1. Januar 1808

Schleiermacher predigt laut Tageskalender in der Werderschen Kirche (Mt 6,33).Im Folgenden werden nicht alle belegten Predigten Schleiermachers angeführt. Eine Liste der gehaltenen Predigten für die Jahre 1808–1810 finden sich in KGA III/1, S. 829–843.  [Schließen]

3. Januar 1808

In einem Brief an Johann Wilhelm Heinrich Nolte im Anschluss an ein Gespräch – Nolte war der zuständige Regierungsvertreter der theologischen Fakultät im Vorfeld der Universitätsgründung – unterstreicht Friedrich Schleiermacher die dringende Notwendigkeit, sich für eine Gründung der Universität einzusetzen. Vgl. Brief 2602, KGA V/10. Vgl. Arndt u. Virmond, Schleiermachers Briefwechsel (Verzeichnis) , 1992, S. 303. [Schließen]

6 . Januar 1808

Schleiermacher beginnt seine Vorlesungen im Vorfeld der Universitätsgründung im Palais des Prinzen Heinrich und liest Mittwoch, Donnerstag, Freitag und Sonnabend von 5–6 Uhr über „Das System der [philosophischen] Ethik“ und an denselben Tagen von 4–5 Uhr über „Theologische Enzyklopädie“.

16. Januar 1808

Der königlich-preußische Hof zieht von Memel nach Königsberg.

27 . Januar 1808

In der Nummer 23 der Jenaischen Allgemeinen Literaturzeitung erscheint Schleiermachers Rezension zu den beiden Schriften Über die Verlegung der Universitäten Halle nach Berlin und Soll in Berlin eine Universität seyn?Vgl. JALZ Nr. 23 (1808), Sp. 183 f. sowie KGA I/6, S. 7–13, zur Entstehung und Wirkungsgeschichte vgl. KGA I/6, S. XIII f.  [Schließen] Bezug einer eigenen Wohnung in der Schützenstraße 74 in Berlin. Vgl. „Historische Einführung“, in: KGA III/1, S. XLI sowie Brief an Gustav von Brinckmann, Brief 2617, 1–5, KGA V/10. [Schließen]

Januar 1808

Die von Schleiermacher mitunterzeichnete Bittschrift an Kaiser Napoleon (die Wiederaufnahme der Vorlesungstätigkeit und die Auszahlung der Universitätsgehälter betreffend) erscheint im ersten Stück des dreizehnten Bandes der von Christian Daniel Voß herausgegebenen Zeitschrift Die Zeiten, oder Archiv für die neueste Staatengeschichte und Politik.Vgl. ebendort S. 104–107 sowie KGA I/14, S. 87–91, zum historischen Kontext vgl. KGA I/14, S. XXXVII–XL.  [Schließen]

2. Februar 1808

Zusammen mit dem Mediziner Ludwig Friedrich Froriep publiziert Schleiermacher eine „Anzeige“ in der Nummer 27 der Staats- und Gelehrtenzeitung des Hamburgischen unpartheyischen Correspondenten, Vgl. ebendort Sp. 7 sowie KGA I/14, S. 93–95. [Schließen] mit der beide in Bezug auf die Mitteilung in der Hallenser Allgemeinen Zeitung vom 18.1.1808 dementieren, sie hätten um eine Wiederanstellung in Halle gebeten und diese nicht gewährt bekommen. Zum historischen Kontext vgl. KGA I/14, S. XLI–XLIV sowie Patsch, „Ein Gelehrter ist kein Hund. Schleiermachers Absage an Halle“, 1985. In einen Brief vom 26.1.1808 an seinen Freund Brinckmann erläutert Schleiermacher seine Haltung zur Wiedereinstellung an der Universität Halle (Brief 2617, 5–22, KGA V/10): „Die Wiederherstellung von Halle hat keinen Einfluß auf mich gehabt. Theils war ich schon abgereist von dort ehe eine ganz bestimmte Aussicht dazu war, theils lebe ich der festen Ueberzeugung daß eine Universität wie sie mir allein wünschenswerth ist und wie sie in Halle anfing sich zu bilden unter den gegenwärtigen Umständen dort nicht bestehen kann, und hatte mich deshalb schon während meines Sommeraufenthaltes hier entschlossen es lieber darauf zu wagen was von den hiesigen Entwürfen zu Stande kommen wird. Nun hat man sogar von Cassel aus erklärt wer am 1ten October nicht in Halle gewesen, solle provisorisch nicht als ein Mitglied der Universität angesehen werden, wodurch denn außer mir auch Wolf und Steffens, Loder Froriep Schmalz Leute verschiedner Art von dort ausgefegt sind, so daß sich Halle nun auf einmal alles fremdartigen Stoffes entlediget den es seit einigen Jahren eingesogen und nun ganz als das Alte wieder auferstehen kann unter der Direction unseres Freundes Niemeier, der nun Gelegenheit haben wird seine peinliche Scheu gegen alles neoterische zu befriedigen und seinen antiuniversitätischen Gedanken freien Lauf zu lassen.“  [Schließen]

21. Februar 1808

Schleiermacher predigt vormittags laut Tageskalender in der Jerusalemkirche (Lk 8,4–56). Am selben Tag beginnt der Schwedisch-Russische Krieg, russische Truppen fallen in Finnland ein. Schleiermachers schwedischer Freund Carl Gustav von Brinckmann schildert in einem Brief vom 28.4.1808 die politische Lage, die auch seinen Aufenthalt in dem mit Russland alliierten Preußen schwer gestaltet: „Den Verlust von Finnland, welches beinah den 3ten Theil unserer Bevölkerung enthält, können wir nie verschmerzen, und so gewiß wir es hätten vertheidigen können, wenn das Reich nicht von der entgegengesezten Seite nicht noch furchtbarer bedroht worden wäre – so unmöglich dürfte, zum Theil aus der nemlichen Ursache, die Wiedereroberung desselben werden, wenn die Russen sich erst festsezen und alle Vortheile der natürlichen Lage zu benuzen verstehen. Und von welchem Feind werden wir zermalmt? – Von ewigen, beinah unbildbaren, lichtscheuen und rohen Barbaren. Die armen Finnländer; ich kann ohne Thränen nicht an ihr Schicksal denken. – Wie es mir bei all diesen Aussichten zu Mute ist, kannst Du dir ungefehr vorstellen, denn mein persönliches Schicksal hängt auf das Genaueste mit dem öffentlichen zusammen. Daß ich nicht unter dem Unterdrücker meines Vaterlandes fortdienen könnte, versteht sich von selbst, und wenn er mich zu seinem Ersten Minister machen wolte.“ (Brief 2696, 21–36, KGA V/10) In seinem Antwortschreiben nimmt Schleiermacher eine Art Abschied vom Freund, denn die politische Lage stört auch die Möglichkeit zur ungehinderten Korrespondenz (Brief 2719, 45–55, KGA V/10).  [Schließen]

Februar 1808

Schleiermachers Schrift Gelegentliche Gedanken über Universitäten in deutschem Sinn. Nebst einem Anhang über eine neu zu errichtende erscheint bei Reimer in Berlin. KGA I/6, S. 15–199, zur Datierung vgl. KGA I/6, S. XVIII. [Schließen] Neben kritischen Reaktionen „Einige Freunde hier haben geurtheilt“, so erläutert Schleiermacher in einem Brief an Brinckmann vom 1.3.1808 „die ganze Schrift überzeuge so sehr davon daß Berlin nicht der Ort für eine Universität sei daß der Anhang den Eindrukk nicht wieder verlöschen könne. Das wäre freilich sehr gegen meine Absicht, und sollte dieser Eindrukk allgemein sein so würde es mir leid thun nicht noch ein Paar Bogen an den Anhang gewendet zu haben. Meine Hauptabsicht indeß war nur den Gegensaz zwischen den deutschen Universitäten und den französischen Spezialschulen recht anschaulich und den Werth unserer einheimischen Form übereinleuchtend zu machen ohne eben gegen die andere direct zu polemisiren. Laß mich doch nun wenn du Zeit findest die kleine Broschüre zu lesen recht aufrichtig wissen wie sie dich afficirt hat, und besonders auch ob du die ganze Schleiermachersche Schwerfälligkeit darin findest oder weniger davon.“ (Brief 2650, 25–37, KGA V/10). [Schließen] finden die Gedanken auch eine sehr positive Rückmeldung, wie z.B. im Brief Blancs an Schleiermacher vom 25.3.1808: „Die gelegentlichen Gedanken habe ich dieser Tage von Schwedschke bekommen und sie nur zu schnell gelesen, doch hätte ich unendlich viel daran zu loben, besonders die durchaus streng historische Deduktion der Formen welche die wissenschaftlichen Vereine aller Art in Deutschland hervorgebracht haben, die herrlichen Winke über gelehrte Ausfuhr und Sperre, Monopolien und was dazu gehört. Besonders hat es mir großes Vergnügen gemacht zu sehen wie Sie, ohne daß Sie darum können gewußt haben die neue Kaiserliche Universal-Universität schon vor ihrer Geburt so schön gewürdigt haben. Ich wüßte aber kaum zu sagen was dem Niemeier in dieser Schrift nicht misfallen sollte, etwa das Kapitel über Akademische Freiheit?“Brief 2692, 38–48, KGA V/10. Auch Metger urteilt in einem Brief vom 26.6.1808 über die Schrift: „Ihre Construction des Wesens und der innern Nothwendigkeit einer Universität hat mir überaus gefallen.“ (Brief 2755, 56 f., KGA V/10).  [Schließen]

13. März 1808

Friedrich VI. folgt dem verstorbenen Christian VII. als König von Dänemark und Norwegen.

14. März 1808

Beginn des Dänisch-Schwedischen Krieges, in dem Dänemark auf die Wiedergewinnung früher verlorener Gebiete hofft.

April 1808

Zur Ostermesse erscheint Schleiermachers zweite Predigtsammlung. Nicht bei allen kam die zweite Sammlung so gut an wie die erste. So urteilt Severin Metger in einem Brief vom 26.6.1808: „Ueber Ihre Predigten aber, als Predigten muß ich den Stab brechen, für Gebildete sind sie nicht, für Philosophen nur. Nicht wegen der Tiefe, als vielmehr wegen der Fülle der Ideen, und deren gegenseitigen Bedingtheit sind sie für den gemeinen Mann, dem alles, was er denkt, jedes Einzelne ein Absolutes ist, und für den bloß Gebildeten schlechterdings unverständlich. Doch auch Ihre Tiefe.“Brief 2755, 59–64, KGA V/10. Ludwig Blanc relativiert seine verhaltene Rückmeldung in einem Brief vom 12.7.1808: „Was in aller Welt mag ich Ihnen doch über die Predigten geschrieben haben daß Sie glauben konnten ich setzte die erste Sammlung unbedingt über die zweite? Diese letzte findet bei mir keine andern Schwierigkeiten als die jeder neue Ankömmling findet in die Rechte eines älteren Freundes einzutreten, auch hat sie seitdem schon bedeutende Fortschritte gemacht.“ (Brief 2766, 2–6, KGA V/10) Und Schleiermachers Schwester Charlotte gibt einen detaillierten Kommentar in ihrem Brief vom 24.3.1809, vgl. Brief 3166, 68–94, KGA V/11.  [Schließen]

17. April 1808

Schleiermacher predigt vormittags in der Dreifaltigkeitskirche (Röm 6,3–5) „Wo unser Leben dem Leben der Auferstehung Jesu gleichen soll“.Vgl. KGA III/3, S. 903–914. [Schließen]

10. Mai 1808

Der reformierte Prediger der Dreifaltigkeitskirche Karl Friedrich Thiele stirbt, und Schleiermacher knüpft an die frei werdende Stelle sogleich die Hoffnung auf die Einrichtung einer Universitätspredigerstelle: „Es ist hier der reformirte Prediger an der Dreifaltigkeitskirche gestorben, und ich habe an den König geschrieben daß wenn er bei der hier zu errichtenden Universität nicht auch einen akademischen Gottesdienst zu stiften dächte er mir doch diese Stelle möchte geben lassen. Sie gehört freilich zu denen die seit dem Kriege ganz ohne Besoldung gewesen sind; es kommt mir aber auch nur darauf an eine feste Kanzel zu haben, und zwar eine solche deren mäßige Geschäfte sich am leichtesten mit dem akademischen Beruf verbinden lassen, und das ist grade diese.“Brief an seinen Schüler A. v. der Marwitz vom 31.5.1808, Brief 2724, 31–39, KGA V/10.  [Schließen]

20. Mai 1808

Schleiermacher beginnt bei seinen Wanderungen in der Berliner Umgebung ein „Botanisches Journal“ zur Bestimmung von Pflanzen, das er auf Rügen fortsetzt und das im Jahr 1809 abbricht.KGA I/14, S. 97–103, sowie zum Kontext KGA I/14, S. XLV–XLIL. Die Einträge sind vom 20.5., 11.6., 27.6., 17.7. und 1.2.1809; Schleiermacher notiert darüber hinaus am 13.7.1808 auf Rügen in seinem Tageskalender „Morgens botanische Stunde“.  [Schließen]

28. Mai 1808

Das reformierte Kirchendirektorium wird per königlichem Spezialbefehl aufgefordert, Schleiermacher als Prediger an der Dreifaltigkeitskirche zu berufen.

6. Juni 1808

Napoleons Bruder Joseph Bonaparte besteigt den spanischen Thron.

18. Juni 1808

Abreise nach Rügen über Anklam, Greifswald und Stralsund (21.6.). Ankunft in Rügen am 22.6. in Götemitz und Poseritz; aus dem Tagebuch geht hervor, dass Schleiermacher hauptsächlich in Poseritz verweilte und Tagesausflüge nach Garz, Götemitz, Rambin, Sissow, Sagard, Bobbin, Stubbenkammer und Wiek, Putbus sowie eine Schiffsfahrt nach Hiddensee unternahm, sogar zweimal nach Stralsund pendelte und an verschiedenen Orten auf der Insel predigte.

23. Juni 1808

Treffen zum musikalischen Abend bei Charlotte Cummerow in Stralsund (gemäß Eintrag im Tageskalender).

18. Juli 1808

Verlobung mit Henriette von Willich nach einem gemeinsamen Bad in der Brunnenaue.Der Eintrag am 24.7. in Schleiermachers Tagekalender lässt auf die vereinzelte Mitteilung der Verlobung schließen: „Ich an Sophie gesagt und Jettchen an Lotte Pistorius“. [Schließen] Das Paar blickt einige Monate später auf diese Szene zurück. Vgl. Brief 3125, 45–59, KGA V/11.  [Schließen]

19. Juli 1808

Schleiermachers Berufung zum Prediger an der Dreifaltigkeitskirche wird durch den König bestätigt. Aus der Vokationsurkunde geht ein Jahresgehalt von 750 Rth. hervor.Vgl. KGA III/1, S. XLI f.  [Schließen]

2. August 1808

Rückfahrt nach Berlin, sie führt über Stralsund (wo Schleiermacher das Grab seines verstorbenen Freundes Ehrenfried von Willich besucht),„In Stralsund“, schreibt Schleiermacher am 7.8. unmittelbar nach der Rückkunft in Berlin seiner Braut, „war ich noch an Ehrenfrieds Grabe und reichte ihm in schöner Zuversicht in die andere Welt hinein die brüderliche Hand zum neuen Bunde; sein Geist ist gewiß mit uns.“ (Brief 2782, 61–63, KGA V/10). [Schließen] über Milzow und Anklam und schließlich über Prenzlau (3.8.), wo er Station bei Johanna Herz, der Schwester von Henriette Herz, macht.

5. August 1808

Ankunft in Berlin. Schleiermacher findet bei Ankunft ein Schreiben Schellings „mit Diplom“ vor, das ihm die Mitgliedschaft in der Münchner Akademie der Wissenschaften als auswärtiges korrespondierendes Mitglied bestätigt. Vgl. Brief *2774, KGA V/10, Schleiermacher antwortet Schelling am 6.12.1808, Brief 2963, KGA V/10.  [Schließen]

19. August 1808

Beschluss zur Reise nach Königsberg, Abreise am darauf folgenden Tag am späten Abend. Station in Landsberg (21.8.), in Marienwerder (24.8.), wo Schleiermacher unerwartet Fabian Dohna trifft, wie er seiner Halbschwester Anne (Nanny) berichtet: „Noch eine Reisegeschichte ist daß ich in der Nacht ganz zufällig mit Fabian Dohna zusammentraf. Erst sprachen wir zusammen ohne uns zu erkennen dann fanden wir uns wieder und ich erfuhr daß er es wäre und nahm ihn eine Station weit mit in den Wagen.“Brief 2805, 22–25, KGA V/10.  [Schließen]

25. August 1808

Ankunft in Königsberg, Unterkunft bei der Familie Wedeke.Schleiermacher beschreibt die enthusiastische Begrüßung des unerwarteten Besuches durch die Familie Wedeke in einem Brief vom 29.8.1808 an seine Braut : „Die Freude als ich ankam so ganz wie vom Himmel gefallen kannst du dir nicht denken. Sie war mir im ersten Augenblik etwas peinlich weil sie meine Ankunft so ganz allein auf sich bezogen da doch Geschäfte dabei zum Grunde liegen von denen ich ihnen aber nicht sagen konnte und die ich nun auch, ohnerachtet sie mir viel Zeit wegnehmen, so unmerklich abmachen muß als möglich. Aber das muß ich nun schon hingehn lassen weil es nicht anders sein kann.“ (Brief 2808, 12–18, KGA V/10). [Schließen] Schleiermacher trifft während seines fünfwöchigen Aufenthaltes in Königsberg mit Vertretern und wichtigen Schlüsselfiguren der preußischen Politik und Bildungspolitik (Scharnhorst, Friedrich Dohna, Süvern, Gneisenau, Stein, Nicolovius, Grollmann), sowie mit Vertretern des Königshauses zusammen, der Königin, den Königskindern samt Kronprinzen, der von ihm sehr geschätzten „Prinzeß Wilhelm“ (Marianne von Preußen), aber auch dem Prinzenerzieher Delbrück und der Gräfin Voß. Auskunft über diese Reise gibt Schleiermacher in Briefen an seine Schwester Nanny sowie in verschlüsselten Briefen an seinen Freund und Verleger Georg Andreas Reimer: „Heute soll ich noch der Marianne von Preußen Prinzeß Wilhelm präsentirt werden, und Morgen Abend bin ich wieder das geschieht fast einen Tag um den andern beim Kronprinzen. Auch bei Stein habe ich neulich gegessen und werde ihn wol in den nächsten Tagen wiedersehen.“ Brief an Anne (Nanny) Schleiermacher vom 2.9.1809, Brief 2811, 13–16, KGA V/10.  [Schließen]

August 1808

Schleiermachers langer Beitrag „Herakleitos der dunkle, von Ephesos, dargestellt aus den Trümmern seines Werkes und den Zeugnissen der Alten“ erscheint in dem von Buttmann und Wolf herausgegebenen Museum der Alterthums-Wissenschaft im dritten Stück des ersten Bandes. Vgl. ebendort, S. 313–533 sowie KGA I/6, S. 101–241, zur Entstehung vgl. KGA I/6, S. XXV–XXXV. [Schließen] An August Boeckh schreibt Schleiermacher am 18.6.1808: „So werden freilich auch unsere Heraklite sehr verschieden werden. Der meinige ist nun, für dies mal, was mich betrifft fertig, nur den Druk lasse ich noch unvollendet zurük. Etwas schwerfällig, wie ich pflege, werden Sie auch dieses finden, und für Ast wird es wieder einzeln zusammengeforscht sein nicht aus der TotalAnschauung der Hellenischen Philosophie, die freilich nur der Kundige darin erkenen wird, aber die auch in dem philologischen Museum äußerlich wenigstens nicht dominiren durfte.“ Brief 2701, 259–270, KGA V/10. [Schließen]

3. September 1808

Hört eine Vorlesung bei Delbrück, dem Prinzenerzieher.

4. September 1808

Predigt vormittags in der Königsberger Schlosskirche (Mk 7,31–37) für die königliche Familie, was er selbst jedoch als eine schwierige Aufgabe empfindet: „Uebermorgen predige ich hier in der Schloßkirche, gewissermaßen auf Allerhöchsten Befehl aber die ganze Geschichte ist mir ein wenig verdrießlich und es wird nicht etwas sonderliches werden.“Brief an Anne (Nanny) Schleiermacher vom 2.9.1809, Brief 2811, 10–13, KGA V/10.  [Schließen]

15. September 1808

Schleiermacher gibt dem Kronprinzen „Lektionen“.

25. September 1808

Rückreise über Marienwerder (26.9.), Treptow und Stargard (28.9.), Küstrin (am 29.), Ankunft am 30.9. morgens in Berlin.

27. September 1808

Beginn des Erfurter Fürstenkongresses, auf dem der Bündnisvertrag zwischen Zar Alexander und Napoleon unterzeichnet wurde.

September 1808

Aufnahme der Platon-Übersetzungen und gemeinsame Platon-Lektüren mit Heindorf. Es handelt sich dabei wohl um Schleiermachers umfangreiche und entscheidende Mitarbeit an Heindorfs Auswahlausgabe der Platonischen Dialoge (Heindorf Dialogi selecti ), vgl. „Historische Einführung“, in: KGA II/4, S. XXXI f.  [Schließen]

10. Oktober 1808

Abreise über Potsdam nach Dessau (11.10.), wo er am 12.10. im Landschaftspark Wörlitz mit Steffens zusammentrifft. Die Rückreise von Dessau nach Potsdam am 14.10 und am nächsten Tag von Potsdam zu Fuß (!) nach Berlin. Vgl. Brief 2883, 1–28, KGA V/10 und Brief 2913, 89–99, KGA V/10.  [Schließen]

31. Oktober 1808

Schleiermacher notiert erstmals im Tageskalender den Besuch der Mineralogie-Vorlesung bei Karsten, zu der Schleiermacher im Notizteil seines Tageskalenders auch Aufzeichnungen macht. Das Angebot nur Gast und somit nicht zahlender Hörer zu sein, lehnte Schleiermacher humorvoll ab.Vgl. das Billet an Karsten vom 27.12.1808, Brief 3014, KGA V/10.  [Schließen]

18. November 1808

Die von Schleiermacher laut Tageskalender Anfang November begonnenen Überlegungen zu einer neuen Kirchenverfassung, zu denen ihn wohl Stein in Königsberg den Auftrag gab,Offenbar hatte Schleiermacher während seines Aufenthaltes in Königsberg 1808 von Stein den Auftrag erhalten, den Entwurf einer neuen Kirchenordnung zur Selbstverwaltung zu entwerfen. Laut Tageskalender arbeitet Schleiermacher an dieser Ordnung im November 1808 und reichte sie am 18. November 1808 ein. Der an Friedrich Wilhelm III. weitergeleitete Entwurf fand mit kritischen Anmerkungen die Anerkennung des Königs, wurde an den Innenminister Alexander von Dohna weitergeleitet, dieser beauftragte Süvern zu einer Stellungnahme, die dann an Nicolovius weitergeleitet wurde. Eine Umsetzung fand Schleiermachers Vorschlag im langsam voranschreitenden Kirchenreformprozess nicht, sodass Schleiermacher im November 1810 die Idee erwog, seinen Vorschlag mit Erläuterungen drucken zu lassen, wie aus einem Brief vom 29.12.1810 an Joachim Christian Gaß hervorgeht (Brief 3556, 68–70, KGA V/11). [Schließen] werden laut Tageskalender fertig gestellt: „Vorschlag zu einer Verfassung der protestantischen Kirchen für den preußischen Staat vom 18. November 1808“.Der Entwurf liegt nur noch als Abschrift vor, vgl. KGA I/9, S. 1–18; zum historischen Kontext vgl. KGA I/9, S. XXV–XXX.  [Schließen] An seinen Freund Brinckmann berichtet Schleiermacher ein Jahr später am 17.12.1809: „Ich hatte zum Theil auf Steins Veranlassung einen Entwurf gemacht zu einer ganz neuen Kirchenordnung für unseren Staat; er war auch zu meiner großen Freude im Ganzen angenommen worden, scheint aber jetzt auch zu dem zu gehören was bei Seite gelegt wird.“Brief 3377, 60–64, KGA V/11. [Schließen]

19. November 1808

Im Zuge der Steinschen Reformen wird eine neue Städteordnung mit mehr Selbstverwaltung für Städte und Gemeinden in Preußen eingeführt.

21. November 1808

Schleiermacher beginnt seine Vorlesungstätigkeit über „Die Theorie des Staates“ (bis zum 20.12. in diesem Jahr) am Montag- und Dienstagnachmittag,In der Anzeige seiner Vorlesungen lässt Schleiermacher wissen „Das Nähere in der Realschulbuchhandlung.“, vgl. Arndt u. Virmond, Schleiermachers Briefwechsel (Verzeichnis), 1992, S. 304. [Schließen] die er, wie er an seinen Freund Brinckmann am 11.2.1809 schreibt, für ganz gut gelungen hält: „Dabei halte ich aber doch seit Winters Anfang zweierlei Vorlesungen, eine Darstellung der christlichen Glaubenslehre nicht bloß für Theologen berechnet die zugleich eine speculative Kritik derselben ist, und dann eine Theorie des Staates. Leztere als etwas ganz neues interessirt mich natürlich besonders. Sie ist ein natürlicher Ausfluß meiner Ethik, und ich finde daß sich alles in großer Einfachheit und Klarheit gestaltet. Ich verlasse mich darauf daß nach unserer Theorie der Unpartheilichkeit ich mich auch schon einmal selbst loben darf.“Brief 3075, 31–38, KGA V/10.  [Schließen]

23. November 1808

Schleiermacher beginnt seine Vorlesungstätigkeit über „Christliche Glaubenslehre“ am Mittwoch, Donnerstag und Freitagnachmittag (bis 16.12.). Vgl. Arndt u. Virmond, Schleiermachers Briefwechsel (Verzeichnis) , 1992, S. 303 f.  [Schließen]

24. November 1808

Friedrich Wilhelm III. entlässt den Freiherrn von Stein auf Drängen Napoleons, nachdem ein Brief Steins in französische Hände gelangt war, in dem seine Gegnerschaft zu Napoleon deutlich wurde. Innenminister wurde Schleiermachers Freund Alexander von Dohna, Finanzminister Karl vom Stein zum Altenstein, Justizminister Carl Friedrich von Beyme. Schleiermacher zeigt sich über diese Entlassung wenig verwundert in einem Brief an seine Braut Henriette von Willich vom 26.1.1809: „Steins Verfolgung hat mich gar nicht alterirt. Ich hatte zwar gar nicht daran gedacht aber als es kam war es mir wie etwas ganz bekantes und erwartetes. Nur das hat mir erstaunlich leid gethan daß er, was gar nicht nöthig gewesen wäre, so schnell abgereiset ist und daß ich ihn nicht vorher noch gesehen habe. Ich habe ihm sagen lassen ich gratulirte ihm denn es wäre die größte Ehre die einem Privatmann widerfahren könnte für einen Feind der großen Nation erklärt zu werden.“Brief 3045, 192–198, KGA V/10.  [Schließen]

3. Dezember 1808

Napoleons Truppen verlassen Berlin.

10. Dezember 1808

Ferdinand Schill zieht an der Spitze der preußischen Truppen in Berlin ein.

17. Dezember 1808

Wilhelm von Humboldt wird zum Leiter der Sektion des Kultus und des öffentlichen Unterrichts im preußischen Innenministerium berufen. Vgl. Wolfes, Öffentlichkeit und Bürgergesellschaft, 2004, S. 264.  [Schließen]

24. Dezember 1808

Schleiermacher verbringt Heiligabend bei Reimers, leidet allerdings an einer Kolik, die den Weihnachtsabend und die kommenden Tage bestimmt. Vgl. Brief 3008, 43–50, KGA V/10.  [Schließen] Schleiermachers Braut Henriette von Willich erhält zu Weihnachten sein Portrait, das später zur Vorlage für einen bekannten Stich von Lips wird:Der Stich von Johann Jakob Lips erschien als Titelkupfer im Magazin für Prediger , VI. Bd., 1. St. (1811), vgl. Bauer, Schleiermacherbildnisse , 1928, S. 87 f.  [Schließen] „O süßer Ernst! welche Freude hast Du mir gemacht! welch einen Schatz, welch Kleinod habe ich nun in Händen! Mann meines Herzens – süßer theurer lieber Mann ich kann dir gar nichts sagen – aber es ist unendlich wie Du mich reich gemacht! Immer möchte ich nur die lieben Züge sehen – ganz im anschauen versinken – und dann gewinnen sie ein Leben daß ich hinstürzen möchte und es mit Küssen bedecken und es an mein Herz pressen, das so wonnevoll und so wehmüthig zugleich bewegt ist – – Ernst wie bist Du schön! ja der Mahler hat wohl recht daß dein Mund schön ist aber nicht hintenan stehen dürfen wahrlich Deine Augen und Deine Stirn um die etwas recht verklärtes schwebt. Ach süßer Ernst wer weiß wie oft Dein liebes Bild mich noch trösten muß – wie oft ich noch mit thränenvollem Blick davor hintreten werde. Es wird es immer thun was auch mein Herz drücke – es wird mich immer mit Seeligkeit erfüllen denn lebendig vergegenwärtigen wird es mir daß du mein bist – daß du dich mir gegeben in ganzer unsterblicher Liebe – Morgens und Abends wird es mein Gebet sein andächtig davor zu stehen.“ Brief 3013, 2–17, KGA V/10.  [Schließen]

25. Dezember 1808

Schleiermacher predigt laut Tageskalender vormittags in der Dreifaltigkeitskirche.

4. Januar 1809

Schleiermacher nimmt seine im November des Vorjahres begonnene Vorlesungstätigkeit wieder auf und liest (bis zum 8.4.) „Christliche Glaubenslehre“ am Mittwoch, Donnerstag und Freitagnachmittag.

4. Januar 1809

Schleiermacher führt (bis zum 15.4) die Vorlesung über „Die Theorie des Staates“ am Montag- und Dienstagnachmittag fort.Vgl. Arndt u. Virmond, Schleiermachers Briefwechsel (Verzeichnis) , 1992, S. 303 f.  [Schließen]

10. Januar 1809

Georg und Wilhelmine Reimer wird die Tochter Adelheid geboren.

15. Januar 1809

Schleiermacher predigt laut Tageskalender vormittags in der Domkirche (Röm 13,1–5) „Über das rechte Verhältnis des Christen zu seiner Obrigkeit.“KGA III/4, S. 3–15, Erstdruck 1809 bei Reimer, zur Rezeption vgl. auch KGA III/4, S. XVII f. [Schließen] Schleiermacher verschickte, wie aus dem Briefwechsel hervorgeht, die Predigt mehrfach, kommentierte und erhielt Rückmeldungen, so z.B. von seiner Braut am 5.3.1809: „Deine Predigt ist ganz herrlich nur werden sie aber keine Ungebildeten verstanden haben. Ich wüßte gar nicht lieber Ernst wie es einen Gegenstand geben könnte der mich nicht interessirte Du hattest also sehr Recht zu glauben daß ich mich hinein lesen würde“.Brief 3123, 57–61, KGA V/11. Zur Rezeption vgl. auch KGA III/4, S. XVII f. [Schließen] Auch sein Freund Henrich Steffens meldete am 11.4.1809: „Deine Rede habe ich erhalten, und wir haben sie mit vieler Freude gelesen. Es war mir sehr lieb über einen Gegenstand, den man immer, man kann es wohl sagen, umgieng – wenigstens nie den wahren innern Kern berührte, klare und bestimmte Worte zu vernehmen –“.Brief 3205, 42–45, KGA V/11. [Schließen]

21. Januar 1809

Schleiermacher erhält seine erste Singstunde.

22. Januar 1809

Schleiermacher predigt laut Tageskalender vormittags in der Dreifaltigkeitskirche.

Zitierhinweis

Chronologie zu Leben und Werk Schleiermachers von 1808 bis 1810, erarbeitet von Sarah Schmidt. In: schleiermacher digital / Chronologie. Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften, Berlin. URL: https://schleiermacher-digital.de/chronologie/index.xql

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