April 1808

Zur Ostermesse erscheint Schleiermachers zweite Predigtsammlung. Nicht bei allen kam die zweite Sammlung so gut an wie die erste. So urteilt Severin Metger in einem Brief vom 26.6.1808: „Ueber Ihre Predigten aber, als Predigten muß ich den Stab brechen, für Gebildete sind sie nicht, für Philosophen nur. Nicht wegen der Tiefe, als vielmehr wegen der Fülle der Ideen, und deren gegenseitigen Bedingtheit sind sie für den gemeinen Mann, dem alles, was er denkt, jedes Einzelne ein Absolutes ist, und für den bloß Gebildeten schlechterdings unverständlich. Doch auch Ihre Tiefe.“Brief 2755, 59–64, KGA V/10. Ludwig Blanc relativiert seine verhaltene Rückmeldung in einem Brief vom 12.7.1808: „Was in aller Welt mag ich Ihnen doch über die Predigten geschrieben haben daß Sie glauben konnten ich setzte die erste Sammlung unbedingt über die zweite? Diese letzte findet bei mir keine andern Schwierigkeiten als die jeder neue Ankömmling findet in die Rechte eines älteren Freundes einzutreten, auch hat sie seitdem schon bedeutende Fortschritte gemacht.“ (Brief 2766, 2–6, KGA V/10) Und Schleiermachers Schwester Charlotte gibt einen detaillierten Kommentar in ihrem Brief vom 24.3.1809, vgl. Brief 3166, 68–94, KGA V/11.  [Schließen]

17. April 1808

Schleiermacher predigt vormittags in der Dreifaltigkeitskirche (Röm 6,3–5) „Wo unser Leben dem Leben der Auferstehung Jesu gleichen soll“.Vgl. KGA III/3, S. 903–914. [Schließen]

9. April 1809

Der fünfte Koalitionskrieg beginnt, in dem Österreich Frankreich und dessen Verbündeten den Krieg erklärt; Preußen bleibt neutral.

16. April 1809

Schleiermacher predigt laut Tageskalender in der Dreifaltigkeitskirche und nimmt das Abendmahl gemeinsam mit seiner Braut.Vgl. z.B. Brief 3212, 34–43, 110–112, KGA V/11 und Brief 3216, 4–14, KGA V/11. [Schließen]

25. April 1809

Schleiermacher notiert im Tageskalender: „im neuen Hause“ – der Umzug in die Kanonierstraße ist abgeschlossen. Ein paar Tage zuvor, am 20.4.1809, schreibt Schleiermacher an seine Braut: „Nach gerade wächst mir die Confusion über den Kopf denn nun bin ich aus meiner Stube vertrieben weil da Bücher ausgestaubt werden die man heute ins Kanonierhaus transportirt und die ich Morgen dort aufstellen muß. Der Saal ist nun beinahe fertig aber in Nannys Stube die vor der Hand unsere Wohnstube wird hat der Maurer schlecht gearbeitet, und es muß erst ein zweiter drüber her ehe der Maler anfangen kann; die wird also auf keinen Fall fertig ehe wir reisen noch weniger ehe der Fuhrmann kommt mit den Sachen und diese müssen unterdeß in dem Saal zusammengepakt werden.“ Vgl. Brief 3217, 79–87, KGA V/11. [Schließen]

26. April 1809

Abreise mit Halbschwester Anne (Nanny) über Oranienburg und Gransee, über Strelitz und Neubrandenburg (27.4.), über Greifswald (28.4.), wo er den Dichter Kosegarten besucht, um am 29.4. die Glewitzer Fähre nach Rügen zu nehmen. Wie im Jahr zuvor, jedoch nun mit seiner Braut und späteren Frau Henriette von Willich, reist Schleiermacher auf Rügen viel hin und her, um Familie, Freunde und Bekannte zu besuchen und an verschiedenen Orten zu predigen.

30. April 1809

Gemeinsamer Kirchenbesuch mit Henriette von Willich.

1. April 1810

Napoleon heiratet Marie Louise von Österreich (1791–1847), Tochter von Kaiser Franz I. von Österreich.

7. April 1810

Schleiermachers Wahl zum ordentlichen Mitglied der philosophischen Klasse in der Preußischen Akademie der Wissenschaften in Berlin vom 29.3.1810 wird vom König bestätigt. Vgl. KGA V I/11, „Historische Einführung“, S. XII. [Schließen] Er wird in einem Schreiben vom 13.4.1810 durch den Sekretär der philosophischen Klasse, Friedrich Ancillon, über die Aufnahme informiert. Vgl. Brief 3420, KGA V/11. Am 30.3. wurde Schleiermacher jedoch bereits inoffiziell informiert, denn er notiert im Tagebuch: „Vorläufige Nachricht von meiner Aufnahme in die Akademie“. [Schließen]

20. April 1810

Schleiermacher predigt vormittags in der Dreifaltigkeitskirche (Joh 19,25–30). Vgl. KGA III/4, S. 60–65.  [Schließen]

29. April 1810

Wilhelm von Humboldt reicht seinen Rücktritt als Leiter der Sektion des Kultus und Unterricht im preußischen Innenministerium ein, das Gesuch wird am 14.6.1810 angenommen,Vgl. Ratgeber, „Strukturelle Vorgeschichte und Gründung des Kultusministeriums“, 2009, S. 5. Humboldts Entlassungsgesuch findet sich in: Gesammelte Schriften (1903) Bd. X, S. 244-250. [Schließen] am 23.6.1810 legt Humboldt seine Tätigkeit nieder,Vgl. Wolfes, Öffentlichkeit und Bürgergesellschaft , 2004, S. 271.  [Schließen] die Interimsleitung übernimmt Nicolovius, als Nachfolger wurde am 20.11. Friedrich von Schuckmann berufen.

April 1810

Schleiermachers Monologen. Eine Neujahrsausgabe erscheint kurz vor der Leipziger Ostermesse (13.5.) in der zweiten, überarbeiteten Ausgabe,KGA I/12, S. 323–393.  [Schließen] die im Vergleich zur ersten Auflage kleine inhaltliche wie stilistische Änderungen und einige Ergänzungen enthält. Laut Tagebuchaufzeichnungen hatte Schleiermacher im März 1810 an der Neuausgabe gearbeitet.

Zitierhinweis

Chronologie zu Leben und Werk Schleiermachers von 1808 bis 1810, erarbeitet von Sarah Schmidt. In: schleiermacher digital / Chronologie. Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften, Berlin. URL: https://schleiermacher-digital.de/chronologie/index.xql

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