März 1797

Bericht an den Onkel Stubenrauch über die Arbeit an der Übersetzung von Fawcetts Predigten und an einem Band philosophischer Abhandlung.Vgl. Brief *377 [Schließen]

Wohl Anfang Mai 1797

Umzug Schleiermachers von der Charité in das Haus des Predigers Schleemüller vor dem Oranienburger Tor. Vgl. Brief 388, 159–164; der genaue Termin des Umzugs konnte ebensowenig ermittelt werden wie die genaue Adresse. Der Umzug wurde erforderlich, weil im Zuge langandauernder Um- und Erweiterungsbauten (seit 1785) die Dienstwohnungen der Prediger in der Charité vorübergehend (bis 1800) nicht verfügbar waren. Die Charité-Adminstration mietete deshalb Wohnungen für Schleiermacher und seinen lutherischen Kollegen Prahmer an. Hierzu hat sich ein auf den 1.7.1797 datierter Mietvertrag erhalten, der durch die genaue Beschreibung ein anschauliches Bild von Schleiermachers Wohnverhältnissen vermittelt (Archiv der Humboldt-Universität Berlin, Charité Nr. 274, Bl. 165). Darin heißt es nach den einleitenden Bemerkungen: „Es vermiethet nehmlich: §.1. gedachter Herr Prediger Schlemüller in seinem vor dem Oranienburger Τhöre belegenen Hause, denen zeitigen Herrn Predigern der Königlichen Charité, Prahmer und Schleiermacher, während der Zeit des Charité Baues, die Wohnung der ganzen Untern Etage, um, und für eine jährliche Miethe ad Achtzig Kthr, welche quartaliter aus der Königlichen Charité-HaußCasse prompt bezahlet wird: und zwar dergestalt, daß der Herr Prediger Prahmer linker Hand eine Stube und eine Kammer; nach der Strasse hinten hingegen eine Kammer und eine Küche erhalten. Desgleichen erhält der Herr Prediger Schleiermacher in der Untern Etage rechter Hand, eine Stube und eine Kammer nach der Strasse, und eine Stube und Küche nach der Hof-Seite, wie nicht weniger beide Herren Bewohner einen gemeinschaftlichen Keller zum Holz-Gelaß. Da indeß qu. beiden Logis weder vorn noch hinten mit Fensterladen versehen sind, imgleichen der Holz Keller annoch offen, und nur mit Brettern zugesetzet ist, so machet sich §.2. der Herr Vermiether verbindlich, nicht nur sofort, für die Anfertigung sämtlicher FensterLaden, welche demnächst gehörig mit Oehlfarbe angestrichen seyn müssen, zu sorgen, sondern Er verspricht auch zugleich, daß denen Herren Bewohnern das KellerGelaß, welches bisher der Hauptmann von [Oppen] in Besitz gehabt, sofort eingeräumet, dasselbe auch mit guten tüchtigen FensterLaden und Riegeln versehen werden solle, um für einen entstehen könnenden Einbruch gesichert zu sein. Zugleich machet sich §.3. Herr Vermiether hiermit verbindlich, die Schornsteine auf Seine Kosten gehörig reinigen zu lassen; wogegen 4. die zeitigen Herrn Bewohner hiemit versichern, auf Feuer und Licht genaue Aufsicht zu haben, damit durch ihre eigene, oder ihrer Domestiken Vernachlässigung kein Schade entstehen möge, und versprechen dieselben, dafür ausdrüklich zu haften.“ [Schließen]

19. Juni 1797

Antritt einer vierzehntägigen Reise nach Landsberg an der Warthe, wo Schleiermacher bei der Familie Benike wohnt.Vgl. Brief 395 sowie die Beschreibung der Reise in Brief 399,101ff [Schließen]

August 1797

Erste Begegnung mit Friedrich Schlegel in der „Mittwochsgesellschaft“; C. G. von Brinckmann bringt ihn mit Schleiermacher näher zusammen;Vgl. Schleiermachers Bericht an die Schwester in Brief 402, 279 ff sowie die erste Erwähnung Schleiermachers durch Friedrich Schlegel in einem Brief an Friedrich Immanuel Niethammer vom 26.8.1797 in F. Schlegel: Werke, Bd 24, S. 1 [Schließen] Schleiermacher berichtet der Schwester von seinen naturwissenschaftlichen Studien und besonders von seiner Beschäftigung mit der Chemie.Vgl. Brief 402, 165ff [Schließen]

Ende August 1797

Ausflug mit Familie Schede nach Stralau. Vgl. Brief 402, 165, Zeile 3–46 [Schließen]

Herbst 1797

Beginn von Studien mit Friedrich Schlegel, die bis in den Sommer 1798 fortgeführt werden; die ursprünglich für eine Leibniz-Kritik gedachten Notizhefte werden schließlich für die Athenaeumsfragmente ausgewertet; die Notizhefte sind erhalten.Vgl. KGA 1/2, S. 75–103 und die Einleitung von G. Meckenstock S. XXV–XXVII [Schließen]

27. September 1797

Carl Schleiermacher verläßt Berlin, um in Arnsberg in Westfalen eine Stelle als Apotheker anzutreten.Vgl. Brief 402, 165, Zeile 134ff [Schließen]

Oktober 1797

Schleiermacher hält in der „Mittwochsgesellschaft“ einen Vortrag über die „Immoralität der Moral“; eine „Skizze“ zu diesem Thema, die sich nicht erhalten hat, ist durch Friedrich Schlegel bezeugt. F. Schlegel an C. G. von Brinckmann, Oktober 1797: „Schleyermacher hat den Mittwoch durch eine göttliche, ja was mehr ist philosophische, und was noch mehr ist cynische Vorlesung über die lmmoralität der Moral geadelt." (F. Schlegel: Werke, Bd. 24, S. 28). Am 31.10.1797 heißt es in einem Brief an A. W. Schlegel: „Mein Freund Schleyermacher, der mich neulich durch eine wirklich große Skizze über die lmmoralität aller Moral überrascht, hat einige kritische Sachen vor, die glaube ich meisterhaft ausfallen dürften, aber viel zu sehr für Fichte's Journal. Er nimmt überhaupt enthusiastischen Antheil an meinem Projekt" (ebd., S. 31) [Schließen] Schleiermacher nimmt Anteil an den Planungen für die Zeitschrift der Gebrüder Schlegel, das „Athenaeum“; als Namen schlägt er „Herkules“ bzw. „Parzen“ vor, findet damit jedoch nicht die Zustimmung A.W. Schlegels.In dem zitierten Brief Friedrichs an A. W. Schlegel heißt es: „Der Titel ist Eure Sache. Ich und Schleyermacher sind für Herkules. Man könnte da leicht so die Idee von Herkules Musagetes herziehn, da so viel der jetzigen Musageten, von den herkulischen Arbeiten, die doch auch in der Poesie und in der Kritik vorfallen, gar keinen Begriff haben. – Ich hatte erst Freya im Sinne, nicht ohne Zweydeutigkeit. Dagegen ist aber Schleyermacher. Denkt ja darauf. Die neueste Spötterey über den Herkules thut nichts. Dafür ist die Keule" (F. Schlegel: Werke, Bd 24, S. 32). Am 28.11.1797 schreibt Friedrich Schlegel seinem Bruder: „Nun zur Hauptsache, vom – von der noch ungetauften großen Tagesangelegenheit. Unter all Euren Titelvorschlägen scheint mir keiner recht acceptabel. Gegen Dioskuren hätte ich weiter nichts – Aber? – wie verschieden doch die Gefühlsarten sind. Mir scheint Herkules ordentlich kindlich bescheiden gegen Dioskuren [...] Mythologische Nahmen scheinen mir für ein Journal, dessen Inhalt oder Stoff gar nicht bestimmt seyn soll [...] das zweckmäßigste. Schleyermacher meynte Parzen, weil doch wohl mancher litterarische Lebensfaden darin würde abgeschnitten werden. Ich dächte dieser Einfalt verdiente Eure ernsthafte Ueberlegung" (ebd., S. 43) [Schließen]

November 1797

Schleiermacher berichtet seinem Onkel Stubenrauch über die Drucklegung seiner Übersetzung der Fawcettschen Predigten; aus Stubenrauchs Antwort geht hervor, dass diese Übersetzung zu Schwierigkeiten bei der Zensur geführt hatte, denen durch das Eingreifen des Oberhofpredigers F.S.G. Sack begegnet werden sollte. Sack verfasste eine auf den 28.10.1797 datierte Vorrede zu der ersten Predigt („Unsittlichkeit, eine Folge des Unverstandes“), die – ohne Nennung des Übersetzers – mit der Jahresangabe 1798 separat bei Mylius in Berlin erschien.Vgl. Brief 426, 15ff [Schließen] – Schleiermacher arbeitet an einer Rezension von Kants „Metaphysik der Sitten“ (1797); ein – nicht erhaltenes – Manuskript der Rezension wird von Friedrich Schlegel erwähnt.In dem Brief an A. W. Schlegel vom 28.11.1797 (F. Schlegel: Werke, Bd 24, S. 45) heißt es: „Was ich von ihm außer den Beyträgen zu meinen Annalen der Philosophie vor der Hand erwarte, ist bloß eine Recension von Kants Metaphysik der Sitten. Sie wird gewiß an Gründlichkeit und Strenge ihres Gleichen suchen, und gewiß eine ungemeine Popularität haben, d. h. großen und allgemeinen Effekt. Daher wünschte ich sehr, daß ich sie noch zeitig genung erhielte zu den beyden ersten Stücken, da sie allerdings zu dem eclat, mit dem wir auftreten müssen, auch das ihrige beyträgen könnte. Da ich sehr viel mit ihm darüber gesprochen und auch ein bedeutendes Stück, was dazu gehört, geschrieben gesehn habe; so wirst Du meinem Urtheil wohl etwas trauen dürfen." [Schließen]

21. November 1797

Schleiermacher begeht seinen 29. Geburtstag im Kreis seiner Berliner Freunde, wobei der Beschluss gefasst wird, dass Friedrich Schlegel zu ihm ziehen soll.Vgl. Brief 424, 13ff [Schließen]

21. Dezember 1797

Friedrich Schlegel zieht in Schleiermachers Wohnung.Vgl. Brief 424, 152f [Schließen]

Zitierhinweis

Chronologie - 1797, erarbeitet von Andreas Arndt, Wolfgang Virmond und Johann Gartlinger (Elektronische Erfassung). In: schleiermacher digital / Chronologie, hg. v. den Schleiermacher-Forschungsprojekten. Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften, Berlin. URL: https://schleiermacher-digital.de/S9939858 (Stand: 26.7.2022)

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Chronologie

Die Chronologie erschließt und kommentiert das Leben und Werk Schleiermachers und ist derzeit für die Jahre 1768 bis 1814 verfügbar. Neben den nach Datum sortierten Chronologien einzelner Jahre können kurze Jahresüberblicke über die obere Menüleiste aufgerufen werden. Die Jahrgänge 1768–1795 und 1796–1807 sind als zusammenhängende Überblicke gegeben, ab dem Jahr 1808 bis zum Jahr 1811 existiert für jedes Jahr ein separater Jahresüberblick.


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