2. August 1808

Rückfahrt nach Berlin, sie führt über Stralsund (wo Schleiermacher das Grab seines verstorbenen Freundes Ehrenfried von Willich besucht),„In Stralsund“, schreibt Schleiermacher am 7.8. unmittelbar nach der Rückkunft in Berlin seiner Braut, „war ich noch an Ehrenfrieds Grabe und reichte ihm in schöner Zuversicht in die andere Welt hinein die brüderliche Hand zum neuen Bunde; sein Geist ist gewiß mit uns.“ (Brief 2782, 61–63, KGA V/10). [Schließen] über Milzow und Anklam und schließlich über Prenzlau (3.8.), wo er Station bei Johanna Herz, der Schwester von Henriette Herz, macht.

5. August 1808

Ankunft in Berlin. Schleiermacher findet bei Ankunft ein Schreiben Schellings „mit Diplom“ vor, das ihm die Mitgliedschaft in der Münchner Akademie der Wissenschaften als auswärtiges korrespondierendes Mitglied bestätigt. Vgl. Brief *2774, KGA V/10, Schleiermacher antwortet Schelling am 6.12.1808, Brief 2963, KGA V/10.  [Schließen]

19. August 1808

Beschluss zur Reise nach Königsberg, Abreise am darauf folgenden Tag am späten Abend. Station in Landsberg (21.8.), in Marienwerder (24.8.), wo Schleiermacher unerwartet Fabian Dohna trifft, wie er seiner Halbschwester Anne (Nanny) berichtet: „Noch eine Reisegeschichte ist daß ich in der Nacht ganz zufällig mit Fabian Dohna zusammentraf. Erst sprachen wir zusammen ohne uns zu erkennen dann fanden wir uns wieder und ich erfuhr daß er es wäre und nahm ihn eine Station weit mit in den Wagen.“Brief 2805, 22–25, KGA V/10.  [Schließen]

25. August 1808

Ankunft in Königsberg, Unterkunft bei der Familie Wedeke.Schleiermacher beschreibt die enthusiastische Begrüßung des unerwarteten Besuches durch die Familie Wedeke in einem Brief vom 29.8.1808 an seine Braut : „Die Freude als ich ankam so ganz wie vom Himmel gefallen kannst du dir nicht denken. Sie war mir im ersten Augenblik etwas peinlich weil sie meine Ankunft so ganz allein auf sich bezogen da doch Geschäfte dabei zum Grunde liegen von denen ich ihnen aber nicht sagen konnte und die ich nun auch, ohnerachtet sie mir viel Zeit wegnehmen, so unmerklich abmachen muß als möglich. Aber das muß ich nun schon hingehn lassen weil es nicht anders sein kann.“ (Brief 2808, 12–18, KGA V/10). [Schließen] Schleiermacher trifft während seines fünfwöchigen Aufenthaltes in Königsberg mit Vertretern und wichtigen Schlüsselfiguren der preußischen Politik und Bildungspolitik (Scharnhorst, Friedrich Dohna, Süvern, Gneisenau, Stein, Nicolovius, Grollmann), sowie mit Vertretern des Königshauses zusammen, der Königin, den Königskindern samt Kronprinzen, der von ihm sehr geschätzten „Prinzeß Wilhelm“ (Marianne von Preußen), aber auch dem Prinzenerzieher Delbrück und der Gräfin Voß. Auskunft über diese Reise gibt Schleiermacher in Briefen an seine Schwester Nanny sowie in verschlüsselten Briefen an seinen Freund und Verleger Georg Andreas Reimer: „Heute soll ich noch der Marianne von Preußen Prinzeß Wilhelm präsentirt werden, und Morgen Abend bin ich wieder das geschieht fast einen Tag um den andern beim Kronprinzen. Auch bei Stein habe ich neulich gegessen und werde ihn wol in den nächsten Tagen wiedersehen.“ Brief an Anne (Nanny) Schleiermacher vom 2.9.1809, Brief 2811, 13–16, KGA V/10.  [Schließen]

August 1808

Schleiermachers langer Beitrag „Herakleitos der dunkle, von Ephesos, dargestellt aus den Trümmern seines Werkes und den Zeugnissen der Alten“ erscheint in dem von Buttmann und Wolf herausgegebenen Museum der Alterthums-Wissenschaft im dritten Stück des ersten Bandes. Vgl. ebendort, S. 313–533 sowie KGA I/6, S. 101–241, zur Entstehung vgl. KGA I/6, S. XXV–XXXV. [Schließen] An August Boeckh schreibt Schleiermacher am 18.6.1808: „So werden freilich auch unsere Heraklite sehr verschieden werden. Der meinige ist nun, für dies mal, was mich betrifft fertig, nur den Druk lasse ich noch unvollendet zurük. Etwas schwerfällig, wie ich pflege, werden Sie auch dieses finden, und für Ast wird es wieder einzeln zusammengeforscht sein nicht aus der TotalAnschauung der Hellenischen Philosophie, die freilich nur der Kundige darin erkenen wird, aber die auch in dem philologischen Museum äußerlich wenigstens nicht dominiren durfte.“ Brief 2701, 259–270, KGA V/10. [Schließen]

16. August 1809

Der König stellt die Stiftungsurkunde für die Berliner Universität aus. Vgl. Lenz, Geschichte der Universität , Bd. 1, 1910, S. 297 f. und Wolfes, Öffentlichkeit und Bürgergesellschaft , 2004, S. 276.  [Schließen]

5. August 1810

Schleiermacher hält vormittags in der Dreifaltigkeitskirche eine zweite Predigt zum Tode der Königin (Jes 55,8–9). KGA III/4, S. 138–150. Die Predigt vom 22.7. und vom 5.8.1810 zum Tode der Königin erschienen 1810 zusammen als Einzelpublikation bei Reimer in Berlin. [Schließen] Von Gaß erfahren wir, dass Schleiermacher insbesondere mit der zweiten Predigt nicht zufrieden war: „Welche erbärmliche Sachen sind hier bei der Todesfeier der Königin von den Canzeln gehört! Dem Hermes wurde sogar vom Generalfiskal das Concept abgefodert; er ist indeßen noch mit einem Verweise davon gekomen. Aber die Sachen der Berliner Pröbste haben mir auch nicht gefallen. Es war mir daher eine wahre Freude, als ich die Ankündigung der Ihrigen laß. Ich besize sie nun selbst und es scheint mir doch, als könne es nicht Ihr Ernst sein, wenn Sie besonders auf die zweite keinen Werth legen wollen. Ich habe sie einige mahl und immer mit steigendem Wohlgefallen gelesen und danke Ihnen recht sehr dafür.“ Brief 3517, 134–143, KGA V/11.  [Schließen] Aber auch Schleiermachers Predigt schien nicht alle Erwartungen zeitgenössischer Hörer erfüllt zu haben. So berichtet Ernst von Pfuel, der sich mit Heinrich von Kleist, Adam Heinrich Müller und dessen Frau Sophie aufteilte, um die Gedächtnispredigten zum Tode der Königin Luise zu hören, im Sommer 1810 an Caroline von Fouqué: „Vor allem aber hat Schleiermacher kalt und herzlos gesprochen, seine untadelhaft logisch verschränkten, mit der besten Moral gesättigten Perioden haben keine Träne hervorzulocken vermocht; Müller, der ihn gehört hatte, war indigniert. Das sind nun die großen Redner! mit keinem Effekt!“Zitiert bei Rahmer, Heinrich von Kleist als Mensch und Dichter , 1909, S. 41 f.  [Schließen]

19. August 1810

Schleiermacher predigt nachmittags in der Dreifaltigkeitskirche (Apg 9,3–22). Vgl. KGA III/4, S. 151–156.  [Schließen]

21. August 1810

In Schweden wird der französische Marschall Jean-Baptiste Bernadotte zum Kronprinzen Schwedens gewählt.

24. August 1810

Schleiermacher legt einen auf Vorarbeiten von Süvern und Savigny basierenden Entwurf zur Organisation der Lehre und Verwaltung der Universität vor, der weitgehend übernommen wurdeVgl. Lenz, Geschichte der Universität , Bd. 1, 1910, S. 277.  [Schließen] und am 28.12.1810 als Universitätsreglement in Kraft trat.Vgl. Wolfes, Öffentlichkeit und Bürgergesellschaft , 2004, S. 282.  [Schließen]

26. August 1810

Schleiermacher predigt nachmittags in der Dreifaltigkeitskirche (Apg 10,4–6). Vgl. KGA III/4, S. 157–161.  [Schließen]

Zitierhinweis

Chronologie zu Leben und Werk Schleiermachers von 1808 bis 1810, erarbeitet von Sarah Schmidt. In: schleiermacher digital / Chronologie. Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften, Berlin. URL: https://schleiermacher-digital.de/chronologie/index.xql

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