Januar bis Februar 1799

In den beiden ersten Heften des „Berlinischen Archivs der Zeit und Ihres Geschmacks“ erscheint anonym der erste Teil von Schleiermachers Aufsatz „Versuch einer Theorie des geselligen Betragens“.S. 48–66 und 111–123; KGA I/2, S. 165–184; den veröffentlichten Teil der Abhandlung hatte Schleiermacher vermutlich schon Ende 1798 ausgearbeitet. Zur Entstehungsgeschichte dieser Arbeit und den überlieferten Hinweisen auf die geplante Fortsetzung vgl. die Historische Einführung in KGA I/2, S. L–LIII [Schließen] Eine geplante Fortsetzung unterblieb durch die zeitweilige Versetzung nach Potsdam.Vgl. Brief 559, 22f: „ich habe alles versucht außer die gute Lebensart, und was soll ich mit der ohne Gesellschaft?" Vgl. hierzu die Historische Einführung in KGA I/2, S. LII [Schließen]

26. Januar 1799 bis 27. Januar 1799

F. S. G. Sack fragt Schleiermacher im Auftrag des Reformierten Kirchendirektoriums, ob er bereit sei, als Stell-Vertreter des Potsdamer Hofpredigers Johann Peter Bamberger auf einige Zeit nach Potsdam zu gehen.Vgl. unten in den Aktenstücken zu Schleiermachers Adjunktur die Notiz Sacks vom 27.1.1799 [Schließen]

28. Januar 1799

Der preußische Minister Friedrich Wilhelm von Thulemeier ersucht namens des Reformierten Kirchendirektoriums beim Berliner Armendirektorium um die Freistellung Schleiermachers, damit dieser die Amtsgeschäfte des Potsdamer Garnisonpredigers Johann Peter Bamberger übernehmen könne, bis dessen Nachfolger bestimmt sei.Vgl. hierzu die ausführliche Darstellung in der Historischen Einführung in KGA V/3 [Schließen]

30. Januar 1799

Das Armendirektorium genehmigt die zeitweilige Abordnung Schleiermachers nach Potsdam.Vgl. Brief 555 [Schließen]

04. Februar 1799

König Friedrich Wilhelm III. erteilt Schleiermacher den Auftrag, sich nach Potsdam zu begeben und dort die Geschäfte des Hofpredigers Bamberger zu übernehmen. Er soll bereits am nächsten Sonntag (10.2.) die Predigt halten.Vgl. Brief 557a [Schließen]

14. Februar 1799

Schleiermacher begibt sich nach Potsdam,Vgl. Brief 558 [Schließen] wo er schon am folgenden Tag die Arbeit an den „Reden“ „Über die Religion“ wieder aufnimmt.Vgl. Brief 559, 21f; zur Entstehungsgeschichte und zum Verlauf der Arbeiten an den „Reden“ vgl. die Historische Einführung in KGA I/2, S. LIII–LX [Schließen] Daneben widmet sich Schleiermacher während seiner zeitweiligen Versetzung besonders dem Studium der Platonischen Dialoge, über das er in der Folge wiederholt berichtet.Vgl. zuerst Brief 559, 20; nach dieser Stelle zu urteilen, hatte Schleiermacher sich die Plato-Lektüre neben der Arbeit an den „Reden“ und der „Theorie des geselligen Betragens“ für die Zeit des Potsdamer Aufenthalts zur besonderen Aufgabe gemacht. Später berichtet er in Briefen an Henriette Herz z.B. über die Lektüre des „Kriton“ (Brief 571, 32–36) und des „Phaidon“ (Brief 575, 2) [Schließen]

19. Februar 1799

Schleiermacher berichtet an den Verleger J. C. P. Spener, er habe seit seiner Ankunft in Potsdam David Collins' „An Account of the English colony in New South Wales“ gelesen, um die Ausführung der von ihm geplanten Siedlungsgeschichte Neuhollands (Australiens) vorzubereiten.Vgl. Brief 561, 5–7 [Schließen] An diesem Projekt arbeitete Schleiermacher während seines Potsdamer Aufenthalts neben den „Reden“ „Über die Religion“ und verstärkt nach deren Abschluss am 15.4. sowie, mit Unterbrechungen, bis Mai 1802;Vgl. hierzu die Historische Einführung in KGA I/3, S. LXXXII–XCIII; von den umfänglichen Vorarbeiten und Ausarbeitungen Schleiermachers sind einige Stücke überliefert (KGA I/3, S. 251–279) [Schließen] es wurde wohl nur aufgrund geschäftlicher Erwägungen Speners nicht realisiert. Friedrich Schlegel teilt seiner Schwägerin Caroline den ersten Eindruck der im Entstehen begriffenen „Reden“ „Über die Religion“ mit.„Religion ist übrigens nicht viel darin, außer daß jeder Mensch ein Ebenbild Gottes sey, und der Tod vernichtet werden soll. Indessen ists doch ein Buch wie mein Studium der alten Poesie, revoluzionär und der erste Blick in eine neue Welt. Ich glaube, Ihnen wird es wohl gefallen: denn es ist gebildet und fein, ein classischer Essay!“ (F. Schlegel: Werke, Bd. 24, S. 230f, Nr. 138). Die zwiespältige Tendenz dieses Urteils tritt in einer Bemerkung am Schluss desselben Briefes verstärkt zutage, wo es – im Blick auf A. L. Hülsen – heißt. „Dessen Religion von Familie, von Eltern und Kindern gefällt mir doch besser wie Schl's um so mehr, da er nicht weiß daß es Religion ist. Auch ist mehr Nerv und Nachdruck darin, als wenn Schl. so umherschleicht wie ein Dachs um an allen Subjekten das Universum zu riechen“ (ebd., S. 231). [Schließen]

25. Februar 1799

In einem Brief an Henriette Herz klagt Schleiermacher, er habe an den „Reden“ „Über die Religion“ noch nicht weiterschreiben können; besonders fehle ihm noch eine Inspiration für die dritte Rede.Vgl. Brief 569, 70–74 [Schließen]

01. März 1799

Besuch in Zehlendorf, wo Schleiermacher den Verleger Spener und Alexander Dohna trifft.Das Treffen hatte Schleiermacher Spener in Brief 565, 46–54 vorgeschlagen; zum Ablauf des Besuches vgl. Brief 572, 2–20 [Schließen]

Wohl 1. März 1799

Friedrich Schlegel spricht erstmals Schleiermachers literarisches Projekt „Visionen“ an.Vgl. Brief 573, 73. Das Projekt der Visionen, das im folgenden Briefwechsel noch öfters angesprochen wird, wurde nicht verwirklicht, obwohl Schleiermacher auf den Plan zurückkam, als er – wohl 1803 – die Möglichkeit erwog, für F. Schlegels Zeitschrift „Europa“ Beiträge zu liefern; vgl. Gedanken V (KGA I/3, S. 332), Nr. 197: „Visionen kosmisch in Hexametern, Satyren eben so ethisch. Beides vielleicht für die Europa.“ [Schließen]

Anfang März 1799

Schleiermacher teilt Friedrich Schlegel mit, er habe die dritte der „Reden“ „Über die Religion“ in einer ersten Niederschrift vollendet.Vgl. Brief *578 [Schließen]

Um den 10. März 1799

Schleiermacher hält sich anläßlich des Geburtstages von F. Schlegel (10.3.) in Berlin auf.Vgl. Brief 587 (an die Schwester), 35–37; demnach war Schleiermacher „auf 2 Tage“ in Berlin, was wohl – wie sich aus anderen Briefstellen ergibt – soviel bedeutet wie „auf ein paar Tage“. In Brief 572, 21–25 vom Freitag, den 1.3., hatte Schleiermacher Henriette Herz einen Besuch „Sonntag über acht Tage“ in Aussicht gestellt; wenig später scheint dieser Plan gefährdet gewesen zu sein (vgl. Brief *578), jedoch schreibt Schleiermacher unter dem Datum des 13. März in Berlin an das Armendirektorium, wobei er erwähnt, dass er „auf ein Paar Tage hier“ sei (Brief 581, 14). Am folgenden Sonnabend (16.3.) ist Schleiermacher bereits wieder in Potsdam (vgl. Brief 583). In Brief 808 vom 10.3.1800 schreibt F. Schlegel, Schleiermacher sei „Heute vor dem Jahre“ anläßlich des Geburtstages nach Berlin gekommen (Zeilen 103f) [Schließen]

Mitte März 1799

Markus Herz bittet Schleiermacher, zu der Schrift „Politisch-theologische Aufgabe über die Behandlung der jüdischen Täuflinge“ im nächsten Heft des „Berlinischen Archivs der Zeit und ihres Geschmacks“ Stellung zu nehmen.Vgl. Brief 583, 26–32; der anonym publizierte Aufsatz war im Märzheft des „Archivs“ erschienen (Wiederabdruck in KGA I/2, S. 373–380). Schleiermacher versprach seine Antwort für das Maiheft des Archivs; nachdem jedoch I. Feßler als Herausgeber des „Archivs“ Ende März/Anfang April die Veröffentlichung des geplanten Aufsatzes abgelehnt hatte, und nachdem im April David Friedländer – ebenfalls anonym – seine Stellungnahme „Sendschreiben an Seine Hochwürden, Herrn Oberconsistorialrath und Probst Teller zu Berlin, von einigen Hausvätern jüdischer Religion“ veröffentlicht hatte (abgedruckt in KGA I/2, S. 381–413), realisierte Schleiermacher die Anregung Herz' schließlich mit seiner Schrift „Briefe bei Gelegenheit der politisch-theologischen Aufgabe und des Sendschreibens jüdischer Hausväter“, die als Verfasser nur einen „Prediger außerhalb Berlin“ nannten und im Juli 1799 bei Franke in Berlin erschienen. – Zu den literarischen Auseinandersetzungen in diesem Zusammenhang vgl. Kurt Nowaks Nachwort zur Faksimileausgabe von Schleiermachers Schrift (1984) und die dort angegebene Literatur; besonders E. Littmann: David Friedländers Sendschreiben (1935); vgl. auch die Historische Einführung in KGA I/2, S. LXXX- LXXXIII [Schließen]

20. März 1799

Schleiermacher begegnet bei einem Spaziergang in Potsdam dem König Friedrich Wilhelm III., den er zunächst nicht erkennt; er wird deswegen von einem Schreiber wegen mangelnder Ehrerbietung gerügt.Vgl. Brief 585, 8–27 [Schließen]

Ende März bis Anfang April 1799

Der Mitherausgeber des „Berlinischen Archivs der Zeit und ihres Geschmacks“, I. Feßler, lehnt es ab, Schleiermachers geplante Stellungnahme zur „Politisch-theologischen Aufgabe über die Behandlung der jüdischen Täuflinge“ zu veröffentlichen; Markus Herz bietet daraufhin an, eine Publikation in E. Biesters „Neuer Berlinischen Monatsschrift“ zu vermitteln.Vgl. Brief *607 [Schließen]

21. März 1799

Schleiermacher trifft F. S. G. Sack in Potsdam, der sein Unbehagen an der dritten der „Reden“ „Über die Religion“ erkennen läßt, welche er möglicherweise in seiner Funktion als Zensor gelesen hatte.Vgl. Brief 585, 36–45; nach Brief 566, 9 hatte die Zensur zunächst bei F. S. G. Sack gelegen, dann (vgl. Brief 573, 51) beim Oberkonsistorialpräsidenten von Schewe. Wieweit Sack weiterhin amtlich mit den „Reden“ befasst war und sich vielleicht die Zensur mit von Schewe teilte, muss offen bleiben. Aktenstücke über die Zensur der „Reden“ konnten nicht ermittelt werden [Schließen]

22. März 1799

(Karfreitag) Friedrich Wilhelm III. empfängt aus Schleiermachers Händen das Abendmahl.Vgl. Brief, 242f [Schließen]

22. März 1799

Schleiermacher schreibt seiner Schwester Charlotte „eine ausführliche Deduktion meines Lebens und meiner Grundsätze von manchen Seiten“,Vgl. Brief 589 (an H. Herz), 10–25 [Schließen] um deren Besorgnisse wegen seines Lebenswandels und besonders seines Umgangs mit Frauen zu zerstreuen.Brief 587 [Schließen]

Anfang April 1799

Schleiermacher studiert für seine geplante Stellungnahme die rechtliche Stellung der Juden in Preußen.Vgl. Brief 616, 7–10 [Schließen] – In einem Brief an den Onkel S. Ε. T. Stubenrauch beklagt er sich über seine Lage in Potsdam und berichtet von Schwierigkeiten im Verhältnis des dortigen (reformierten) Hofpredigers zu seinem Kollegen an der Garnisonkirche, dem (lutherischen) FeldprobstVgl. Brief *617 und Brief 622, 11–27 [Schließen]

Anfang bis Mitte April 1799

Schleiermachers erste Predigtpublikation. In der „Auswahl noch ungedruckter Predigten von Ammon, Bartels, Diterich, Löffler, Marezoll, Sack, Schleiermacher, Spalding, Teller, Zöllner, Zollikofer“ (Predigten von protestantischen Gottesgelehrten. Siebente Sammlung) erscheint als 13. Predigt auf S. 231–256 Schleiermachers Predigt „Die Gerechtigkeit ist die unentbehrliche Grundlage des allgemeinen Wohlergehens. An einem allgemeinen Bettage“.Predigttext war Sprüche Salomonis 14, 34 (vom Bettag am 20.4.1796; vgl. W. von Meding: Schleiermachers erstgedruckte Predigt, S. 304). In der nicht unterzeichneten Vorrede heißt es, Schleiermacher sei durch seine „von dem Herrn Hofprediger Sack empfohlene Uebersetzung der Predigten von J. Fawcett rühmlichst bekannt, und in Berlin wegen seiner Talente und Einsichten so geschätzt, daß er auch in einer solchen Gesellschaft, von ihr selbst wie vom Publikum, nicht ungern wird gesehen werden.“ – In ähnlichem Ton ist eine Anzeige in den Berlinischen Nachrichten Nr. 50 vom 25.4.1799 gehalten, wo es auf S. 6 heißt: „Die auf dem Titel genannten Namen, welche größtenteils in ganz Deutschland gekannt, und wo sie gekannt, auch verehrt und bewundert sind, machen alle Anpreisung überflüssig. Herr Schleiermacher, von welchem hier auch eine geistvolle Rede erscheint, ist derselbe, der durch seine treffliche Uebersetzung von Fawcetts Predigten dem Publikum schon vortheilhaft bekannt ist, und der in Berlin als denkender Kopf und einnehmender Kanzelredner geschätzt ist.“ [Schließen]

05. April 1799

Durch das Erscheinen von David Friedländers anonym publizierter Schrift „Sendschreiben ... von einigen Hausvätern jüdischer Religion“ sieht Schleiermacher sich veranlasst, mit seiner Stellungnahme zurückzuhalten, um erst das Erscheinen der Reaktionen auf diese Schrift abzuwarten.Vgl. Brief 610, 60f [Schließen]

09. April 1799

Besuch seines lutherischen Kollegen an der Charité, Prahmer, in Potsdam.Vgl. Brief 622, 21f [Schließen] – Die Wahl J. K. Pischons zum Hofprediger an der Potsdamer Garnisonkirche eröffnet Schleiermacher die Aussicht auf eine baldige Rückkehr nach Berlin.Vgl. Brief 622, 4–7 [Schließen]

Wohl Mitte April 1799

Friedrich Schlegel schlägt Schleiermacher das Projekt einer gemeinsamen Plato-Übersetzung vor.Vgl. Brief 640, 9–17; dort ist wohl die Andeutung in Schlegels Brief 631 (Zeilen 28–31) gemeint. Möglicherweise hatten Schlegel und Schleiermacher schon vor dem Potsdam-Aufenthalt ein gemeinsames Plato-Studium verabredet, dem auch die intensive Lektüre gedient haben mochte, die Schleiermacher während dieser Zeit betrieb. Dabei musste von einer Übersetzung noch nicht die Rede gewesen sein; in jedem Falle aber ist der Beginn des gemeinsamen Übersetzungsprojekts genauer zu datieren, als dies in der Historischen Einführung zu KGA I/3, S. XCVIII vermutet wurde [Schließen]

15. April 1799

Schleiermacher teilt Henriette Herz mit, dass er „Morgens ein halb zehn Uhr“ das Manuskript seiner „Reden“ „Über die Religion“ abgeschlossen habe; eine ursprünglich geplante Vorrede werde er nicht schreiben.Vgl. Brief 629, 18–21 [Schließen]

Wohl 22. bis 23. April 1799

Schleiermacher zu Besuch in Berlin, wo er u. a. einen Abend mit Heindorf verbringt und den Verleger J. C. P. Spener trifft, um die Bedingungen einer von Henriette Herz auszuführenden Übersetzung von Mungo Parks „Travels in the interior districts of Africa“ zu verabreden.Von einer Reise nach Berlin nach Abschluss der „Reden“ „Über die Religion“ war wiederholt die Rede gewesen; am Dienstag, den 16.4. schließlich kündigte Schleiermacher Henriette Herz an: „Beim Montag bleibts auf jeden Fall und wenn ich Geld hätte käme ich sogar Sonntag“ (Brief 633, 17f; vgl. zu dem geplanten Besuchsprogramm ebd. Zeilen 19f). Am Freitag, den 19.4. schreibt Schleiermacher an Spener in der Übersetzungsangelegenheit (Brief 634) und teilt zugleich mit: „Nächste Woche komme ich auf 2 Tage nach Berlin, weiß aber jezt noch nicht welche“ (Zeilen 19f); sollte diese Zeitplanung eingehalten worden und es, wie geplant, bei der Anreise am Montag geblieben sein, so wäre Schleiermacher vom 22. bis 23. April in Berlin gewesen. Der Besuch kann aber auch später stattgefunden haben bzw. ausgedehnt worden sein; hierfür spricht das Fehlen jeglicher Korrespondenz von Schleiermachers Seite zwischen dem 20. (Brief 636) und dem 27. April (Brief 638), obwohl er sonst fast täglich mit dem Berliner Freundeskreis zu kommunizieren pflegte. dass tatsächlich ein Besuch in Berlin stattgefunden hatte, geht aus Brief 640, 9–11 hervor [Schließen]

Anfang Mai 1799

Eine geplante Reise von H. Herz am Ende des Monats nötigt Schleiermacher, bei der Übersetzung von Mungo Parks „Travels“ einzuspringen, um den vom Verleger vorgesehenen Publikationstermin einhalten zu können.Vgl. Briefe 646 und 647; ursprünglich sollte Ludwig Tieck wegen der geplanten Reise einen Teil übersetzen; vgl. Brief 638. An einem raschen Abschluss der Übersetzungsarbeiten musste Spener aus geschäftlichen Gründen gelegen sein, da der Markt für das derzeit beliebte Genre der Reisebeschreibungen hart umkämpft war und von gewinnträchtigen Titeln oft mehrere konkurrierende Übersetzungen erschienen. Dieses Schicksal erlitt auch die von Henriette Herz und Schleiermacher veranstalte Übersetzung der „Travels“, zu der parallel eine andere Verdeutschung bei Hoffmann und Campe in Hamburg erschienen war (vgl. Brief 689, 10–21) [Schließen] Die Übersetzung, von der Schleiermacher bereits am 11. Mai mehrere Bogen gefertigt hatte, erschien im Sommer 1799 bei Haude & Spener in Berlin. Vgl. zu Schleiermachers Anteil Brief 651, 9–13; demnach hatte er Bogen Z-Hh übersetzt (S. 149–214 der deutschen Ausgabe); ob er darüberhinaus noch Partien verdeutscht hat, ist ebenso ungewiß wie eine mögliche Beteiligung L. Tiecks am Beginn des Projekts. Das Buch erschien unter dem Titel: „Reisen im Innern von Afrika auf Veranstaltung der Afrikanischen Gesellschaft in den jahren 1795 bis 1797, aus dem Englischen übersetzt“ [Schließen]

Wohl Mai bis Juni 1799

Erste persönliche Bekanntschaft mit Henrich Steffens, der auf der Durchreise nach Freiberg vier Wochen in Berlin Station machte.Vgl. A. W. Schlegels Brief an J. D. Gries vom 10.5.1799: „Steffens muß nun in Berlin seyn, ich bin begierig auf seine Bekanntschaft mit Fr. Schlegel und Schleyermacher“ (A. W. Schlegel: Briefe, Bd. 1, S. 93, Nr. 76). Im Mai 1799, schon nach Schleiermachers Rückkehr aus Potsdam, berichtet F. Schlegel an Caroline Schlegel in Jena: „Ihr Steffens ist bey uns gewesen und gefällt mir sehr wohl“ (F. Schlegel: Werke, Bd. 24, S. 286, Nr. 174). Zur Dauer des Aufenthalts in Berlin vgl. A. W. Schlegel: Briefe, Bd. 2, S. 38, Anm. zu Nr. 79. Rückblickend schreibt Steffens an A. W. Schlegel aus Freiberg unter dem 26.7.1799: „Gefreuet hat mich in Berlin: die Bekanntschaft mit Ihren geistvollen Bruder [...] Gefreuet hat mich ferner die Bekanntschaft mit Tieck [...] Ferner hat mich die Bekanntschaft mit der geistvollen Madam Veit gefreuet, und mit den [!] guten Schleyermacher, desen Reden über die Religion wohl noch nicht heraus sind?“ (A. W. Schlegel: Briefe, Bd. 1, S. 95, Nr. 79). – Heinrich Steffens wurde später Schleiermachers Kollege an der Hallenser Universität und war mit ihm eng befreundet. [Schließen] August Wilhelm Schlegel billigt in einem Schreiben an seinen Bruder Friedrich „Schl.‘s Einfall, die ins Burleske gehenden Stücke von den Notizen zu trennen, und unter dem Namen Intelligenzblatt zusammenzubringen […]. Nur wäre vielleicht Literarischer Anzeiger noch lustiger“. F. Schlegel: Werke, Bd. 24, S. 291, Nr. 180 [Schließen] Der „Literarische Reichsanzeiger“ im 2. Stück des Athenaeum 1799 geht demnach konzeptionell auf Schleiermacher zurück.

14. Mai 1799

Rückkehr Schleiermachers von Potsdam nach Berlin und Wiederaufnahme seiner Amtsgeschäfte als reformierter Prediger an der Charité.Vgl. Brief 656, 1–3; in einem Schreiben an das Armendirektorium (Archiv der Humboldt-Universität Berlin, Charité 274, Bl. 149), das auffälligerweise vom selben Tag datiert wie Schleiermachers Rückmeldung, dankte der Minister von Thulemeier für die zeitweilige Freistellung Schleiermachers: „Ew. Excellenz und Einem Königlichen Hochlöblichen Armen-Direktorium haben wir nicht ermangeln wollen, ergebenst zu melden, daß, nachdem nunmehr der Hof- und Garnison Prediger Pischon zu Potsdam sein Amt angetreten hat, die Dienstversetzung des hiesigen Charitee-Predigers Schleiermacher daselbst aufgehört hat; und haben wir Einem Hochlöblichen Armen-Direktorium für die gefällige Einstimmung in solche von uns in Vorschlag gebrachte einstweilige Amtsverwaltung zugleich unsern Dank hiemit abstatten wollen. Berlin den 20sten May 1799. Königlich Preußisches Evangelisches Reformirtes Kirchen Direktorium Thulemeier [Schließen] Eine zu erwartende Reise von Henriette Herz und Friedrich Schlegels Plan, demnächst nach Jena zu gehen, beeinträchtigen zunächst seine Aussichten auf den erhofften Genuß des geselligen Lebens, das er in Potsdam vermisst hatte.Vgl. die Mitteilungen in Brief 657 (an die Schwester), Zeilen 36–45 [Schließen]

Juni bis Juli 1799

Spannungen im Verhältnis zwischen Schleiermacher und Friedrich Schlegel.Solche Spannungen deuten sich in den im vorliegenden Band veröffentlichten Briefen erstmals in Brief 631, 29–31 an, wo Schlegel die fehlende menschliche Gemeinschaft zwischen ihnen beklagt, was wohl kaum auf die räumliche Trennung bezogen werden kann (zu früheren Spannungen – bereits Anfang 1798 – vgl. die Historische Einführung in KGA V/2, S. XXXVIII). Am 19.6. berichtet Schleiermacher an Henriette Herz, Schlegel und er haben sich bei einem Gespräch über sein Wesen nicht verständigen können (Brief 663, 5–12). Nachdem Friedrich Schlegel in seinem Roman „Lucinde“ mit deutlicher Kritik an Schleiermacher seine Auffassungen von Freundschaft auch literarisch gestaltet hatte (vgl. unten die Anmerkung zu Brief 668, 17f), bekannte dieser, er wisse nicht, wie er mit Schlegel stehe, „es drükt mich gewaltig“ (Brief 668, 2–22). Zwei Billets von Friedrich Schlegel von Ende Juni/Anfang Juli (Briefe 669 und 670) lassen aufgrund des äußerst gereizten Tones auf eine Zuspitzung der Auseinandersetzung schließen. [Schließen]Friedrich Schlegel möchte Schleiermacher dazu anregen, einen Roman zu verfassen.Vgl. Brief 672, 37–46 [Schließen]

18. Juni 1799

Schleiermacher liest letzte Korrekturen für die „Reden“ „Über die Religion“, „weil Setzer […] nun wirklich auf dem letzten Bogen ist“;Vgl. Brief 663, 13–15 [Schließen] Friedrich Schlegel arbeitet an einer Rezension der „Reden“ für das Athenaeum,Vgl. Brief 663, 5–12.16–19. Schlegels Notiz über die „Reden“ eröffnete im Athenaeum die Rubrik „Notizen“ (Athenaeum 2, 2, 1799, S. 289–296). [Schließen] die er Schleiermacher Ende Juni oder Anfang Juli 1799 schickt.Vgl. Brief 669, 2–4 [Schließen]

Juli 1799

Bei Friedrich Franke in Berlin erscheint, ebenfalls anonym, Schleiermachers Schrift „Briefe bei Gelegenheit der politisch-theologischen Aufgabe und des Sendschreibens jüdischer Hausväter. Von einem Prediger außerhalb Berlin“.KGA I/2, S. 331–361; vgl. dort die Historische Einführung S. LXXVIII–LXXXV [Schließen]

03. Juli 1799

J.G. Fichte, der als Professor der Philosophie an der Universität Jena infolge des sogenannten „Atheismusstreits“ entlassen worden war, trifft in Berlin ein.Vgl. die Anmerkung zu Brief 673, 55f [Schließen]

04. Juli 1799

Erstes Zusammentreffen zwischen Schleiermacher und Fichte.Vgl. Brief 671, 2–11 [Schließen] In dem ersten aus Berlin geschriebenen Brief an seine Frau vom 6.7.1799 gibt Fichte Schleiermachers Adresse für an ihn bestimmte Postsendungen an;Vgl. J. G. Fichte: Werke, Akademie-Ausgabe, 3, 4, S. 9 [Schließen] in der Folge trifft Fichte mit Schleiermacher und Friedrich Schlegel regelmäßig in der Wohnung von Dorothea Veit zusammen.Vgl. J. G. Fichte: Werke, Akademie-Ausgabe, 3, 4, S. 17 Fichtes Brief an seine Frau vom 20.7.1799, wo er seinen gewöhnlichen Tagesablauf schildert und schreibt, er gehe „um, 1 Uhr zu M. Veit, wo ich Schlegel und einen reformirten Prediger, Schlegel's Freund, treffe“ [Schließen]

04. Juli 1799

Schleiermacher erhält die ersten Exemplare seiner Schrift „Über die Religion. Reden an die Gebildeten unter ihren Verächtern", die anonym bei Unger in Berlin erschienen war.Vgl. Brief 671, 14f; die „Reden“ in KGA I/2, S. 189–326 [Schließen]

19. Juli 1799

Schleiermacher beendet die Reinschrift seiner Rezension von Immanuel Kants „Anthropologie in pragmatischer Hinsicht“.Vgl. Brief 663, 2f. Die Rezension erschien anonym unter der Rubrik „Notizen“ im Athenaeum 2, 2 (1799), S. 300–306 (KGA I/2, S. 365–369). Im Mai 1799 hatte F. Schlegel an seinen Bruder August Wilhelm geschrieben: „Der Unger hat den Druck der Reden der Religion liegen lassen, und ich warte immer noch auf den letzten Bogen. Indessen hoffe ich diese Notiz den nächsten Posttag schicken zu können, und dann ist Schleiermacher wohl auch mit der seinigen über Kants Anthropologie fertig“ (F. Schlegel: Werke, Bd. 24, S. 385, Nr. 174) [Schließen]

Ende Juli/August 1799

Besuch der Familie des Grafen zu Dohna-Schlobitten in Berlin; dieser Besuch, so bemerkt Schleiermacher gegenüber dem Verleger J. C. P. Spener, habe ihn „einige Wochen so beschäftigt daß ich an Nichts ordentliches habe kommen können“.Vgl. Brief 689, 4–6; ein erster Hinweis auf diesen Besuch findet sich in dem an Henriette Herz gerichteten Brief 671, worin es heißt, Markus Herz habe einen Brief „von der alten Gräfinn“ gehabt, „worin sie schreibt, sie würden am Ende Juli hierher kommen". Demnach wäre der Aufenthalt der Familie Dohna auf den August zu datieren. Eine ausführliche Schilderung des Besuchs in einem Brief an die Schwester (Brief *690) ist nicht überliefert; vgl. dazu Charlotte Schleiermachers Antwort (Brief 683, 112–124), aus der – wie auch aus der Ankündigung des Besuchs bei Markus Herz – geschlossen werden kann, dass die Behandlung der Gräfin Friederike Dohna durch Herz als einen der renommiertesten Ärzte in Preußen einen Hauptzweck der Reise bildete. [Schließen]

August 1799

Schleiermacher denkt an eine Rezension von C. L. Reinholds „Sendschreiben an J. C. Lavater und J. G. Fichte über den Glauben an Gott“ (1799);Vgl. F. Schlegel an A. W. Schlegel, August 1799: „Bernhardi möchte gern sein Meisterstück an der Metakritik machen. Ich habe zu so etwas gar keine Geduld mehr. Schleiermacher will auch nicht anbeißen, dagegen möchte er wohl den Reinhold vornehmen“ (F. Schlegel: Werke, Bd. 24, S. 309, Nr. 196). [Schließen] von diesem Vorhaben tritt er bereits wenig später wieder zurück.Vgl. Briefe *693. 694, 4–7. 698, 12f [Schließen]

20. August 1799

„In den Berlinischen Nachrichten von Staats- und gelehrten Sachen“ (Haude- und Spenersche Zeitung) erscheint eine ausführliche Anzeige der von Henriette Herz und Schleiermacher angefertigten Übersetzung von Mungo Parks „Travels in the interior districts of Africa“; da solche Anzeigen gewöhnlich von den Autoren bzw. Übersetzern gefertigt (wenn auch anschließend von Verlagsseite noch redigiert) wurden, und da der Text stilistisch Schleiermachers Schreibweise nahekommt (insbesondre, was die langen Perioden betrifft), handelt es sich bei der Anzeige mit größter Wahrscheinlichkeit um einen Text von Schleiermachers Hand, der (wohl vom Verleger) noch geringfügig redaktionell bearbeitet wurde.Der Text findet sich in KGA V/3, S. XXVIII f. [Schließen]

Anfang September 1799

Friedrich Schlegel siedelt nach Jena über, wo er zwischen dem 3. und 5. September eintrifft.Vgl. F. Schlegel: Werke, Bd. 24, S. 474 (Anm. 6) [Schließen] Damit wird Schleiermacher zur Kontaktperson zwischen den Brüdern August Wilhelm und Friedrich Schlegel in Jena einerseits und dem Berliner Verleger des „Athenaeum“, Heinrich Frölich, andererseits; in der Folge wird Schleiermacher vielfach mit Redaktionsarbeiten für die Zeitschrift der Brüder Schlegel betraut.Ein erstes Dokument hierfür ist Brief 692 [Schließen]

September 1799

Schleiermacher vermittelt dem Verleger J.C.P. Spener Henriette Herz als Übersetzerin von Isaac Welds „Travels throught the states of North America, and the provinces of Upper and Lower Canada during the Years 1795, 1796, and 1797“.Das Buch war erst 1799 in London erschienen; die deutsche Übersetzung erschien zum Herbst 1800 bei Haude & Spener in Berlin unter dem Titel: „Reise durch die nordamerikanischen Freistaaten und durch Ober- und Unter-Canada in den Jahren 1795, 1796 und 1797, aus dem englichen frei übersetzt.“ [Schließen] Da die Übersetzerin unerkannt bleiben will, fungiert Schleiermacher in der Folge als Mittelsmann und wohl auch als Berater.Vgl. Briefe 717, 15f. 733, 5–8. 742, 5–7. In dem an die Schwester gerichteten Brief 798 (Zeilen 74–80) berichtet Schleiermacher über eine gemeinsame Lektüre des englischen Reiseberichts mit Henriette Herz; am 27.2.1800 bittet er Spener um die Erlaubnis, eine Passage über die Niagara-Fälle in der „Mittwochgesellschaft“ vortragen zu drüfen (Brief 801, 4f). Diese Briefstellen deuten auf eine starke Anteilnahme an dem Projekt, so dass auch an eine gewisse Mitarbeit an der Übersetzung bis hin zur Übernahme einzelner Textteile gedacht werden kann, obwohl sich dies nicht einduetig belegen lässt; vgl. hierzu die Historische Einführung in KGA I/2, S. XVII. [Schließen]

September 1799

Schleiermacher tritt in brieflichen Kontakt mit August Ludwig Hülsen und bekennt sich ihm gegenüber als Verfasser der „Reden“ „Über die Religion“.Vgl. Brief *701 [Schließen]

September/Oktober 1799

Schleiermachers Reaktion auf die Lektüre von Friedrich Schlegels Fragmentsammlung „Ideen“, die im Athenaeum erscheienn soll, führt zu einer brieflichen Kontroverse zwischen beiden.Vgl. Briefe *691. 692, 17–26. *708, 8–51; die „Ideen“ erschienen 1800 im Athenaeum 3, 1, S. 4–33 (F. Schlegel: Werke, Bd. 2, S. 256–272) [Schließen] Anlass war Schleiermachers Nichtverstehen der Schlegleschen Stellungnahmen zur Religion im allgemeinen sowie besonders auch zu Schleiermachers „Reden“ „Über die Religion“.

02. September 1799

Zusammen mit seinem lutherischen Kollegen, dem Charitéprediger J. G. W. Prahmer, richtet Schleiermacher ein umfängliches Memorandum an das Armendirektorium, in dem sie Vorschläge unterbreiten, wie die Amtsgeschäfte der Prediger neu geregelt werden könnten. Darin wird u. a. auch in Anregung gebracht, ihnen die Ausarbeitung einer gemeinsamen Liturgie für das Abendmahl zu gestatten.Brief 686; vgl. hier besonders Zeilen 57–65 [Schließen]

08. September 1799

In einem Brief an J. C. P. Spener kündigt Schleiermacher die intensive Weiterarbeit an dem Projekt einer Darstellung der Siedlungsgeschichte Neuhollands (Australiens) auf der Grundlage von David Collins' „An account of the English colony in New South Wales“ an.Vgl. Brief 689, 2–18 [Schließen]

Mitte September 1799

Schleiermacher schickt F. Schlegel eine satirische Notiz („Druckfehleranzeige“) gegen Kant, die wohl für die (nicht realisierte) Fortsetzung des „Literarischen Reichsanzeigers“ im Athenaeum gedacht war; diese Notiz ist nicht erhalten.Vgl. Brief *693 und 694, 2; der „Literarische Reichsanzeiger“ war eine größtenteils von A. W. Schlegel herrührende Sammlung literarischer „Teufeleyen“, die (anonym) im Athenaeum 2, 2, S. 328–340 veröffentlicht worden war. Eine geplante Fortsetzung des „Reichsanzeigers“ war auf Anraten Goethes unterblieben. Über die „Druckfehleranzeige“ ließ sich mehr nicht ermitteln. [Schließen] Zugleich kündigt er an, eine Notiz gegen C. L. Reinhold – wohl dessen 1799 erschienenes „Sendschreiben an J. C. Lavater und J. G. FichteVgl. Brief 694, 4–7 [Schließen] – verfassen zu wollen; diese Rezension kam nicht zustande.

19. September 1799

Ankunft der Familie des Grafen zu Dohna-Schlobitten zu einem erneuten Aufenthalt in Berlin;Vgl. Brief 697 vom Montag, den 23. September; dort berichtet Schleiermacher (Zeilen 14f), dass die Gräfliche Familie „seit Donnerstag wieder hier“ sei. [Schließen] Schleiermacher organisiert auf Wunsch des Grafen Wilhelm zu Dohna Brief *682 [Schließen] ein umfängliches Besichtigungsprogramm.Vgl. Brief 697, 29–44 [Schließen] Die Dohnas bleiben bis um den 20. Oktober in Berlin.Vgl. Brief 726, 41–88; mit Brief *712 hatte Graf Friedrich Alexander zu Dohna-Schlobitten Schleiermacher aufgefordert, zum Geburtstag seiner Frau am 23.10. Verse zu machen; diese wurden nach Brief 726, 78 bei einem vorgezogenen Geburtstagsfrühstück präsentiert, da die Familie am 23. bereits auf der Rückreise nach Ostpreußen sein würde. [Schließen]

20. September 1799

Friedrich Schlegel regt Schleiermacher zu einer Stellungnahme über seinen Roman „Lucinde“ an: „Wenn Du Veranlagung fändest, etwas über die sogenannte Moralität der Lucinde zu sagen, das sollte mir sehr lieb seyn“.Brief 696, 9f; mit ähnlichen Formulierungen äußerte Schlegel eine entsprechende Bitte Ende November/Anfang Dezember 1799 (Brief 743, 33–38). [Schließen]

23. September 1799

August Wilhelm Schlegel bittet Schleiermacher, sich des Athenaeums anzunehmen und regt weitere „ernsthafte Notizen wie die über Garve“ an;Brief 698, 10–12 [Schließen] demnach hatte Schleiermacher seine erst Ende März 1800 im „Athenaeum“ anonym publizierte Sammelrezension über „Garve's letzte noch von ihm selbst herausgegebene Schriften“ zu diesem Zeitpunkt bereits niedergeschrieben und nach Jena geschickt.Vgl. Athenaeum 3, 1 (1800), S. 129–139; KGA I/3, S. 65–72. – Christian Garve, mit dessen früheren Werken Schleiermacher wohlvertraut war und den er als Philosophen schätzte (vgl. die zahlreichen Erwähnungen in KGA V/1, die dort S. 460 im Register aufgelistet sind) war am 1.12.1798 in Breslau gestorben. Seine letzten Schriften waren Ende 1798/Anfang 1799 mehrfach Gegenstand brieflicher Erörterungen zwischen Schleiermacher und seinem Onkel S. E. T. Stubenrauch (vgl. Briefe 548, 40–44.*551. 553, 34f). Möglicherweise wurde Schleiermacher durch diese Korrespondenz zu einer Stellungnahme veranlasst. [Schließen] – In einem Brief an Wilhelm Graf zu Dohna-Schlobitten klagt Schleiermacher, er habe seit seinem Aufenthalt in Potsdam nicht ordentlich arbeiten können und kündigt zugleich an, er wolle im Winter – neben der Siedlungsgeschichte Neuhollands (Australiens) für Spener – „alle Moral welche geschrieben worden ist von Anbeginn der Philosophie an lesen und kritisieren“.Brief 697, 77–80; dieses Vorhaben wurde mit den 1803 erschienenen „Grundlinien einer Kritik der bisherigen Sittenlehre“ realisiert. [Schließen]

Anfang Oktober 1799

Dorothea Veit siedelt von Berlin nach Jena über, wo sie am 6.10. eintrifft.Vgl. die Anmerkung zu Brief 710, 43 [Schließen] – Mit ihrem Weggang kommt Schleiermachers regelmäßiger Umgang mit J.G. Fichte zum Erliegen.Vgl. Brief *705 [Schließen]

Um den 10. Oktober 1799

Friedrich Schlegel berichtet Schleiermacher von ersten Reaktionen auf die „Reden“ „Über die Religion“ im Bekannten- und Freundeskreis (Goethe, Novalis, Schelling). Aufgrund der eher zurückhaltenden Reaktionen bei den „eigentlichen Philosophen“ rät Schlegel ihm, „das über Spinosa oder auch das über die Gränzen der Philosophie recht bald zu schreiben“.Vgl. Brief 710; bes. Zeilen 72–76; in der Historischen Einführung zu KGA I/3, S. XVI, wird die zitierte Stelle mit den „Monologen“ in Verbindung gebracht [Schließen]

Zitierhinweis

Chronologie - 1799, erarbeitet von Andreas Arndt, Wolfgang Virmond und Johann Gartlinger (Elektronische Erfassung). In: schleiermacher digital / Chronologie, hg. v. den Schleiermacher-Forschungsprojekten. Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften, Berlin. URL: https://schleiermacher-digital.de/S9939860 (Stand: 26.7.2022)

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Chronologie

Die Chronologie erschließt und kommentiert das Leben und Werk Schleiermachers und ist derzeit für die Jahre 1768 bis 1814 verfügbar. Neben den nach Datum sortierten Chronologien einzelner Jahre können kurze Jahresüberblicke über die obere Menüleiste aufgerufen werden. Die Jahrgänge 1768–1795 und 1796–1807 sind als zusammenhängende Überblicke gegeben, ab dem Jahr 1808 bis zum Jahr 1811 existiert für jedes Jahr ein separater Jahresüberblick.


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