Hochverehrter Herr!

Hierbey erhalten Sie den Entwurf einer neuen Zeitschrift , der, obwohl kein Geheimniß, doch nicht für’s Publikum bestimmt ist; ich sende ihn nur Männern von welchen ich weiß, daß sie die reine und ernste Absicht heraus lesen können.

Es schien mir jetzt wo Deutschland wieder zu einem Ganzen gebunden werden soll, an der Zeit zu seyn, wohlgesinnten Männern Gelegenheit zu bieten, wo sie darlegen(?) können, daß auch noch nach Innen uns ein Gemeinschaftliches bindet. Preußen und Oesterreicher werden diesem Innern Bande sich nicht entziehen wollen!

Unsere Journäle bieten keine solche Gelegenheit; mit Ausnahme einiger kritischen und wissenschaftlichen fröhnen sie friwoler Neubegierde um gemeines Interesse willen.

Meine Lage ist besser; ich bedarf dieses Unternehmen für den Brot-Erwerb nicht, und werde es fortsetzen auch wenn wirklich Aufopferung erheischt wird; daß ich hier  | 1v Wahrheit schreibe, mögen mir meine Freunde Herr Reimer und Herr Hitzig bezeugen.

Ich habe Freunde durch ganz Deutschland, worunter ich die würdigsten und talentvollsten Männer der Nation rechnen darf; mehrere andere günstige Umstände wären unschiklich hier anzuführen, es läßt mich aber alles hoffen, daß meine guten Absichten, sich einigermassen werden verwirklichen lassen; und wenn ich auch nicht versprechen kann wie würdig das Journal erscheinen wird, so werde ich doch wissen das Gemeine abzuhalten.

Politische (handelnd von den Begebenheiten des Tages und dem Benehmen der zeitigen Gewalten) soll das Journal nicht seyn; der Anstrich davon in beyliegender Anforderung ist nur, um daß die Leute wissen, was sie an einem haben.

Historisch soll es seyn, weil sich die Wahrheit so noch am unbefangensten und reinsten aussprechen läßt. –

Ferner: Bemühend deutsch wissenschaftliche Bildung zu erhalten zu fördern! – was ich damit meine, brauche ich Ihnen nicht zu sagen, was ich davon weiß, weiß ich am besten durch Ihre Schrift über Universitäten . | 2

Besonders aber soll durch das Journal die Zeit benutzt werden, welche das Unglück bereitet hat, so daß die Herzen der Menschen wieder geöffnet sind, für mehr Religion! – der ganze Mensch will wieder leben. –

Gottesfurcht ist uns Bedürfniß geworden. „Die Zeit hat uns alle zu größerer, freyerer Denkungsart gehoben, von den irdischen Banden gelöset, und den apostolischen Sinn gegeben, zu besitzen als besäße man nicht .“

Wer aus wahrer Ueberzeugung, aus frommem Herzen zu sprechen weiß, muß jetzt wirken, denn so nur ist die Versöhnung der Zeit zu erlangen.

In solchen Zeiten kommen aber auch immer Unberufene die durch vermengen, durch Unklarheiten in sich, mit neuen Irrwegen und Unglück bedrohen – wie mir jetzt das Schwanken zwischen Protestestantismus und Katholocismus ein solches scheint. Diesem vorzubeugen durch Philosophie und Historie kenne ich nur drey Männer: Sie, Plank und Marheinike .

Getrost bitte ich Sie, im Nahmen der guten Sache um Ihnen Beystand. | 2v

Die bunte InhaltsReihe müssen Sie Sich nicht stöhren lassen, es sind dies keine stehenden Artikel, sondern nur um zu zeigen, woran allgemeines und national Interesse sich knüpfen lasse.

Bedingung für etwannige Beyträge weiß ich Ihnen nicht zu machen; die Sie mir machen werden mir durchaus die rechten seyn.

Nun müßte ich mich wohl, als ein Ihnen Unbekannter mich wegen meiner Gesinnungen noch auf Jemand berufen; in Berlin kenne ich viele, mich aber kennt wohl am vollständigsten mein alter Freund, Herr Staatsrath Nicolovius . Herr Professor Steffens in Halle kennt mich auch persöhnlich.

Eine Verbindung mit mir, soll Ihnen nie Reue bringen.

Mit wahrer herzlicher Hochachtung

gehorsamst

Fr Perthes

Hamburg 6 Januar 1810

Zitierhinweis

3385: Von Friedrich Christoph Perthes. Hamburg, Sonnabend, 6. 1. 1810. In: schleiermacher digital / Briefe, hg. v. Simon Gerber und Sarah Schmidt. Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften, Berlin. URL: https://schleiermacher-digital.de/v/fsb_0003385 [Druck: KGA V/10, Berlin 2015]