Piwik

Rostock den 24sten Oct. 1810.

Ich würde Ihnen heute, lieber Freund, noch nicht wieder schreiben, wenn ich nicht durch Münchow eine besondre Veranlassung dazu erhalten hätte. Daß er mit seiner Lage unzufrieden ist, habe ich Ihnen gesagt, und er hat Gründe genug dazu. Der zum Theil von unangenehmen Arbeiten herrührende saure Erwerb, welchen er sich bisher zu verschaffen gesucht hat, wird dadurch noch geschmählert, daß Bertuch, mit dem er deshalb in Verbindung steht, undelicat genug ist, ihn mit leichtem beschnittnem Golde zu bezahlen.         Nun kann er zwar eine außerordentliche Professur in Jena erhalten, allein ohne Gehalt. Dem würde er nun vorziehen, einstweilen in Berlin als Privatdocent bey der dortigen Universität zu leben. Es fragt sich nur, ob er dazu einer besondern Concession bedarf, und an wen er, wenn dieses der Fall ist, sich  | 38v zu wenden hat. Daß Sie gern zur Erreichung dieses seines bescheidnen Wunsches wirken werden, da Sie ihn für tüchtig halten dürfen, davon bin ich überzeugt. Ob Sie mir gleich Klage führen über Ihr Uebermaß von Geschäfften, so bitte ich Sie doch, mir nächstens ein Viertelstündchen zu einer Antwort zu gönnen.

In einem Ihrer Briefe hatten Sie mir einige Personen in Königsberg genannt, an die ich mich gern anschließen würde, unter andern einen sonst wunderlichen Mann, der mir sehr gefallen würde. Manche Wörter in Ihren Briefen, welche ich für sich nicht würde heraus bringen können, lehrt mich der Zusammenhang lesen. Aber, lieber Schleiermacher, das ist ein Hülfsmittel, welches mich bey Namen von Personen, besonders mir unbekannten Personen, gänzlich verläßt. Ich muß Sie daher bitten, mir bey Gelegenheit den Namen jenes wunderli | 39chen Mannes in deutlichen Zügen zu schreiben. Auch den Namen des Mathematikers in Berlin , der über Münchows Schrift vortheilhaft geurtheilt hat, bin ich nicht im Stande gewesen zu lesen.

Auf meiner Reise nach Königsberg werde ich durch einige Oerter kommen, wo auch Sie geweilt haben. Können Sie mir hier oder da eine freundliche Stunde bereiten, so will ich schön danken. – Sollte mir für meine Sachen wohl Accise- und Zollfreyheit gewährt werden, und an wen hätte ich jetzt, um das zu erreichen, mich wohl zu wenden? – Von meinen Freunden erhalte ich die rührendsten Beweise ihrer Liebe. Wie sehr das auch wohl thut, so vergrößert es doch den Schmerz der Trennung und läßt mich den Augenblick des Abschieds nur desto mehr fürchten.

Bey Gelegenheit der Vermählung unsers Erbprinzen hat unser Huschke ein  | 39v Programm geschrieben, das vielleicht noch nicht zu Ihrer Kenntniß gekommen ist. Es will verlauten, daß wegen der Hiebe, welche S. 9. p ausgetheilt worden sind, und gegen sie sich nächstens eine Stimme öffentlich werde hören lassen. Um so mehr lege ich Ihnen ein Exemplar bey. Ich habe noch einige übrig und kann Ihnen, wenn vielleicht dem einen oder dem andern Ihrer Bekannten damit gedient wäre, noch einige schicken.

Nach Königsberg habe ich noch nicht geschrieben, sondern will erst von der Section meine Bestätigung durch den König abwarten . Je früher ich von dieser benachrichtigt werde, desto lieber soll mirs seyn, da es hohe Zeit ist, daß ich mich um meine Wohnung in Königsberg bekümmre, weshalb ich mich an Vater wenden werde.

Adieu, lieber Schleiermacher, Schreiben Sie mir recht bald und grüßen Sie Nanny, die liebe Frau und die Kinderchen von mir

Konopak.

Zitierhinweis

3528: Von Christian Gottlieb Konopak. Rostock, Mittwoch, 24. 10. 1810. In: schleiermacher digital / Briefe, hg. v. Simon Gerber und Sarah Schmidt. Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften, Berlin. URL: https://schleiermacher-digital.de/ediarum_pzwei/rest/db/projects/schleiermacher/web/briefe/detail.xql?id=S0007357 [Druck: KGA V/10, Berlin 2015]

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