Königsberg, den 23. Mai, 1809.

Sie müssen mir verzeihen, wenn ich Ihren Brief vom 26. vorigen Monats spät und kurz beantworte. Zu beidem zwingt mich meine Lage hier, und der Umfang meiner Geschäfte, zu denen ich hier noch mit weniger Hülfe, als in Berlin versehen bin.

  Mit den Nachrichten über Schmidt bin ich sehr zufrieden. Auf einen so unbestimmten Antrag ließ sich fürs erste nicht mehr erwarten, und die jetzige politische Lage Deutschlands trägt vielleicht auch dazu bei, uns den Mann zu gewinnen. Alles hängt jetzt davon ab, ob und wie man ihn berufen kann!

Daran nun arbeite ich mit Nachdruck. Ich bin, wie Sie wissen, immer, obgleich nur bedingt, weil man Halle verloren hat, für die Berliner Universität. Ich habe auch hier nicht eigentlich Widerstand gefunden. Wo findet man jetzt Widerstand? Aber die Universität fordert Mittel, und ohne das(?) bedeutende und sichre fange ich nichts an, und daran arbeite ich. Darum mußte ich warten, das Terrain erforschen, den Moment wählen. Jetzt ist die Sache in Gang gesetzt, wie ich sicher vertraue, auf eine Weise, die das Gelingen in hohem Grade sichert, allein die Entscheidung ist noch nicht da, ich kann also über den Erfolg nichts sagen, und bitte Sie herzlich, auch das Bisherige als im strengsten Vertrauen eröfnet anzusehen.

Der Gedanke wegen der WittwenCasse scheint mir sehr zweckmäßig, und soll gewiß beherzigt werden.  

Wird dieser Brief Sie noch in Berlin finden? Ich zweifle fast. Empfehlen Sie mich der Herz tausendmal! Mit inniger Freundschaft Ihr

H. | 1v

  Noch, mein Bester, muß ich Sie um eine Sache bitten. Es sind hier zwei theologische Professuren, neu fundirt, zu besetzen, eine ordentliche für die ich Augusti zu berufen denke, und eine außerordentliche mit 600 r. Gehalt. Erzeigen Sie mir die Freundschaft mir, wenn Sie in Berlin sind, mit umgehender Post, sonst baldmöglichst zu sagen, wen Sie dazu vorschlagen möchten. Wir wissen hier keinen, der uns gefiele oder für diese Besoldung käme. Ich empfehle Ihnen dies recht dringend.  Nicolovius und Süvern sind sehr brave Menschen und Ihr Umgang in und außer den Geschäften macht mir sehr viel Freude.

Zitierhinweis

3257: Von Wilhelm von Humboldt. Königsberg, Dienstag, 23.5.1809. In: schleiermacher digital / Briefe, hg. v. Simon Gerber und Sarah Schmidt. Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften, Berlin. URL: https://schleiermacher-digital.de/v/fsb_0003257 [Druck: KGA V/10, Berlin 2015]