02. Januar 1813

In einem Brief an Alexander Graf zu Dohna-Schlobitten äußert sich Schleiermacher zur Lage Preußens: „Meine Ansicht über die neuesten Vorfälle glaube ich kennen Sie. Nichts kann uns helfen wenn wir in unserer erbärmlichen Passivität und innern Nichtigkeit verharren, und ich halte nun erst den Staat recht gründlich für verloren und für ebenso unfähig als unwürdig in seiner gegenwärtigen Form die Stellung in Deutschland und in Europa anzunehmen die ich eigentlich immer als seine wahre Bestimmung ansah.“Brief 3820, 10–15, KGA V/12. [Schließen]

20. Januar 1813

Tod von Christoph Martin Wieland, Schriftsteller und Pädagoge.

Anfang Februar 1813

Charlotte (Lotte) Schleiermacher berichtet in einem Brief von ihren Gichtschmerzen: „Gichtschmerzen und Schwäche wechselten ab – so daß ich oft muthlos werden wolte d.h. sie spaziert seit mehreren Jahren – im Körper herum! Diesesmahl hatte dis Reißen in den Knochen der Kinladen sich so hartnäkig gesezt – daß es mich lange am ordentlichen Eßen hinderte – nur Suppe konte ich genießen – auch das reden fiel mir sehr schwer habe aber gar nichts – als Wärme – und Hollunder und dergleichen angewendet.“Brief 3827, 35–41, KGA V/12. [Schließen]

03. Februar 1813

Der König ruft zur Bildung von Freiwilligen-Abteilungen für eine bevorstehende Auseinandersetzung mit Frankreich auf.Vgl. Büsch (Hg.): Handbuch der preussischen Geschichte, 1992, S. 53. [Schließen]

07. Februar 1813

Geburt von Karl Johann, Friedrich Johannes und Heinrich Johannes von Willich, Söhne Heinrich Christoph und Doris von Willichs. Luise von Willich schreibt an Schleiermacher über die Geburt und die Taufe: „Willich und Hane haben Euch geschrieben von dem Glück was der Willich durch die Geburt der drey Knaben wiederfahren ist, und lieb wird es Euch sein nun 8 Tage später zu hören, wie hir vortwärend alles so gut steht, daß es der reinsten Freude werth ist.“Brief 3832, 4–8, KGA V/12. [Schließen]

13. Februar 1813

Für alle 18- bis 45-jährigen mit Ausnahme von Lehrern und Geistlichen wird eine Landwehrpflicht verordnet.Vgl. Büsch (Hg.): Handbuch der preussischen Geschichte, 1992, S. 48. [Schließen] Wilhelm von Röder berichtet an Schleiermacher aus Breslau: „Die politische Physionomie ist izt hier fast lächerlich und der Krieg gegen Frankreich das öffentliche Geheimniß, so daß selbst St. Marsan gemeint hat er könne wenigstens das Geld für die Spione sparen. Alle Rüstungen werden eifrig und tüchtig betrieben auch unterläßt man nicht auf heimlichen Wegen dafür zu sorgen daß sich die hohlen Maaßregeln mit Leben füllen.“Brief 3831, 52–56, KGA V/12. [Schließen] Auch berichtet er über den gemeinsamen Freund Steffens, dieser habe einen Aufruf an die Studierenden erlassen: „Steffens hat einen großen Theil der hiesigen Studenten ermahnt sich beym GardeJägerbattaillon als Freywillige zu engagiren und dadurch offenbar einen um so rühmlichern Impuls gegeben, da er dabey erklärte ihr Looß theilen zu wollen.“Brief 3831, 70–73, KGA V/12. [Schließen]

23. Februar 1813

Friedrich Wilhelm III. entschließt sich zum Bruch mit Frankreich, ohne „die Antwort Napoleons auf die letzten preußischen Vorschläge abzuwarten".Büsch (Hg.): Handbuch der preussischen Geschichte, 1992, S. 49. [Schließen]

28. Februar 1813

Schleiermacher beendet seine Vorlesung des Wintersemesters 1812/13 „Das Evangelium und die Episteln Johannis“.Vgl. Arndt / Virmond: Schleiermachers Briefwechsel, 1992, S. 308. [Schließen]

28. Februar 1813

Das preußisch-russische Militärbündnis von Kalisch wird unterzeichnet, die gemeinsame Kriegsplanung gegen die französische Besatzung beginnt im Anschluss.Vgl. Büsch (Hg.): Handbuch der preussischen Geschichte, 1992, S. 50f. [Schließen]

08. März 1813

Nachdem Schleiermacher Gerhard von Scharnhorst brieflich die Idee der Gründung einer Zeitung vorgeschlagen hatte, antwortet ihm dieser mit Wohlwollen: „Ganz aus meiner Seele genommen ist die Idee einer Zeitung, wie Sie dieselbe vorschlagen. Gewiß gehört eine solche Veranstaltung zu den nöthigsten Bedürfnissen dieses Augenbliks, und muß von dem entschiedensten guten Einflusse seyn.“Brief 3835, 13–16, KGA V/12. [Schließen]

10. März 1813

König Friedrich Wilhelm III. stiftet den deutschen Kriegsorden des Eisernen Kreuzes.Vgl. Büsch (Hg.): Handbuch der preussischen Geschichte, 1992, S. 57. [Schließen]

Mitte März 1813

Joachim Christian Gaß schreibt an Schleiermacher und wünscht sich, dass seine Studierenden sich kampfbereit melden und der Universität vorübergehend den Rücken kehren: „ich wünschte es wäre kein einziger da und in allen jungen Leuten lebte der Gedanke, sich erst eine freie Welt zu erkämpfen, in der sich allein mit Sicherheit leben und wirken läßt.“Brief 3836, 86–89, KGA V/12. [Schließen]

17. März 1813

Das Korps des preußischen Feldmarschalls Ludwig Yorck von Wartenburg hält Einzug in Berlin. „Und während am 17. März das Yorksche Korps seinen umjubelten Einzug in Berlin hielt, übergab Hardenberg in Breslau dem französischen Gesandten St. Marsan die Note, die der Kriegserklärung gleichkam.“Büsch (Hg.): Handbuch der preussischen Geschichte, 1992, S. 51. [Schließen] Mit dem Aufruf „An Mein Volk“ wendet sich der preußische König Friedrich Wilhelm III. am selben Tag an seine Untertanen und bittet um Unterstützung für den Kampf gegen Kaiser Napoleon I.Vgl. Büsch (Hg.): Handbuch der preussischen Geschichte, 1992, S. 56. [Schließen]

18. März 1813

Mit der Hilfe von Kosakenregimentern und Freischärlern werden erste Gebiete erobert, so auch die Stadt Hamburg. Allerdings können diese Gebietsgewinne nicht dauerhaft gehalten werden.Vgl. Büsch (Hg.): Handbuch der preussischen Geschichte, 1992, S. 53. [Schließen]

24. März 1813

Schleiermacher schreibt in einem Brief an Alexander Graf zu Dohna-Schlobitten von den Ereignissen der vorangegangenen Tage: „Der König ist gekommen und mit ungeheurem Jubel und mit großer militärischer Pracht empfangen worden. Heute marschiren die Truppen, Morgen ist die religiöse Feier des Durchzuges und des Kriegsanfanges, Alles ist im höchsten Enthusiasmus und hoffentlich wird nun endlich bald der Kriegsschauplaz jenseits der Elbe sein.“Brief 3838, 49–54, KGA V/12. [Schließen]

25. März 1813

Schleiermacher beendet seine Vorlesung des Wintersemesters 1812/13, „Die Dogmatik“.Vgl. Arndt / Virmond: Schleiermachers Briefwechsel, 1992, S. 308. [Schließen] An Alexander Graf zu Dohna-Schlobitten schreibt er über seine Vorlesungstätigkeit: „Auf dem Katheder ist es so und wird auch immer so sein daß der Anfang meiner Vorlesungen immer sehr schwer ist. Das ist die Prüfung, wer dabei ermüdet dem kann ich nicht helfen: je mehr das Gebäude in die Höhe steigt um desto klarer wird Alles.“Brief 3838, 75–78, KGA V/12. [Schließen] Am selben Tag erhält Schleiermacher von Karl August Freiherr von Hardenberg die Erlaubnis, „für die Dauer der gegenwärtigen Verhältnisse“ die Redaktion einer neuen Zeitung einzurichten.Brief 3839, 3–4, KGA V/12. [Schließen]

31. März 1813

Schleiermacher beendet seine Vorlesung des Wintersemesters 1812/13 „Das System der Sittenlehre“.Vgl. Arndt / Virmond: Schleiermachers Briefwechsel, 1992, S. 308. [Schließen]

Wohl April 1813

An der Berliner Universität beginnt das Sommersemester 1813. Schleiermacher beginnt zwei Vorlesungen, eine theologische und eine philosophische: „Die christliche Sittenlehre“ (7 Hörer, in fünf Stunden wöchentlich von 7 bis 8 Uhr) und „Die philosophische Staatslehre“ (7 Hörer, in vier Stunden wöchentlich von 2 bis 3 Uhr), dazu sind zwei weitere Vorlesungen gelistet, die allerdings entfallen: „Die Evangelien des Matthäus und Marcus“ (fünf Stunden wöchentlich von 8 bis 9 Uhr) und „Die allgemeine[n] Grundsätze der Erziehungskunst“ (zwei Stunden wöchentlich von 1 bis 2 Uhr).Vgl. Arndt / Virmond: Schleiermachers Briefwechsel, 1992, S. 308–309. [Schließen]

02. April 1813

Die erste Ausgabe der von Georg Andreas Reimer initiierten Zeitung „Der preußische Correspondent“ erscheint in Berlin, erster Redakteur ist Barthold Georg Niebuhr.Vgl. KGA I/14, S. CXLV. [Schließen]

16. April 1813

An Karfreitag hält Schleiermacher den Vormittagsgottesdienst in der Dreifaltigkeitskirche (1 Joh 1,7).Vgl. KGA III/1, S. 850. [Schließen]

19. April 1813

Schleiermacher hält vormittags den Ostergottesdienst in der Dreifaltigkeitskirche (Röm 6,5–12). Vor der Predigt gibt es Vokalmusik.Vgl. KGA III/1, S. 850. [Schließen]

21. April 1813

Preußen bestimmt im Landsturm-Edikt, dass alle waffenfähigen Männer vom vollendeten 15. bis zum 60. Lebensjahr künftig einem Aufgebot zur Landesverteidigung Folge zu leisten haben. In der Folge erhält der Landsturm allerdings keine praktische Bedeutung.Vgl. Büsch (Hg.): Handbuch der preussischen Geschichte, 1992, S. 55. [Schließen]

22. April 1813

Friedrich Schlegel bittet Schleiermacher aus Wien brieflich um die Zusendung von philosophischen Aufsätzen oder Aufsätzen „aus der Geschichte der Philosophie“.Brief 3850, 26, KGA V/12. [Schließen] Auch erkundigt er sich, ob Schleiermacher der Verfasser einer „Proclamation an die Sachsen“ sei.Brief 3850, 32, KGA V/12. [Schließen]

02. Mai 1813

Bei Großgörschen können sich die französischen Truppen erneut in einer Schlacht behaupten.Vgl. Büsch (Hg.): Handbuch der preussischen Geschichte, 1992, S. 59. [Schließen]

09. Mai 1813

Vormittagsgottesdienst zum Jubiläum der Schlacht bei Großgörschen.Vgl. KGA III/1, S. 850. [Schließen]

13. Mai 1813

Taufe bei Göschen in der Wilhelmstr. 62.Vgl. KGA III/1, S. 850. [Schließen] Schleiermacher schreibt an Charlotte von Kathen, dass er seine Frau und die Kinder aus Berlin nach Schmiedeberg fortgeschickt habe: „Gott weiß durch welche – nicht Verluste denn es ist eigentlich gar nicht geschlagen worden seit dem 2ten – sondern Armeebewegungen oder andere Ereignisse Berlin in einiger Gefahr sein soll. Ich habe es daher besser gehalten sie fortzuschiken da es ging.“Brief 3856, 4–8, KGA V/12. [Schließen] Zur Lage Berlins und seiner eigenen Tätigkeit als Direktor der Schutzdeputation seines Bezirks schreibt er: „Sachverständige erwarten nicht daß bei dem Stande der Armeen die Franzosen etwas großes gegen Berlin unternehmen, und Kleines denken wir uns abzuhalten. Wir haben einen der ausgezeichnetsten Officiere an der Spize des hiesigen Vertheidigungswesens, und wenn Alle mit solcher Besonnenheit und Entschlossenheit ihre Schuldigkeit thun so muß es wol gut gehn. Ich bin nun auch beim Landsturm, und zwar Director der Schuzdeputation meines Bezirkes, und richte alle meine Thätigkeit hierauf.“Brief 3856, 28–35, KGA V/12. [Schließen] An seine Frau Henriette schreibt er außerdem zur Lage Berlins: „Der König hat selbst den Befehl gegeben daß im Nothfall Berlin soll vertheidigt werden, und nun fängt man an zu schanzen vor allen Thoren längs dem Schaafgraben vom Cöpeniker bis Potsdammer.“Brief 3858, 71–74, KGA V/12. [Schließen]

14. Mai 1813

Es findet ein Sondergottesdienst zur Einsegnung eines Landwehr-Bataillons im Hof der Universität statt.Vgl. KGA III/1, S. 850. [Schließen]

17. Mai 1813

Schleiermacher schreibt an seine Frau Henriette über die unruhige Lage in Berlin: „Diese Eile, meine liebste Jette, ist veranlaßt worden durch üble Nachrichten die sich heute früh verbreiteten. Es hieß Bülow werde von großer Uebermacht sehr gedrängt und sei auf eiligem Rükzuge, habe auch seine Frau reisen heißen.“Brief 3870, 113–116, KGA V/12. [Schließen]

18. Mai 1813

Zum Hochzeitstag schreibt Schleiermacher folgende Zeilen an Henriette: „Heute ist unser Hochzeitstag; mir ist zwar für uns der Verlobungstag die eigentliche Feier: dein liebes Ja auf der Bank aber doch auch dieser mahnt mich besonders an den Beginn eines neuen Lebens mit Dir und an alles was wir beide darin geworden sind.“Brief 3870, 154–157, KGA V/12. [Schließen] In einem weiteren Brief schreibt er am selben Tag über die Lage in Berlin: „Was unsere Lage hier in Berlin betrift so vergeht mir die Lust schon dich mit allen Gerüchten zu unterhalten die fast stündlich wechseln. Bald soll etwas vortheilhaftes vorgefallen sein, bald etwas nachtheiliges bald soll ein Corps sich weggezogen haben bald ein anderes im Anmarsch sein. […] Meine Collegia lese ich indeß fort, aber ich glaube daß ich der einzige bin.“Brief 3873, 15–30, KGA V/12. [Schließen]

20. Mai 1813 bis 21. Mai 1813

In der Schlacht bei Bautzen kann sich die französische Armee erneut behaupten.Vgl. Büsch (Hg.): Handbuch der preussischen Geschichte, 1992, S. 59. [Schließen]

22. Mai 1813

Schleiermacher schildert in einem weiteren Brief an Henriette die Situation in Berlin: „Berlin hat jezt ein ganz neues Ansehn. Des Morgens begegnet man den Leuten Truppweise mit Schaufeln und Spaten die zum Schanzen gehn, des Abends exerciren die LandsturmCompagnien auf allen großen Pläzen.“Brief 3877, 125–127, KGA V/12. [Schließen]

23. Mai 1813

In einem Brief an Luise von Willich schreibt Schleiermacher von Gefechtsverletzungen von Fabian Dohna und Karl Röder. Außerdem schreibt er von Personen, die aus Berlin geflohen sind: „Nach Schlesien sind auch die Savigny, die Göschen die Buttmann, die Marheinike, die Bök oder auch nach Pommern. Aber alle geflüchtet.“Brief 3881, 21–23, KGA V/12. [Schließen]

27. Mai 1813

Gegenüber Henriette äußert Schleiermacher Zweifel darüber, sie fortgschickt zu haben: „Da ich gestern den ganzen Tag aus war, heute Vormittag in der Kirche beschäftigt: so hat mich hernach die Nachricht von dem großen und wie es scheint ziemlich schnellen Rükzug der Armee sehr überrascht. Ich kann sagen heute habe ich es zum erstenmal bereut daß ich Dich weggeschikt habe, da Du nun dort den Kriegsschauplaz ganz in der Nähe hast und hier alles ruhig ist – und nun noch von soviel rathlosen Leuten umgeben!“Brief 3882, 103–109, KGA V/12. [Schließen]

29. Mai 1813

Schleiermacher bittet Henriette, bei der nächstmöglichen Gelegenheit mit den Kindern nach Berlin zurückzukehren, da sich die Lage in der Hauptstadt beruhigt hätte und von keiner Gefahr auszugehen sei.Vgl. Brief 3882, 207f, KGA V/12. [Schließen] Schon am nächsten Tag hat sich die Lage allerdings gewandelt und Schleiermacher geht nicht von einer schnellen Rückreise aus. Gleichzeitig macht er sich Vorwürfe, Henriette alleine mit den Kindern fortgeschickt zu haben: „O ich mache mir die bittersten Vorwürfe daß ich dich aus verruchter Unbeholfenheit habe reisen lassen!“Brief 3886, 14–15, KGA V/12. [Schließen]

04. Juni 1813

In Pläswitz bei Striegau wird ein Waffenstillstand zwischen Preußen und Russland auf der einen und Frankreich mit seinen Verbündeten auf der anderen Seite bis Ende Juli geschlossen.Vgl. Büsch (Hg.): Handbuch der preussischen Geschichte, 1992, S. 60. Vgl. auch KGA I/14, S. CLVII. [Schließen] Schleiermacher schreibt darüber an Henriette: „Aus den Wolken sind wir hier alle gefallen über die Nachricht von dem Waffenstillstand. Noch weiß man zu wenig näheres davon um darüber zu urtheilen und ich will mich nicht zu denen gesellen die voreilig schimpfen. Gefährlich ist die Sache freilich; aber ich will mich der Besorgniß noch nicht überlassen, daß dies zu einem schlechten Frieden führen wird.“Brief 3886, 320–325, KGA V/12.. [Schließen] Schleiermacher schätzt den Waffenstillstand in der Folge problematisch ein und versucht, vor allem über das Verfassen und die Herausgabe entsprechender Berichte im Preußischen Corespondenten Einfluss auf die Stimmung in Preußen zu nehmen.Vgl. KGA I/14, S. CLVIII. [Schließen]

07. Juni 1813

Schleiermacher besucht die Taufe von Pischons Kind und berichtet davon brieflich an Henriette: „Vormittags hat Pischon sein Kind getauft und ich habe Gevatter gestanden. Ich habe es recht erfreulich gefühlt wie er das Christenthum überhaupt und so auch sein Amt im schönsten Sinn aufgefaßt hat.“Brief 3886, 294–297, KGA V/12. [Schließen]

10. Juni 1813

Wilhelm Christian Müller berichtet Schleiermacher brieflich von der Lage in Boitzenburg: „Ich habe 18 Mann Einquartirung gehabt – monatlich 15 Rth Verpflegung der Offiziere – dabei ein ängstliches Schweigen – Verbreitete böse Nachrichten – Lebensgefahr unsrer Freunde, Verbrenung von Dörfern, welche auf Franzosen sollten geschoßen, oder Kosaken freundlich aufgenomen haben – Beständiges Triumpfleuten und Tedeums singen – Verbreitete Armuth – harte Drohungen, Todtschießen der unschuldigsten Männer.“Brief 3905, 8–14, KGA V/12. [Schließen] Im selben Brief schickt Müller politische Lieder mit dem Titel „Patriotische Kriegs und Friedenslieder von einem Preusischen Invaliden – Germania“ und bittet Schleiermacher, diese anonym bei Reimer oder einem anderen Herausgeber drucken zu lassen, sobald der Waffenstillstand aufgehoben sei.Brief 3905, 14f, KGA V/12. [Schließen]

12. Juni 1813

In einem Brief an Friedrich Schlegel macht Schleiermacher ein „politisches Glaubensbekenntniß“ und berichtet von seinen Vorstellungen der politischen Organisation nach der Befreiung.Brief 3909, 2f, KGA V/12. [Schließen] Es soll ein „Deutsches Kaiserthum“ entstehen, „kräftig und nach außen hin allein das ganze Deutsche Volk und Land repräsentirend, das aber wieder nach innen den einzelnen Ländern und ihren Fürsten recht viele Freiheit laße sich nach ihrer Eigenthümlichkeit auszubilden und zu regieren“.Brief 3909, 14–17, KGA V/12. [Schließen] Des Weiteren fragt Schleiermacher bei Schlegel an, ob er Beiträge für den Preußischen Correspondenten beschaffen könne: „Ich bin im Begriff (als eine große Aufopferung sehe ich es freilich an) auf eine Zeitlang die Redaction des preußischen Correspondenten unter meine Leitung zu nehmen. Weißt du mir nun Mittheilungen zu verschaffen die dahin gehören und die man in euren öffentlichen Blättern später oder gar nicht findet so wirst Du mich sehr verbinden.“Brief 3909, 67–72, KGA V/12. [Schließen]

13. Juni 1813

Wilhelm Christian Müller berichtet von Kämpfen zwischen Kosaken und Franzosen in Lilienthal, in dessen Folge es zu Plünderungen und Brandstiftung kommt.Vgl. Brief 3913, 31f, KGA V/12. [Schließen]

14. Juni 1813

In einem Brief berichtet Luise von Willich ausführlich davon, dass sie ein englisches Kriegsschiff besucht habe und eine Führung durch Offiziere erhalten habe.Vgl. Brief 3914, 275f, KGA V/12. [Schließen]

16. Juni 1813

Henriette Schleiermacher schreibt aus Schmiedeberg über die schwierige Ausgangslage für eine Reise sowie für Postverbindungen: „Jezt sind wir förmlich eingesperrt, das einzige von Truppen unberührte Plätzchen im Umkreis von einigen Meilen rings von Feinden umgeben denn die Russen sind nicht anders anzusehn, so eben erst war uns der neue Postenlauf über Neisse angekündigt als auch heute schon die Nachricht komt daß ferner keine Post mehr kommen könne weil die Russen keine passieren lassen.“Brief 3915, 58–63, KGA V/12. [Schließen]

21. Juni 1813

Neben seinem Wunsch, seine Frau Henriette möglichst schnell wieder nach Berlin zurückzuholen, äußert sich Schleiermacher in einem Brief an sie auch zu einem anstehenden Vortrag, den er in der Akademie halten möchte: „Heute habe ich nun angefangen eine Abhandlung zu schreiben die ich Donnerstag in der Akademie lesen soll, über die verschiedenen Grundsäze beim Uebersezen. Sie kann gut werden wenn mir Gott gute Stunden schenkt, aber wie ich fertig werden will sehe ich noch nicht ein.“Brief 3921, 70–73, KGA V/12. [Schließen]

23. Juni 1813

Schleiermacher veröffentlicht im „Preußischen Correspondenten“ den Artikel „Schleiermachers Bitte um Beiträge zum Preußischen Correspondenten“.Vgl. Der Preußische Correspondent Nr. 48, 23. Juni 1813, Verlag der Realschulbuchhandlung, Sp. 8. Vgl. auch Meding: Bibliographie der Schriften Schleiermachers, 1992, S. 38. [Schließen]

24. Juni 1813

Schleiermacher hält die Akademierede „Über die verschiedenen Methoden des Übersetzens“.Vgl. KGA I/11, S. XXIII [Schließen] Am selben Tag schreibt er davon in einem Brief an Henriette: „Es ist eigentlich ziemlich triviales Zeug aber eben deswegen haben die Leute es geistreich und schön gefunden und wollen daß ich es in der öffentlichen Sizung vorlesen soll. Ich wollte es nicht abschlagen weil ich noch gar nicht öffentlich gelesen habe und sie es für Ziererei gehalten hätten.“Brief 3925, 26–30, KGA V/12. [Schließen] Im selben Brief schreibt er darüber, sich mit Alexander von der Marwitz über Henriettes Verhältnis zu diesem unterhalten zu haben: „Ich habe ihm auch mein und Dein Unrecht dargelegt; ich habe ihm gesagt in Dir hätte sich der leidenschaftliche Zustand zuerst entwikelt, auch das hat er stillschweigend bejaht. Auf Deinem Sofa haben wir es abgesprochen. Ich möchte nur wissen wie ich ihm in der ganzen Sache vorkomme, ob er mich auch recht und gründlich versteht; ich hoffe es, es wäre sehr schlimm wenn es nicht wäre.“Brief 3925, 58–63, KGA V/12. [Schließen]

25. Juni 1813

Von Schleiermacher redigiert erscheinen die Nummern 49 bis 104 des Preußischen Correspondenten zwischen 25. Juni 1813 und 29. September 1813 im Verlag der Realschulbuchhandlung in Berlin.Vgl. Meding: Bibliographie der Schriften Schleiermachers, 1992, S. 38–47, einzelne wichtige Beiträge werden gesondert aufgeführt. [Schließen]

28. Juni 1813

Tod von Gerhard Johann David von Scharnhorst, preußischer General und Militärreformer, der den Folgen einer in der Schlacht von Großgörschen erlittenen Verletzung erliegt.Vgl. Büsch (Hg.): Handbuch der preussischen Geschichte, 1992, S. 59. [Schließen] Am 30. Juni berichtet Joachim Christian Gaß davon brieflich an Schleiermacher: „Der alte brave Scharnhorst ist von der großen Angelegenheit, die er so tätig befördert hat, geschieden und den 28ten in Prag in den Armen seines und unsres Freundes Röder, an einem Nervenfieber, als Folge seiner Wunde gestorben.“Brief 3929, 24–27, KGA V/12. [Schließen]

30. Juni 1813

Schleiermacher veröffentlicht im „Preußischen Correspondenten“ den Artikel „Die Errichtung des Landsturms in Berlin“.Vgl. Der Preußische Correspondent, Nr. 52, 30. Juni 1813, Verlag der Realschulbuchhandlung, Sp. 11–12. Vgl. auch Meding: Bibliographie der Schriften Schleiermachers, 1992, S. 38. [Schließen]

01. Juli 1813

Schleiermacher übernimmt offiziell die Redaktion des „Preußischen Correspondenten“.Vgl. KGA I/14, S. CXLIX. [Schließen]

06. Juli 1813

Schleiermacher veröffentlicht im „Preußischen Correspondenten“ den Artikel „Über ein schriftliches Denkmal eines jungen Theologen auf den gefallenen Hauptmann von Esebek“.Vgl. Der Preußische Correspondent, Nr. 55, 06. Juli 1813, Verlag der Realschulbuchhandlung, Sp. 5. Vgl. auch Meding: Bibliographie der Schriften Schleiermachers, 1992, S. 39. [Schließen]

07. Juli 1813

Schleiermacher veröffentlicht im „Preußischen Correspondenten“ den Artikel „Kaiserliche Bedrückung in Leipzig“.Vgl. Der Preußische Correspondent, Nr. 56, 07. Juli 1813, Verlag der Realschulbuchhandlung, Sp. 2–3. Vgl. auch Meding: Bibliographie der Schriften Schleiermachers, 1992, S. 39. [Schließen]

Zitierhinweis

Chronologie - 1813, erarbeitet von Johann Gartlinger. In: schleiermacher digital / Chronologie, hg. v. den Schleiermacher-Forschungsprojekten. Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften, Berlin. URL: https://schleiermacher-digital.de/S9939874 (Stand: 26.7.2022)

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Chronologie

Die Chronologie erschließt und kommentiert das Leben und Werk Schleiermachers und ist derzeit für die Jahre 1768 bis 1814 verfügbar. Neben den nach Datum sortierten Chronologien einzelner Jahre können kurze Jahresüberblicke über die obere Menüleiste aufgerufen werden. Die Jahrgänge 1768–1795 und 1796–1807 sind als zusammenhängende Überblicke gegeben, ab dem Jahr 1808 bis zum Jahr 1811 existiert für jedes Jahr ein separater Jahresüberblick.


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