Dienstag d 20t. Sept. 8

Quednows Gast geht heute ab, und so wird es wol keine Schwierigkeit haben daß ich Donnerstag oder Freitag auch meine Rükreise antrete. Von denen die am meisten mit dem Manne gewesen sind habe ich noch keinen gesprochen komme auch wol erst Morgen dazu. Christ und Quednow haben Gestern eine lange Ges  über den ursprünglichen Text geschriebenUnterredung in Geschäftssachen mit ihm gehabt aus der Christ sehr vergnügt herausgekommen sein soll. Man schließt daraus der Mann habe versprochen auf der Erfurter Messe unsere Geschäfte mit zu übernehmen. Es sollte mir leid thun wenn ich auch solche Nachrichten mitbrächte wie es mir überhaupt leid thut daß man sich mit dem Mann auf irgend etwas ernsthaftes eingelassen hat. Die wahre Feinheit hätte ohnstreitig darin bestanden es so zu karten daß dort gar nichts für uns geschähe durch ihn, sondern daß er sich nur immer tiefer mit dem lieben Manne eingelassen hätte; denn je mehr und je besser er unsere Geschäfte in Erfurt besorgt, um desto weniger Brodt wird für uns dabei heraus kommen. Käme er dann so zurük so hätte man sehen sollen daß man ihn hier in der Nähe auf eine angenehme Weise so unterhalten hätte daß er an der weitern Rükreise wäre gehindert worden. Dann hätten unterdeß die Freunde über See seinen Kohlgarten an sich | 100v bringen können. Nun fürchte ich leider wir werden eine mittelmäßige Messe machen und am Ende nichts als erbärmliches Unkraut davon haben – Eure  über der Zeile Ahlemanns mit der lezten Gelegenheit angekommenen Briefe sind mit so schlechter Dinte geschrieben daß Friedrich und Neubaur schon mehrere Stunden vergeblich darauf zugebracht haben sie zu enträthseln; heute will ich nun auch noch helfen. Das wenige was davon zum Vorschein gekommen ist hat die Neugierde sehr gespannt aber wie es scheint auf keine recht angenehme Weise. Mir habt ihr mit dieser Gelegenheit wol nichts mehr geschikt weil ihr noch nicht wußtet daß sie mich noch treffen würde. Nun brennt mir aber auch die Stelle unter den Füssen. Daher ich auch, was ich sonst noch schreiben könnte, lieber verspare da ohnedies alles erst seine Geltung bekommt durch das was ich von Christ Katt und Mansfeld über den Gast erfahren werde.

Vielleicht wenn ich auch Freitag selbst reise schreibe ich doch noch Freitag früh ein Paar Zeilen an Nany um ihr meine Ankunft genau zu bestimmen.

Grüße unterdeß alles herzlich.

Die Anweisung hast Du doch richtig erhalten?

Zitierhinweis

2842: An Georg Andreas Reimer. Königsberg, Dienstag, 20. 9. 1808 . In: schleiermacher digital / Briefe, hg. v. Simon Gerber und Sarah Schmidt. Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften, Berlin. URL: https://schleiermacher-digital.de/v/fsb_0002842 [Druck: KGA V/10, Berlin 2015]