Januar 1806

Erscheinen der „Weihnachtsfeier“ bei Schimmelpfennig in Halle;Vgl. KGA I/5, S. XLII [Schließen] das Buch konnte nicht mehr zu Weihnachten fertiggestellt werden. Ein Teil der Auflage erschien ohne Verfasserangabe, da Schleiermacher die Schrift in Halle und Berlin anonym ausgeben wollte; eine Verlagsanzeige erschien daher auch erst im März 1806.Vgl. KGA I/5, S. XLIII [Schließen]

05. Januar 1806

Schleiermacher berichtet, dass die Schulkirche wieder zum Magazin gemacht worden sei.Vgl. Brief 2111, 57–59 [Schließen]

Mitte Januar 1806

In Schreiben an den Kabinettsrat von Beyme und den Minister von Massow verlangt Schleiermacher die baldige Einrichtung des akademischen Gottesdienstes und seine Aufnahme in die Fakultät; andernfalls werde er den Ruf nach Bremen annehmen.Vgl. Briefe *2119 und *2120 [Schließen]

12. Januar 1806

Bürgermeister und Rat der Stadt Bremen berufen Schleiermacher zum Prediger an die Kirche Unser Lieben Frauen.Vgl. Brief 2115. – Ebenfalls am 12. Januar berichtet Adolph Müller an seine Schwester Elise: „Also, wenn ich's Dir auch nicht ganz deutlich machen kann, da es eine weitläufige Nachweisung in der nothwendigen Entwickelung der Geschichte erfordert, so ist Dir doch wohl klar, daß Euch zukommt, recht christlich und fromm zu sein; was Du auch wohl vollkommen würdest, wenn Du sähest wie ein christlicher Mann mit aller Lebendigkeit und heiliger Begeisterung sein Innerstes vor der Versammlung aufschließt; wenn Du schautest, wie der größte Mann seiner Zeit (ich meine Schleiermacher - in Wahrheit weiß ich ihm niemand an die Seite zu stellen) nicht durch schlaue auf den Effekt berechnete Worte, sondern durch die Rede, die frei und unwillkürlich aus der ersten hohen und klaren Idee fließt, seine Zuhörer, die Andächtigen, in seinen Himmel, in dem er immer lebt, trägt und leitet. Aber ich fürchte, das wird Dir nicht; denn mir ist es unwahrscheinlich, daß er zu Euch kommt. Ich bin dreimal mit ihm zusammen gewesen, einmal einen langen Abend bei ihm, einmal auf einem Bergball am Sylvesterabend, und einmal bei Reichardt's einen Mittag, wo auch Steffens da war, und ein Herr von Arnim, ehemals Physiker, jetzt der Poesie zugewandt, (neulich hat er mit Brentano sehr schöne alte Gedichte herausgegeben unter dem Titel: ,Des Knaben Wunderhorn‘), und keinmal hat er mit mir von Bremen angefangen.“ (Briefe von der Universität, S. 278). – Einen Tag später schreibt Adolph Müller an seinen Vater: „Ob Schleiermacher kommt, muß sich nun wohl entscheiden. Er bliebe wahrscheinlich hier, wenn er ordentlicher Professor wäre, und als akademischer Lehrer in die Welt der Jünglinge wirken könnte; da er aber Universitätsprediger ist, darf er nur privatim doziren, ja man sagt, die theologische Fakultät, die wohl schon manchmal sein Uebergewicht gefühlt haben mag, wollte ihm sogar verbieten, Dogmatik zu lehren. Der Minister Massow, wohl der dummste Ochse, der jemals über die Einrichtungen der Wissenschaften gesetzt ist, hält es auch nicht mit ihm, und mit keinem Redlichen und Geistvollen, nur mit Leuten, die ihm aufs niedrigste schmeicheln, wie Loder, Niemeyer u.s.w.“ (Ebd., S. 279) [Schließen]

17. Januar 1806

Schleiermacher berichtet, dass von Beyme sich für die Erfüllung seiner Wünsche einsetzen wolle.Vgl. Brief *2123 [Schließen]

20. Januar 1806

Adolph Müller berichtet seinem Vater aus Halle: „Schleiermacher wird Dir jetzt wohl geantwortet haben; er kam neulich auf einem Balle an mich heran, und fragte mich, wie Deine Addresse wäre; wie ich ihm die sagte, so fragte er, ob denn die Schullehrer nicht den Professortitel hätten, das konnte ich zu jetziger Zeit wirklich nicht einmal von meinem Vater aussagen, und das schien ihn ordentlich zu divertiren. Seitdem bin ich einigemal des Abends bei ihm gewesen, wo viel schöne Sachen verhandelt wurden. Seit seine Schwester bei ihm ist, macht er einen förmlichen Haushalt; man setzt sich um einen eleganten Theetisch; wer von der Gesellschaft will, pflanzt sich neben ihn aufs Sopha, (das möchte wohl einer der herrlichsten Plätze sein von allen, die man in Europa und auf der Erde rühmt). Er schließt sich mit der größten Lebendigkeit auf, und geht so recht in der unterredenden Mittheilung in jeden ein, oder liest vor etc. Es ist keine eigentliche Gesellschaft, und doch die aller geselligste Verbindung, die unter Lehrer und Schülern nur sein mag. Man geht erst nach 7 Uhr hin, kann aber so spät bleiben, wie man nur will, da er sich erst um 2 zur Ruhe begiebt.“ Adolph Müller: Briefe von der Universität, S. 288f. [Schließen]

04. Februar 1806

Schleiermacher berichtet, dass der Minister von Massow alles tun wolle, um Schleiermachers Wünsche zu erfüllen und schon auf Schleiermachers Mitgliedschaft in der Fakultät angetragen habe.Vgl. Brief *2135 [Schließen]

07. Februar 1806

Schleiermacher wird zum ordentlichen Professor ernannt und damit Fakultätsmitglied.Vgl. die Historische Einführung in KGA I/5, S. XIX–XXI [Schließen]

09. Februar 1806

In einem Brief an W.C. Müller deutet Schleiermacher an, dass er unter den jetzigen Umständen den Ruf nach Bremen ablehnen werde, sofern die Fakultät sich nicht dagegen sperrt, ihn als Mitglied aufzunehmen.Vgl. Brief 2140 [Schließen]

13. Februar 1806

W. C. Müller bietet Schleiermacher 100 Reichstaler jährlich als Zulage an, wenn er nach Bremen komme. Er könne aber auch selbst bestimmen, welche Summe er haben wolle.Vgl. Brief 2143 [Schließen]

02. März 1806

Schleiermacher lehnt den Ruf nach Bremen ab.Vgl. Brief 2155 [Schließen]

15. März 1806

G. A. Reimer erbittet Manuskript für eine zweite Auflage der „Reden über die Religion“, da die erste fast ausverkauft sei; auch die zweite Auflage der ersten Predigtsammlung müsse in drei Monaten gedruckt sein.Vgl. Brief 2165, 41–53 [Schließen]

18. März 1806

In seiner Antwort an Reimer erklärt Schleiermacher, dass er die „Reden“ für die zweite Auflage erheblich umgestalten müsse; die Predigtsammlung könne dagegen eventuell auch unverändert nachgedruckt werden. - Aufgrund des vom Ministerium festgesetzten Beginns der Vorlesungen am 28. April sieht er keine Aussicht für die geplante Reise nach Rügen; er möchte stattdessen 14 Tage in Berlin zubringen.Vgl. Brief 2167 [Schließen]

25. März 1806

Schleiermacher schließt sein Dogmatik-Kolleg.Vgl. Arndt und Virmond: Schleiermachers Briefwechsel, S. 301 [Schließen]

27. März 1806

Schleiermacher schließt sein Ethik-Kolleg.Vgl. Arndt und Virmond: Schleiermachers Briefwechsel, S. 301 [Schließen]

28. März 1806

Schleiermacher beendet seine Vorlesung über den Galaterbrief.Vgl. Arndt und Virmond: Schleiermachers Briefwechsel, S. 301 [Schließen] Er sendet seine Rezension von Daniel Jenisch: Kritik des dogmatischen, idealistischen und hyperidealistischen Religions- und Moral-Systems an H. K. A. Eichstädt und bietet ihm eine Rezension von Fichtes Schrift „Grundzüge des gegenwärtigen Zeitalters“ an.Vgl. Brief 2171 [Schließen]

30. März 1806

Adolph Müller berichtet aus Halle: „Am Donnerstag Abend nahm Schleiermacher mich mit zu sich, und gab mir viel Bücher mit nach Hause, am Freitag Abend war ich noch bei ihm zum Thee, wo es bunt herging, da er am Sonnabend früh nach Berlin reist; allerhand Leute nahmen Abschied, gaben Aufträge; seine Schwester packte ein, Geschäfte gab's mit anderem Volk, ein Mann bat sich eine Silhouette von ihm aus; um 11 Uhr wurde noch etwas zu Nacht gegessen. Die Musik, die ich sehr vernachlässige, hat er mir noch recht auf die Seele gebunden, wie ich von ihm schied. Ich schwatzte noch dieselbe Nacht mit Harscher bis halb 3 und um 6 Uhr Morgens hörte ich Schleiermacher's Wagen, mit dem auch Steffens reist, vorbeirasseln.“ Adolph Müller: Briefe von der Universität, S. 297 [Schließen]

01. April 1806 bis 19. April 1806

Reise nach Berlin Vgl. die Historische Einführung in KGA V/8, S. XXXIV; das Datum der Rückkehr ergibt sich aus Brief 2180, 2f. [Schließen] mit Steffens.Vgl. Brief 2191, 17–20 [Schließen] Während seines Aufenthaltes tauft er ein Kind.Vgl. Brief 2196, 42–44 [Schließen]

Ende April 1806

Schleiermacher veröffentlicht eine Erklärung gegen die Neue Leipziger Literaturzeitung, dass er nicht Verfasser der anonymen Schrift „Ueber Offenbarung und Mythologie“ sei.Vgl. Brief *2185 [Schließen]

25. April 1806

Schleiermacher berichtet, er habe die erste der „Reden“ „Über die Religion“ für die zweite Auflage umgearbeitet.Vgl. Brief 2180, 24f. [Schließen]

Sommer 1806

Gespräch mit Varnhagen von Ense über die epochale Bedeutung der gegenwärtigen Wissenschaft und Literatur in Deutschland.Vgl. Varnhagen von Ense an Karl Rosenkranz, 1.5.1836, in: Karl Rosenkranz und Varnhagen von Ense: Briefwechsel, S. 28–30: „Im Sommer 1806 traf ich mit Schleiermacher eines Nachmittags auf einsamem Spazirgange bei den Felsen gegenüber von Gibichenstein zusammen, wir setzten uns und sprachen. Ich war nicht heiter gestimmt, ich hatte über Deutschlands Lage nachgedacht, Staat und Volk ließen wenig hoffen, die Litteratur war mir zweifelhaft. Die Trümmer der Schlegel’schen Verwüstung rauchten noch, eine ganze vermeinte Herrlichkeit lag vernichtet; des Stehengebliebenen war wenig, das Neugebaute schien mir schwach begründet; ich nahm die Möglichkeit an, daß wir Alle in einer großen Täuschung lebten, und unsere Sprache, Litteratur und Wissenschaft wohl gar keine wesentliche Rolle in dem Weltgange haben, sondern rasch der Vergänglichkeit heimfallen könnten; selbst Goethe schien mir keine Bürgschaft mehr. Diese Zweifel theilte ich Schleiermacher mit. Er verwies sie mir. ,Also haben Sie wirklich die feste Überzeugung − fragte ich ihn voll Zutrauen − daß wir Deutsche in der Reihe der Völker litterarisch fortbestehen, daß unsre Geistesblüthe in der Geschichte unvergänglich sein wird, wie es uns jetzt der Griechen ist?’ Diese Überzeugung, sagte er, habe ich gewiß; und − fügte er entschlossen hinzu − wenn ich die nicht hätte, so schösse ich mir lieber noch heute eine Kugel durch den Kopf! − Ich war erschrocken, so knallten seine Worte mir in’s Ohr. Die Überzeugung ließ ich mir sehr gern gefallen, und ich nahm sie höchst gewichtig. Seltsam aber dünkte mich der Ausdruck, der in seiner Stärke grade nur Schwäche verrieth, und ich mußte oft darüber denken, wie der Philosoph und der Prediger sein Leben so eitel und stolz an etwas knüpfen mochte, das doch im angenommenen Falle nur ein Götzenbild wäre. Da mußte ich mir selber ja schon einen Vorzug über ihn einräumen, der ich wohl mit Betrübniß die Sache dachte, aber darum noch nicht verzweifelte. Aber so heftig und persönlichen Herrscherwegs bedürftig war damals Schleiermacher, so ungemäßigt und scharf in seinen Worten. Auch den Lucindischen Sachen hatte er sich noch nicht entrückt. Der Roman und seine eignen Briefe darüber wurden oft besprochen, und nicht selten verfiel er auch noch in den Ton von jenem. Mit seinem höhnischen Lachen bekannte er (gegen uns Studenten), es sei nichts natürlicher, als daß einem der Schw... sich aufrichte, wenn man ein schönes Weib sehe; und mit behaglichem Wohlgefallen trug er (uns Studenten) das eilf-wortige Kunstgedicht seines Freundes Friedrich Schlegel auf eine der vielen Geliebten desselben vor: ,O, o! Kleine Mereau, Mach doch so, so! Mit dem Popo!’ Dergleichen galt für so genial und vortrefflich, daß ich in der nächsten Folgezeit nur meine Schuldigkeit und ein Werk der Pietät auszuüben wähnte, indem ich eine flüchtige Liebschaft mit ähnlichen Reimkünsten abschließen wollte!“ − Mit der „kleinen Mereau“ ist keine Geliebte Schlegels gemeint, sondern Hulda Mereau, die kleine Tochter der Schriftstellerin Sophie Mereau, die in den 1790er Jahren in Jena mit den Brüdern Schlegel befreundet war. Vgl. Patsch: Der Popo der Mereau, S. 165: „Schleiermachers und Varnhagens anzügliche Phantasien dazu gingen in die Irre.“ [Schließen]

05. Mai 1806

Beginn der Vorlesungen über Exegese des Neuen Testamentes und Christliche Sittenlehre.Vgl. Arndt und Virmond: Schleiermachers Briefwechsel, S. 301f. [Schließen]

09. Mai 1806

Beginn der Vorlesung über Kirchengeschichte.Vgl. Arndt und Virmond: Schleiermachers Briefwechsel, S. 301 [Schließen]

25. Mai 1806

Neuntägige Harzwanderung mit Steffens und Studenten.Vgl. Briefe 2211, 34–37 und 2191, 22–39 [Schließen]

06. Juni 1806

Schleiermacher berichtet, dass er, seit seine Halbschwester Nanny den Haushalt führt, einmal in der Woche abends einen Kreis der „eifrigeren“ Studenten bei sich versammelt und es ihm dadurch auch möglich sei, die Vorlesungen besser auf seine Zuhörer abzustimmen.Vgl. Brief 2196, 19–29 [Schließen]

20. Juni 1806

In einem Brief an Charlotte von Kathen erklärt Schleiermacher die Notwendigkeit eines künftigen Volkskrieges um „deutsche Freiheit und Gesinnung“.Vgl. Brief 2196, 98–112 [Schließen]

06. Juli 1806

In einem Brief an Reimer klagt Schleiermacher, dass die Umarbeitung der „Reden“ alle freie Zeit in Anspruch nehme und besonders die zweite Rede bedeutende Veränderungen erfahren müsse; er hoffe, sie in acht Tagen im Manuskript fertig zu haben.Vgl. Brief 2213, 23–32 [Schließen]

03. August 1806

Eröffnung des akademischen Gottesdienstes in Halle.Vgl. Brief 2226, 7f. [Schließen]

15. August 1806

Stubenrauch berichtet, dass er die von Schleiermacher für 250 Reichstaler gekauften Bücher aus seiner Privatbibliothek in 3 Kisten versandt habe;Vgl. Brief 2240 [Schließen] der Kaufpreis gilt als Darlehn, wobei die Zinsen an Stubenrauchs bzw. an ihre Enkeltochter fließen sollen.Vgl. Briefe 2195, 59–65, 2221, 27–32 und 2271, 22–30 [Schließen]

11. September 1806

Schleiermacher verfasst eine Protestation gegen die Abtretung der Universitätskirche an die Verpflegungskommission, die diese als Magazin nutzen möchte.„Protestation Gegen die Beschlüsse der akademischen Kirchendeputation vom 9ten Septemb. 1806 wegen Einräumung der Universitäts Kirche an die Verpflegungs ComMission. Angesehen 1., daß die Unmöglichkeit für die Bedürfnisse der Verpflegungs Commission ein anderes Lokale als die Universitätskirche auszumitteln nicht eher dargethan werden kann, als nachdem die Maaßregeln werden angetreten sein, welche jene höchsten Behörden an welche die Allerhöchste Cabinetsordre zu Verschonung der Kirche ergangen ist, zufolge derselben zu ergreifen haben 2., daß die Verpflegungs Commission selbst, wenn sie glaubte jene Unmöglichkeit gehörig erweisen zu können, sich gewiß mit der provisorischen Einräumung der Universitätskirche bis zum Eingang höherer Befehle begnügen, nicht aber der Universität eine formalische Verzichtleisstung anmuthen würde, und es daher scheint als ob nur die vorzügliche Bequemlichkeit der Univers.Kirche von ihr berücksichtigt wurde. 3., daß die Universität bei Bestimung jener Unmöglichkeit nicht davon ausgehn kann, daß die städtischen Parochialkirchen schlechthin oder vorzugsweise vor der akademischen müßten verschont werden, indem jeder Unterschied dieser Art eben durch die ertheilte Allerhöchste Cabinetsordre beseitigt werden soll. 4., daß es nur ein leerer Schein ist wenn sich die Universität des erlangten Rechtes zwar für diesmal begiebt, für die Zukunft aber es sich vorbehalten will, indem dieselbe scheinbare Nothwendigkeit, welche jetzt stattfinden soll in jedem Fall wenn ein Magazin etablirt werden soll gleich wieder eintritt 5., daß der öffentliche Dienst nichts weiter erfordert als daß provisorisch mit der dringend nothwendigen Aufschüttung zugleich aber auch Ausfouragirung fortgefahren werde, dadurch aber gar nicht leiden kann, daß die Universität auf Einholung einer anderweitigen Allerhöchsten WillensDeclaration besteht ist Unterschriebener überzeugt, die Universität sei nicht berechtiget, auf die durch das Allergnädigste Cabinetsschreiben erlangten Vortheile Verzicht zu leisten, und sieht sich genöthget, nachdem er diese Gründe bei der Sizung der akademischen KirchenDeputation vorgetragen ohne die Majorität dafür zu gewinnen, gegen den gefaßten Beschluß daß von dem durch die Allergnädigste Cabinetsordre erlangten Vorrecht für diesmal kein Gebrauch gemacht und die Allerhöchste Genehmigung hiezu von der Universität selbst nachgesucht werden soll zu protestiren, und diese Erklärung den Verhandlungen beifügen zu lassen. Halle, d. 11 Septemb. 1806. F. Schleiermacher, Prof. der Theologie und Universitätsprediger“ (Hering: Der akademische Gottesdienst, Bd. 2, S. 106 f.) [Schließen]

15. September 1806

Reise nach Potsdam zusammen mit seiner Halbschwester Nanny und Frau Loder, wo sie am 17. eintreffen und Reimers und Henriette Herz treffen wollen.Vgl. Briefe 2257, 6–10, 2260, 34–46 und 2265, 20–24; über den Aufenthalt selbst ist nichts bekannt [Schließen]

01. Oktober 1806

Preußisches Ultimatum an Napoleon

Um den 4. Oktober 1806

Rückkehr von Potsdam.Vgl. Brief 2347, 18f. [Schließen]

14. Oktober 1806

Schlacht bei Jena und Auerstedt, Niederlage der preußischen Armee.

17. Oktober 1806

Eroberung Halles durch französische Truppen;Vgl. dazu den Bericht in Steffens: Was ich erlebte, Bd. 5, S. 190–200. In KGA V/9, S. XXIV f. finden sich dazu weitere Ausführungen. [Schließen] Schleiermacher zieht mit seiner Halbschwester zu Steffens, um den Haushalt gemeinsam günstiger führen zu können.Vgl. Briefe 2356, 45–53 und 2323, 45–55. − Vgl. auch Steffens: Was ich erlebte, Bd. 5, S. 216–218: „Schleiermachers wie meine Lage war nun freilich bedenklich genug. Unser Gehalt war mit dem ersten November fällig, und das von vergangenen Monaten völlig aufgezehrt. Die Vorlesungen aber, die eben anfangen sollten, hatten ein bedeutendes Honorar schon jetzt in unsere Hände gebracht. Ich hatte in meinem Besitz über 80 Louisd’or. Daß ich, nach meiner Gesinnung, und da ich die Auszahlung des Gehalts erwartete, an keine Geldverlegenheit dachte, ist begreiflich. Nun aber meldeten sich alle meine Zuhörer und ich mußte mich glücklich schätzen, daß ich die Summe nicht angerührt hatte, und einen Jeden zufrieden stellen konnte. Ich behielt etwa 10 Rthlr. übrig, und Schleiermacher auch nicht mehr. Durch Freunde aus der Ferne irgend Etwas zu erhalten, war vors Erste unmöglich. Die französischen Heere hatten sich gegen Osten und Norden immer weiter verbreitet, der Krieg schnitt uns von Verwandten und Freunden völlig ab. Wir entschlossen uns nun, die kleine Summe, über die wir zu gebieten hatten, vereint zu benutzen, und eine gemeinschaftliche Wirthschaft zu führen. Schleiermacher bezog meine kleine beschränkte Wohnung. Meine Frau mit ihrem Kinde und Schleiermachers Schwester bewohnten eine kleine enge Kammer, die an eine größere Stube grenzte; ebenso schlief ich mit meinem Freunde in einer ähnlichen Kammer, und ein Jeder verfolgte seine Studien und Arbeiten in einer gemeinschaftlichen Stube. In einer Ecke meines Studirzimmers hat Schleiermacher seine Schrift über den ersten Brief Pauli an Timotheus ausgearbeitet. Wir lebten in der größten Dürftigkeit, sahen wenige Menschen, verließen fast nie das Haus, und als das Geld ausging, verkaufte ich mein Silberzeug. Obgleich wir nun so höchst kümmerlich lebten, so war unsere Stimmung keineswegs niedergedrückt. Es war die feste Ueberzeugung, daß von jetzt an das Schicksal des Landes in der unveränderlichen und festgehaltenen Gesinnung eines jeden Bürgers liege, die uns erhob und stärkte, und wir konnten trotz unserer Armuth, wie gewöhnlich, die Freunde und Jünglinge, die den Muth hatten, die Stadt nicht zu verlassen, den Abend an unserem Theetisch versammeln. Wir hatten kurz vorher uns mit Thee und Zucker auf eine lange Zeit versorgt; von Reichardts Verleger in Hamburg lief eine Sendung von Rum ein, die ich in unserm Feldlager für gute Beute erklärte. Hier erschienen: Harscher, Müller, v. Marwitz, v. Varnhagen und Freund Blanc, Prediger bei der französischen Gemeinde in Halle. Letzterer hatte sich eng an Schleiermacher und mich angeschlossen, hatte unsere Vorträge besucht und war sowohl durch Geist, wie durch Gesinnung einer meiner genauesten Freunde geworden.“ [Schließen]

19. Oktober 1806

Einzug Napoleons in Halle.Vgl. Steffens: Was ich erlebte, Bd. 5, S. 205–213. Weitere Ausführungen dazu finden sich in KGA V/9, S. XXVII f. [Schließen]

20. Oktober 1806

Schließung der Universität Halle.

04. November 1806

Schleiermacher berichtet Reimer über die Besetzung Halles und die folgenden Plünderungen und Einquartierungen.Vgl. Brief 2303 [Schließen]

09. November 1806

W.C. Müller fragt an, ob Schleiermacher angesichts der Schließung der Universität in Halle bereit sei, einen Ruf als Prediger an die St. Stephani-Kirche in Bremen anzunehmen.Vgl. Brief 2309 [Schließen]

Mitte November 1806

In einem Brief an Reimer fordert Schleiermacher eine „allgemeine Regeneration“, durch welche „die Trenung des Einzelnen vom Staat und der Gebildeten von der Masse“ überwunden werden müsse.Vgl. Brief 2322, 1–14 [Schließen] – Er erklärt, an einer kritischen Schrift über den ersten Timotheosbrief zu arbeiten.Vgl. Brief 2322, 35–38 [Schließen]

14. November 1806

Schleiermacher erklärt, dass er vorläufig nicht nach Berlin gehen, sondern in Halle abwarten wolle, ob die Universität wiederhergestellt werde.Vgl. Brief 2318, 11–26 [Schließen]

16. November 1806

Schleiermacher übernimmt eine Predigt für Blanc.Vgl. Brief 2318, 26–28 [Schließen]

06. Dezember 1806

In einem Brief an Reimer äußert Schleiermacher, dass in Deutschland die Trennung der Nation, d.h. der Einzelnen und der Familien, von der Politik überwunden werden müsse, um eine Wiedergeburt zu ermöglichen.Vgl. Brief 2342, 40–64 [Schließen] Schleiermacher bietet Eichstädt an, für die Allgemeine Literaturzeitung Berichte über das Schicksal Halles und der Hallenser Universität unter der französischen Besatzung zu erstellen; der Plan wird nicht realisiert.Vgl. Brief 2347, 62–67 [Schließen]

07. Dezember 1806

In einem Brief an J. E. Th. von Willich äußert Schleiermacher seinen Glauben an eine Wiedergeburt Preußens und Deutschlands; er wolle bei einer Fortsetzung des Krieges und fortgesetzter Besetzung Halles interimistisch auf einer anderen Stelle in Preußen angestellt bleiben. Schleiermacher erwartet von Napoleon eine Verfolgung der Protestanten.Vgl. Brief 2344, 42–73 [Schließen]

13. Dezember 1806

Absage des erneuten Rufes nach Bremen.Vgl. Brief *2351. − Bereits unter dem Datum des 12.12.1806 berichtete Adolph Müller: „Daß Schleiermacher nach Bremen käme, das glaube ich durchaus nicht, und er selbst sagt, daß er so lange hier hoffe und harre, als noch der mindeste Grund dazu da ist. Dieser Schimmer schwindet doch wohl nicht, so lange der König und die Russen noch Armeen haben, und die Oestereicher sich nicht öffentlich für Frankreich erklären. Ich kann nicht daran glauben, daß dieser güldene, güldene Mann, der höchste, den die jetzige Zeit hervorzubringen vermochte, künftig in einer Stadt wohnen soll mit mir, und zu einer Zeit, wo ich mich ihm durch unablässigen Umgang mit seinen Schriften und seinem Geiste ganz hinzugeben gedenke, sobald ich Muße dazu finde. Es mag nun aber kommen, wie es will, seine herrliche Sonne soll mir nimmer wieder verloren gehen, und wenn ich auch nicht als sein naher Planet mich um ihn schwingen kann, so fahre ich doch gewiß in größeren Ellipsen um ihn, und meine träge Masse wurzelt in seinem beweglichen ewigen Lichte. Wenn Ihr ihn nicht erhaltet und doch wissen wollt, wie in ihm der Gott wohnt und wie die Zunge gelöst ist, um dies kund zu thun für Einzelne und Viele, so lest seine Schriften und vorzüglich seine Predigten, von denen eine neue Ausgabe herausgekommen ist; und daß kein Wort nachlässig der Aufmerksamkeit entfalle, − Schleiermacher wird in diesen Tagen nach Berlin abreisen; ob er von hier oder von dort, wo er vielleicht etwas über Halle erfährt, Dir antwortet, weiß ich nicht.“ (Briefe von der Universität, S. 349) [Schließen]

16. Dezember 1806

Schleiermacher erwägt die Abfassung einer Grammatik des Französischen, um die „absolute Gesinnungslosigkeit“ des Französischen nachzuweisen.Vgl. Brief 2356, 86–88 [Schließen]

18. Dezember 1806

Abreise Steffens’ aus Halle; damit endet auch die seit dem 17. Oktober bestehende gemeinsame Haushaltsführung.Vgl. Brief 2356, 45–53 [Schließen]

29. Dezember 1806

Schleiermacher lehnt den Vorschlag Wilhelm Dohnas ab, sich um eine dritte Dompredigerstelle in Königsberg zu bewerben.Vgl. Brief *2374 [Schließen]

31. Dezember 1806

In einem langen Brief widerspricht Karl Georg von Raumer Schleiermachers Einschätzung der Preußischen Niederlage. Raumer verteidigt Napoleon als Vollstrecker einer historischen Notwendigkeit und sieht in Preußen einen abgelebten Militär- und Raubstaat auf Kosten der deutschen Nation.Vgl. Brief 2378 [Schließen]

Zitierhinweis

Chronologie - 1806, erarbeitet von Andreas Arndt, Simon Gerber und Johann Gartlinger (Elektronische Erfassung). In: schleiermacher digital / Chronologie, hg. v. den Schleiermacher-Forschungsprojekten. Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften, Berlin. URL: https://schleiermacher-digital.de/S9939867 (Stand: 26.7.2022)

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Chronologie

Die Chronologie erschließt und kommentiert das Leben und Werk Schleiermachers und ist derzeit für die Jahre 1768 bis 1814 verfügbar. Neben den nach Datum sortierten Chronologien einzelner Jahre können kurze Jahresüberblicke über die obere Menüleiste aufgerufen werden. Die Jahrgänge 1768–1795 und 1796–1807 sind als zusammenhängende Überblicke gegeben, ab dem Jahr 1808 bis zum Jahr 1811 existiert für jedes Jahr ein separater Jahresüberblick.


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