerthe Haus verlassen wollte. Sie bestimmte ihm Tag und Stunde, in welcher er sie am Thore erwarten solle. – Er fehlte nicht und führte sie am Dienstag vor 8 Tagen in eine reinliche, freundliche, von ihm vorher gemiethete Wohnung. – Ich eilte zu ihr und fand sie ruhig – doch aber auf einer Weise, wie man es nur ist, wenn man nicht an sich und andere denkt; es war also mehr Betäubung als Ruhe. Sie schrieb sogleich ihrem Bruder, daß sie sich frei gemacht und Grunows Haus verlassen habe – an Grunow selbst legte sie ein Zettelchen bei, in welchem sie ihm mit kurzen Worten sagte, daß sie nie wieder zu ihm kommen würde. Ich blieb mit Jösting bis spät Abends bei ihr. Den andern Morgen kam sie früh zu mir und blieb bis um 5 Uhr Nachmittags bei mir, dann ging sie nach Hause mit klopfendem Herzen einer Unterredung mit ihrem Bruder entgegen, welcher um diese Stunde zu ihr kommen wollte. Die gestrige Ruhe war verschwunden. Sie war bange und geängstigt und bebte den ganzen Tag wie eine Verbrecherin, die vor ihren Richtern erscheinen soll. Mit einem heiteren freien Gesicht kam sie ganz früh am folgenden Morgen zu mir und erzählte mir, wie glücklich jene gefürchtete Unterredung sich für sie geendigt habe. Grunow war den Morgen wie ein Wüthender zum Bruder gelaufen, dieser nahm ihn mit seiner gewöhnlichen Kälte und Ruhe auf, fragte ihn, ob er vernünftig sein wolle oder nicht und im lezten Falle ihn mit seinen Besuchen zu verschonen. Leonore bat er, sogleich ihre einsame Wohnung zu verlassen und mit ihm zu gehen, sie war aber wirklich zu angegriffen dazu, blieb die Nacht also dort, und von mir eilte sie bald fort, um ihre Schwester zu erwarten, die sie abholen wollte. So wohnt sie denn jezt in Ruhe und Friede bei ihrem Bruder, der sich ihrer sehr ernstlich annimmt. Grunow bestürmte ihn, sie und die Schwester mit Briefen, ja, er war sogar einen Morgen, da er Krüger nicht zu Hause wußte, bei ihr und quälte sie mit Gutem und Bösem mehrere Stunden. Dem Versprechen des Bruders gemäß wird die Klage morgen eingereicht werden. Giebt sich Grunow willig, so kann die Sache in 8 Tagen geendet sein, wenn nicht, so dauert sie freilich länger, und er sezt sich dem Scandal aus, daß bekandt werde, was Leonore verbergen will – daß er sie um all das Ihre brachte, und daß er sie nicht ernähren konnte. Jezt ist fast alles gethan; was bleibt, ergiebt sich von selbst. Ihr ein Trost erschien plötzlich Schleier auf einige Tage, der so wohl und heiter ist, wie ich ihn noch nie gekandt habe. Ihr werdet es begreifen und fühlen, wie glücklich Leonore und Schleier waren, wenn sie sich sahen, was binnen den 4 Tagen, die Schleier hier war, fast täglich geschah. Wie verklärt waren beide. Wahrscheinlich wird er in den Osterferien sie holen - es sind dann schon Monate drüber hingegangen und die Menschen haben aufgehört zu reden. Die schöne Feier auf Stubbenkammer werden wir also wohl nicht haben, aber die Menschen doch, denn sie kommen gewiß nach Rügen. Im Hafen wäre unser geliebter Freund nun bald, und dann sehe ich ihn so glücklich wie euch, meine theuere Geschwister. Ob aber ihm und Leonore noch das Glück werden wird, was euch jezt bevorsteht – oder was Ihr wohl gar schon genießt, das steht dahin.“Henriette Herz: Schleiermacher und seine Lieben, S. 96–98 [Schließen]

Zitierhinweis

Chronologie zu Leben und Werk Schleiermachers von 1808 bis 1811, erarbeitet von Sarah Schmidt und Holden Kelm. In: schleiermacher digital / Chronologie. Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften, Berlin. URL: https://schleiermacher-digital.de/S1120194

Download

Dieses Dokument als TEI-XML herunterladen.