Oktober 1777

Geburt der Schwester Caroline Marie.

25. Oktober 1782

Ablehnung des Antrags, Schleiermacher in das Nieskyer Pädagogium aufzunehmen.

22. Oktober 1790

Ankunft in Schobitten nach Zwischenaufenthalten in Drossen und Landsberg; durch Krankheit wird Schleiermacher an der Weiterreise nach Königsberg gehindert.

Oktober 1796

Schleiermacher meldet seinem Onkel Stubenrauch eine Veränderung seiner Frisur;Vgl. Brief 345, 59f und Brief 346, 66f [Schließen] die „Berlinische Monatsschrift“ stellt zum Ende des Monats ihr Erscheinen ein, wodurch Schleiermacher sich offenbar einer Publikationsmöglichkeit beraubt sieht.Vgl. Brief 346, 68–75; G. Meckenstock bezieht diese Äußerung auf die geplante Abhandlung Schleiermachers zur Vertragslehre; vgl. dazu KGA 1/2, S. XXIII [Schließen]

Oktober 1797

Schleiermacher hält in der „Mittwochsgesellschaft“ einen Vortrag über die „Immoralität der Moral“; eine „Skizze“ zu diesem Thema, die sich nicht erhalten hat, ist durch Friedrich Schlegel bezeugt. F. Schlegel an C. G. von Brinckmann, Oktober 1797: „Schleyermacher hat den Mittwoch durch eine göttliche, ja was mehr ist philosophische, und was noch mehr ist cynische Vorlesung über die lmmoralität der Moral geadelt." (F. Schlegel: Werke, Bd. 24, S. 28). Am 31.10.1797 heißt es in einem Brief an A. W. Schlegel: „Mein Freund Schleyermacher, der mich neulich durch eine wirklich große Skizze über die lmmoralität aller Moral überrascht, hat einige kritische Sachen vor, die glaube ich meisterhaft ausfallen dürften, aber viel zu sehr für Fichte's Journal. Er nimmt überhaupt enthusiastischen Antheil an meinem Projekt" (ebd., S. 31) [Schließen] Schleiermacher nimmt Anteil an den Planungen für die Zeitschrift der Gebrüder Schlegel, das „Athenaeum“; als Namen schlägt er „Herkules“ bzw. „Parzen“ vor, findet damit jedoch nicht die Zustimmung A.W. Schlegels.In dem zitierten Brief Friedrichs an A. W. Schlegel heißt es: „Der Titel ist Eure Sache. Ich und Schleyermacher sind für Herkules. Man könnte da leicht so die Idee von Herkules Musagetes herziehn, da so viel der jetzigen Musageten, von den herkulischen Arbeiten, die doch auch in der Poesie und in der Kritik vorfallen, gar keinen Begriff haben. – Ich hatte erst Freya im Sinne, nicht ohne Zweydeutigkeit. Dagegen ist aber Schleyermacher. Denkt ja darauf. Die neueste Spötterey über den Herkules thut nichts. Dafür ist die Keule" (F. Schlegel: Werke, Bd 24, S. 32). Am 28.11.1797 schreibt Friedrich Schlegel seinem Bruder: „Nun zur Hauptsache, vom – von der noch ungetauften großen Tagesangelegenheit. Unter all Euren Titelvorschlägen scheint mir keiner recht acceptabel. Gegen Dioskuren hätte ich weiter nichts – Aber? – wie verschieden doch die Gefühlsarten sind. Mir scheint Herkules ordentlich kindlich bescheiden gegen Dioskuren [...] Mythologische Nahmen scheinen mir für ein Journal, dessen Inhalt oder Stoff gar nicht bestimmt seyn soll [...] das zweckmäßigste. Schleyermacher meynte Parzen, weil doch wohl mancher litterarische Lebensfaden darin würde abgeschnitten werden. Ich dächte dieser Einfalt verdiente Eure ernsthafte Ueberlegung" (ebd., S. 43) [Schließen]

Anfang Oktober 1799

Dorothea Veit siedelt von Berlin nach Jena über, wo sie am 6.10. eintrifft.Vgl. die Anmerkung zu Brief 710, 43 [Schließen] – Mit ihrem Weggang kommt Schleiermachers regelmäßiger Umgang mit J.G. Fichte zum Erliegen.Vgl. Brief *705 [Schließen]

Um den 10. Oktober 1799

Friedrich Schlegel berichtet Schleiermacher von ersten Reaktionen auf die „Reden“ „Über die Religion“ im Bekannten- und Freundeskreis (Goethe, Novalis, Schelling). Aufgrund der eher zurückhaltenden Reaktionen bei den „eigentlichen Philosophen“ rät Schlegel ihm, „das über Spinosa oder auch das über die Gränzen der Philosophie recht bald zu schreiben“.Vgl. Brief 710; bes. Zeilen 72–76; in der Historischen Einführung zu KGA I/3, S. XVI, wird die zitierte Stelle mit den „Monologen“ in Verbindung gebracht [Schließen]

05. Oktober 1800

A. W. Schlegel berichtet, dass sich Schelling vom Projekt der Jahrbücher zurückgezogen habe. Um die damit entstände Lücke bei den philosophischen Rezensionen zu schließen, fragt er an, ob Schleiermacher entsprechende Arbeiten – u. a. über Kants Logik und Schellings „System des transzendentalen Idealismus“ – übernehmen wolle.Vgl. Brief 962 [Schließen]

10. Oktober 1800

Schleiermacher bezieht die Predigerwohnung in der Charité.Vgl. Brief 963; über Schwierigkeiten, die den Umzug verzögert hatten, berichtet Schleiermacher der Schwester in Brief 997, 153–162 [Schließen]

Mitte Oktober 1800

Der Verleger G. A. Reimer äußert den Wunsch, die geplante Sammlung von Schleiermachers Predigten noch vor Anfang Dezember in den Druck geben zu können.Vgl. Brief 997, 165–174 [Schließen] Da Schleiermacher, der den Kanzelvortrag im wesentlichen frei hielt, hierfür nur auf seine stichwortartigen Predigtentwürfe und nicht auf ausformulierte Texte zurückgreifen konnte,Vgl. Schleiermacher: Predigtentwürfe [Schließen] war er bis Mitte Dezember zusätzlich mit der Ausarbeitung der Predigten beschäftigt.

14. Oktober 1800

In seiner Antwort auf A. W. Schlegels Brief vom 5.10. äußert Schleiermacher sein Befremden über Schellings Verhalten und schlägt – falls der in Aussicht genommene Verleger Cotta wegen seiner Bindungen an Schelling von dem Projekt der Jahrbücher zurücktritt – Verhandlungen mit dem nicht namentlich genannten Georg Andreas Reimer vor. Von den vorgeschlagenen Rezensionen stimmt er derjenigen des „Systems des transzendentalen Idealismus“ zu und bietet darüberhinaus eine Besprechung von Fichtes Schrift „Der geschlossene Handelsstaat“ an. Zugleich bittet er darum, eine Selbstanzeige der „Monologen“ veröffentlichen zu können.Vgl. Brief 964 [Schließen]

Seit Mitte Oktober 1800

Fortgesetzte Kränklichkeit Schleiermachers.Vgl. Brief 997, 176–197 [Schließen]

20. Oktober 1800

Schleiermacher bittet F. Schlegel, statt seiner die Rezension von Schellings „System des transzendentalen Idealismus“ für die geplanten „Kritischen Jahrbücher“ zu übernehmen; er selbst wolle dafür neben Fichtes „Handelsstaat“ auch Bardilis „Grundriß der ersten Logik“ und evtl. Kants „Logik“ besprechen.Vgl. Brief 968, 46–77 [Schließen] – Er berichtet, dass er den Umgang mit Fichte auf das rein Geschäftliche beschränkt habe.Brief 968, 100–105 [Schließen]

26. Oktober 1800

Predigt über Mt. 6, 34.Schleiermacher: Predigten, Berlin 1801, S. 191–213 [Schließen]

27. Oktober 1800

A. W. Schlegel lehnt Schleiermachers Vorschlag ab, Reimer für den Verlag der „Kritischen Jahrbücher“ zu gewinnen und deutet für den Fall, dass Cotta ablehnt, seinen Rückzug von dem Unternehmen an.Vgl. Brief 970 [Schließen]

30. Oktober 1800

Schleiermacher berichtet dem Verleger Spener, dass er von der geplanten Siedlungsgeschichte Neuhollands ein Manuskript im Umfang von etwa 17 Druckbogen fertiggestellt habe; für den Fall, dass der Stoff auf zwei Bände aufgeteilt werden könnte, verspricht er die Ablieferung des ganzen Manuskripts noch vor Jahresende. Die andernfalls notwendigen Kürzungen würden ihn jedoch zeitlich in Verlegenheit setzen. Aufgrund der (nicht überlieferten) Reaktion Speners auf diesen Brief scheint Schleiermacher die Arbeit an dem Projekt zurückgestellt und schließlich ganz abgebrochen zu haben.Vgl. Brief 971 [Schließen]

31. Oktober 1800

Dorothea Veit teilt mit, dass Cotta sich von dem Verlag der „Kritischen Jahrbücher“ zurückzuziehen scheine und der Jenaer Freundeskreis das Projekt nicht weiter verfolgen wolle.Brief 972, 52–64 [Schließen]

Vor Mitte Oktober 1801

Schleiermachers Freund Georg Wilhelm Bartholdi aus Stettin ist in Berlin.Vgl. Brief 1120, 130f [Schließen]

Wohl Oktober/November 1801

Schleiermacher lernt bei Henriette Herz den Grafen Hugo Franz Salm-Reifferscheidt kennen, der ihm mit großer Sympathie begegnet.Am 8. November 1801 berichtet Henriette Herz an Ehrenfried von Willich: „Ich glaube wieder einen Menschen gefunden haben, Ehrenfried, ein Graf Salm [...] er liebt Schleier sehr und sieht ihn ziemlich oft bei mir.“ (Schleiermacher und seine Lieben, S. 20) – Unter dem 9. Dezember heißt es dazu weiter: „Trennen Sie mir den Salm nicht so von dem Schleier, wenn sie auch mich schon vom Schlegel trennen; den ersten erkennt Schleier wie ich und liebt ihn“ (S. 22). Der Umgang wurde durch Schleiermachers Berufung nach Stolp unterbrochen; auch der Kontakt des Grafen Salm zu Henriette Herz verlor sich bald. [Schließen] Johann Bernhard Vermehren besucht Berlin und trifft mit Schleiermacher zusammen.Der „baldige“ Besuch war von Dorothea Veit am 21. September angekündigt worden; in seinem, um die Zeit der Ankunft Schlegels in Berlin geschriebenen Brief 1131 blickt Vermehren auf seinen Besuch zurück. [Schließen]

07. Oktober 1801

Schleiermacher schickt der Weidmannschen Buchhandlung in Leipzig den ersten Teil des Manuskriptes seiner Übersetzung für den fünften Band von Hugh Blairs „Predigten“.Vgl. Brief 1120 [Schließen]

10. Oktober 1801

Schleiermacher schickt F. H. C. Schwarz seine Rezension von Campes Schrift „Historisches Bilderbüchlein“ für die „Allgemeine Bibliothek der neuesten theologischen und pädagogischen Literatur“ sowie einen „Vortrag“ (d. h. eine Predigt) für das „Praktische Journal für Prediger und Predigergeschichte“; gleichzeitig stellt er eine Rezension von Tellers „Zeichen der Zeit“ sowie Beiträge für das „Magazin für Wochen- und Leichenpredigten“ in Aussicht.Vgl. Brief 1114, 7–20; der Beitrag für das „Praktische Journal“ konnte bisher noch nicht nachgewiesen werden, da die Zeitschrift nur fragmentarisch überliefert ist. In Brief 1139, 10f dankt F. H. C. Schwarz Schleiermacher für diesen Beitrag im Namen des Herausgebers Justus Balthasar Müller und teilt mit, dass er „vermuthlich jetzt abgedruckt“ werde. [Schließen] Er kündigt für den Herbst des kommenden Jahres das Erscheinen seiner „Grundlinien einer Kritik der Moral“ an, für die er im Winter erneut die „wichtigsten Schätze der praktischen Philosophie von Platon bis auf Fichte“ studieren wolle; auf diese Kritik solle dann „bald eine neue Darstellung der Moral“ folgen.Brief 1114, 86–95 [Schließen]

20. Oktober 1801

In der Erlanger „Litteratur-Zeitung" erscheint Schleiermachers anonym publizierte Rezension der „Vermischten Schriften“ von Lichtenberg.Nr. 206, Sp. 1642–1648; KGA I/3, S. 415–429 [Schließen]

26. Oktober 1801

Friedrich Schlegel schickt, wie von Schleiermacher verlangt,Brief 1097, 50–52 (an A. W. Schlegel) [Schließen] die Manuskripte der Übersetzung des „Phaidros“ und „Protagoras“ nebst Anmerkungen und Einleitung nach Berlin zurück.Vgl. Brief 1115 [Schließen] Zugleich beklagt er, dass Schleiermacher seinen Versuch einer Anordnung der Platonischen DialogeVgl. Brief 993, 74–239 (KGA V/4) [Schließen] mit „Kälte“ behandelt und sich gegenüber A. W. Schlegel über seine Behandlung der Platon-Übersetzung beschwert habe. Er wünscht, nach Berlin zu kommen und „einige Wochen wieder auf die alte Weise“ mit Schleiermacher zu leben.Vgl. Brief 1115, 51–68 [Schließen]

01. Oktober 1802

Schleiermacher wird aufgetragen, künftig auch die Filialgemeinde Tuchel zu bereisen und dort Gottesdienst zu halten.Vgl. Brief 1353 [Schließen]

03. Oktober 1802

Predigt über Psalm 104, 13.SN 54, Bl. 46f. [Schließen]

06. Oktober 1802

Schleiermacher kündigt seinem Freund F. C. G. Duisburg in Danzig seinen Besuch auf der Reise nach Königsberg an. Er bittet ihn, mit dem Verleger Ferdinand Troschel über die Veröffentlichung eines Manuskripts zu sprechen.Vgl. Brief *1354; es ist unklar, welches Manuskript Schleiermacher Troschel anbieten wollte. Vielleicht handelt es sich um die Erstfassung der „unvorgreiflichen Gutachten“; vgl. Brief 1545, 15–19 (KGA V/7). [Schließen]

08. Oktober 1802

Reimer bittet um Übersendung von Manuskript für die „Kritik der Moral“, damit der Satz noch vor Neujahr beginnen könne.Vgl. Brief 1356, 124–128 [Schließen]

10. Oktober 1802

Predigt über Matthäus 7, 15–18.SN 54, Bl. 48 [Schließen]

11. Oktober 1802

Predigt in Stemnitz über Psalm 19, 13.SN 54, Bl. 50 [Schließen]

16. Oktober 1802

Predigt über Markus 13, 33–37.SN 54, Bl. 51 [Schließen]

17. Oktober 1802

Predigt über Matthäus 5, 20.SN 54, Bl. 52 [Schließen]

18. Oktober 1802 bis 13. November 1802

Reise nach Königsberg.Vgl. Brief 1358, 80f und 1382, 1–7; einen detaillierten Überblick über die Stationen seiner Reise gibt Schleiermacher auch in Brief 1408, 11–87 [Schließen] In Danzig trifft Schleiermacher seinen Studienfreund Duisburg und auch Alexander Dohna. In Königsberg wohnt er bei dem frisch vermählten Grafen Wilhelm zu Dohna. Schleiermacher predigt dort zweimal, besucht die Familie des Grafen zu Dohna in Schlobitten.Vgl. Brief 1382, 15–19 [Schließen] Er trifft u.a. mit Wedekes Freund Brahl und mit J.C. Kraus zusammen. Anschließend hält er sich vier Tage bei Familie Wedeke in Hermsdorf auf.Vgl. Brief 1373, 3 [Schließen] Bereits während der Reise geht in Berlin das Gerücht um, Schleiermacher gehe nach Königsberg und die Vocation sei schon ausgefertigt.Vgl. Brief 1375, 11–16 [Schließen]

24. Oktober 1802

Predigt in Königsberg über Psalm 1, 2f.SN 54, Bl. 53f. [Schließen]

31. Oktober 1802

Predigt in Königsberg über Römerbrief 12, 21. Meding: Bibliographie, Nr. 563 [Schließen]

02. Oktober 1803

Predigt über Römerbrief 12,11.SN 52 [Schließen]

08. Oktober 1803

Predigt über Psalm 19,13.SN 52 [Schließen]

10. Oktober 1804

In einem Brief an F. Schlegel aus Berlin wehrt sich Schleiermacher gegen den Vorwurf, er habe dessen Platon-Studien in seiner Übersetzung verwertet.Vgl. Brief 1829 [Schließen]

12. Oktober 1804

Ankunft in Halle um 1 Uhr in der Nacht.Vgl. Brief 1831, 2 [Schließen]

14. Oktober 1804

Der Student Adolph Müller berichtet aus Halle: „Schleiermacher ist hier. Er soll ein ganz vorzüglicher Mensch sein, dessen liebevolles, menschliches Herz ihn einzig lenkt.“ Adolph Müller: Briefe von der Universität, S. 138 [Schließen]

18. Oktober 1804

Schleiermacher berichtet über das Wiedersehen mit Eleonore Grunow in Berlin und darüber, dass er Eleonores Bruder das Verhältnis zu dessen Schwester offenbart habe.Vgl. Brief 1834, 14–17.35–61 [Schließen]

22. Oktober 1804

Schleiermacher berichtet Henriette Herz über den Beginn seiner Kollegien und beklagt, dass zu viele Studenten einen Erlass der Hörergelder wünschten;Vgl. Brief 1837, 2–12 [Schließen] Schleiermacher liest Dogmatik und Enzyklopädie vor jeweils 30 und (philosophische) Ethik vor 20 Zuhörern.Vgl. Arndt und Virmond: Schleiermachers Briefwechsel, S. 300; alle Vorlesungen begannen am 22. Oktober; statt der philosophischen Ethik hatte Schleiermacher zunächst die christliche Sittenlehre angekündigt [Schließen]

03. Oktober 1805

Auf der Rückreise trifft Schleiermacher in Dessau ein.Vgl. Brief 2041, 4–6 [Schließen] Henriette Herz berichtet an Ehrenfried und Henriette von Willich über Eleonore Grunows Fortgehen von ihrem Mann: „Nun, meine Lieben, will ich Euch ein wenig das Detail erzählen von Leonorens Fortgehen und ihrer jezigen Lage. Der treue wackere Jösting betrieb seit einiger Zeit die Sache mit ungemeinem Eifer und drang so lang in Leonore, bis sie ihm fest den Tag bestimmte, an welchem sie das ihr unwerthe Haus verlassen wollte. Sie bestimmte ihm Tag und Stunde, in welcher er sie am Thore erwarten solle. – Er fehlte nicht und führte sie am Dienstag vor 8 Tagen in eine reinliche, freundliche, von ihm vorher gemiethete Wohnung. – Ich eilte zu ihr und fand sie ruhig – doch aber auf einer Weise, wie man es nur ist, wenn man nicht an sich und andere denkt; es war also mehr Betäubung als Ruhe. Sie schrieb sogleich ihrem Bruder, daß sie sich frei gemacht und Grunows Haus verlassen habe – an Grunow selbst legte sie ein Zettelchen bei, in welchem sie ihm mit kurzen Worten sagte, daß sie nie wieder zu ihm kommen würde. Ich blieb mit Jösting bis spät Abends bei ihr. Den andern Morgen kam sie früh zu mir und blieb bis um 5 Uhr Nachmittags bei mir, dann ging sie nach Hause mit klopfendem Herzen einer Unterredung mit ihrem Bruder entgegen, welcher um diese Stunde zu ihr kommen wollte. Die gestrige Ruhe war verschwunden. Sie war bange und geängstigt und bebte den ganzen Tag wie eine Verbrecherin, die vor ihren Richtern erscheinen soll. Mit einem heiteren freien Gesicht kam sie ganz früh am folgenden Morgen zu mir und erzählte mir, wie glücklich jene gefürchtete Unterredung sich für sie geendigt habe. Grunow war den Morgen wie ein Wüthender zum Bruder gelaufen, dieser nahm ihn mit seiner gewöhnlichen Kälte und Ruhe auf, fragte ihn, ob er vernünftig sein wolle oder nicht und im lezten Falle ihn mit seinen Besuchen zu verschonen. Leonore bat er, sogleich ihre einsame Wohnung zu verlassen und mit ihm zu gehen, sie war aber wirklich zu angegriffen dazu, blieb die Nacht also dort, und von mir eilte sie bald fort, um ihre Schwester zu erwarten, die sie abholen wollte. So wohnt sie denn jezt in Ruhe und Friede bei ihrem Bruder, der sich ihrer sehr ernstlich annimmt. Grunow bestürmte ihn, sie und die Schwester mit Briefen, ja, er war sogar einen Morgen, da er Krüger nicht zu Hause wußte, bei ihr und quälte sie mit Gutem und Bösem mehrere Stunden. Dem Versprechen des Bruders gemäß wird die Klage morgen eingereicht werden. Giebt sich Grunow willig, so kann die Sache in 8 Tagen geendet sein, wenn nicht, so dauert sie freilich länger, und er sezt sich dem Scandal aus, daß bekandt werde, was Leonore verbergen will – daß er sie um all das Ihre brachte, und daß er sie nicht ernähren konnte. Jezt ist fast alles gethan; was bleibt, ergiebt sich von selbst. Ihr ein Trost erschien plötzlich Schleier auf einige Tage, der so wohl und heiter ist, wie ich ihn noch nie gekandt habe. Ihr werdet es begreifen und fühlen, wie glücklich Leonore und Schleier waren, wenn sie sich sahen, was binnen den 4 Tagen, die Schleier hier war, fast täglich geschah. Wie verklärt waren beide. Wahrscheinlich wird er in den Osterferien sie holen - es sind dann schon Monate drüber hingegangen und die Menschen haben aufgehört zu reden. Die schöne Feier auf Stubbenkammer werden wir also wohl nicht haben, aber die Menschen doch, denn sie kommen gewiß nach Rügen. Im Hafen wäre unser geliebter Freund nun bald, und dann sehe ich ihn so glücklich wie euch, meine theuere Geschwister. Ob aber ihm und Leonore noch das Glück werden wird, was euch jezt bevorsteht – oder was Ihr wohl gar schon genießt, das steht dahin.“Henriette Herz: Schleiermacher und seine Lieben, S. 96–98 [Schließen]

07. Oktober 1805

Schleiermacher bittet den Kaufmann und Reeder C.B. Hering in Stolp um einen Kredit für seinen Bruder Karl, der sich selbständig machen möchte.Vgl. Brief *2044 [Schließen]

18. Oktober 1805

Schleiermacher erfährt, dass Eleonore Grunow kurz vor dem Scheidungstermin zu ihrem Mann zurückgekehrt sei und jeden Kontakt mit Schleiermacher abbrechen wolle.Vgl. Brief *2053; siehe auch Brief 2072, 137–158 [Schließen]

20. Oktober 1805

Schleiermacher beginnt die Vorlesungen des Wintersemesters.Vgl. Arndt und Virmond: Schleiermachers Briefwechsel, S. 301 [Schließen]

25. Oktober 1805

Schleiermacher plant für 1806 eine zweite Predigtsammlung und einen Abriß der theologischen Enzyklopädie; für 1807 stellt er eine Dogmatik in Aussicht.Vgl. Brief 2061, 16–19 [Schließen]

01. Oktober 1806

Preußisches Ultimatum an Napoleon

Um den 4. Oktober 1806

Rückkehr von Potsdam.Vgl. Brief 2347, 18f. [Schließen]

14. Oktober 1806

Schlacht bei Jena und Auerstedt, Niederlage der preußischen Armee.

17. Oktober 1806

Eroberung Halles durch französische Truppen;Vgl. dazu den Bericht in Steffens: Was ich erlebte, Bd. 5, S. 190–200. In KGA V/9, S. XXIV f. finden sich dazu weitere Ausführungen. [Schließen] Schleiermacher zieht mit seiner Halbschwester zu Steffens, um den Haushalt gemeinsam günstiger führen zu können.Vgl. Briefe 2356, 45–53 und 2323, 45–55. − Vgl. auch Steffens: Was ich erlebte, Bd. 5, S. 216–218: „Schleiermachers wie meine Lage war nun freilich bedenklich genug. Unser Gehalt war mit dem ersten November fällig, und das von vergangenen Monaten völlig aufgezehrt. Die Vorlesungen aber, die eben anfangen sollten, hatten ein bedeutendes Honorar schon jetzt in unsere Hände gebracht. Ich hatte in meinem Besitz über 80 Louisd’or. Daß ich, nach meiner Gesinnung, und da ich die Auszahlung des Gehalts erwartete, an keine Geldverlegenheit dachte, ist begreiflich. Nun aber meldeten sich alle meine Zuhörer und ich mußte mich glücklich schätzen, daß ich die Summe nicht angerührt hatte, und einen Jeden zufrieden stellen konnte. Ich behielt etwa 10 Rthlr. übrig, und Schleiermacher auch nicht mehr. Durch Freunde aus der Ferne irgend Etwas zu erhalten, war vors Erste unmöglich. Die französischen Heere hatten sich gegen Osten und Norden immer weiter verbreitet, der Krieg schnitt uns von Verwandten und Freunden völlig ab. Wir entschlossen uns nun, die kleine Summe, über die wir zu gebieten hatten, vereint zu benutzen, und eine gemeinschaftliche Wirthschaft zu führen. Schleiermacher bezog meine kleine beschränkte Wohnung. Meine Frau mit ihrem Kinde und Schleiermachers Schwester bewohnten eine kleine enge Kammer, die an eine größere Stube grenzte; ebenso schlief ich mit meinem Freunde in einer ähnlichen Kammer, und ein Jeder verfolgte seine Studien und Arbeiten in einer gemeinschaftlichen Stube. In einer Ecke meines Studirzimmers hat Schleiermacher seine Schrift über den ersten Brief Pauli an Timotheus ausgearbeitet. Wir lebten in der größten Dürftigkeit, sahen wenige Menschen, verließen fast nie das Haus, und als das Geld ausging, verkaufte ich mein Silberzeug. Obgleich wir nun so höchst kümmerlich lebten, so war unsere Stimmung keineswegs niedergedrückt. Es war die feste Ueberzeugung, daß von jetzt an das Schicksal des Landes in der unveränderlichen und festgehaltenen Gesinnung eines jeden Bürgers liege, die uns erhob und stärkte, und wir konnten trotz unserer Armuth, wie gewöhnlich, die Freunde und Jünglinge, die den Muth hatten, die Stadt nicht zu verlassen, den Abend an unserem Theetisch versammeln. Wir hatten kurz vorher uns mit Thee und Zucker auf eine lange Zeit versorgt; von Reichardts Verleger in Hamburg lief eine Sendung von Rum ein, die ich in unserm Feldlager für gute Beute erklärte. Hier erschienen: Harscher, Müller, v. Marwitz, v. Varnhagen und Freund Blanc, Prediger bei der französischen Gemeinde in Halle. Letzterer hatte sich eng an Schleiermacher und mich angeschlossen, hatte unsere Vorträge besucht und war sowohl durch Geist, wie durch Gesinnung einer meiner genauesten Freunde geworden.“ [Schließen]

Zitierhinweis

Chronologie zu Leben und Werk Schleiermachers von 1768 bis 1814. In: schleiermacher digital / Chronologie, hg. v. den Schleiermacher-Forschungsprojekten. Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften, Berlin. URL: https://schleiermacher-digital.de/chronologie (Stand: 26.7.2022)

Chronologie

Die Chronologie erschließt und kommentiert das Leben und Werk Schleiermachers und ist derzeit für die Jahre 1768 bis 1814 verfügbar. Neben den nach Datum sortierten Chronologien einzelner Jahre können kurze Jahresüberblicke über die obere Menüleiste aufgerufen werden. Die Jahrgänge 1768–1795 und 1796–1807 sind als zusammenhängende Überblicke gegeben, ab dem Jahr 1808 bis zum Jahr 1811 existiert für jedes Jahr ein separater Jahresüberblick.


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