Poseriz d 1t May 09

Hier sind wir lieber Gass aber ganz so schnell als ich gehofft hatte ist es nicht gegangen. Runge hatte uns in Neubrandenburg wirklich Pferde bestellt aber einen sehr faulen Fuhrmann und so kamen wir erst Freitag Abend gegen 6 Uhr nach Greifswalde so daß an kein Ueberfahren mehr zu denken war und auch Sonnabend ging es so langsam an und auf der Glevizer Fähre daß wir erst Nachmittag um drei Uhr hier ankamen. Das Fieber scheint glüklich vorbei zu sein doch bin ich nicht ohne Besorgniß noch eines Rükfalls bei dem kleinen Jungen und das könnte sowol für unsere Reise nach Jasmund als für unsere Rükreise nach Berlin ein fataler Streich werden.  Wie es mir hier geht können Sie leicht denken. Die Herz ist Gestern Mittag hergekommen und bleibt bis Morgen Abend hier und dann sind Jette und Nanny und ich mit ihr ein Paar Tage in Götemiz; weiter weiß ich noch nicht wie sich die Freunde in mich  über den ursprünglichen Text geschriebenuns theilen werden.

Wegen des Hauses bester Gass ist nun meine ganze Hofnung auf Sie gerichtet daß Sie bisweilen darnach sehn werden vorzüglich möchte ich Sie bitten darauf zu | halten daß das Anstreichen der Fenster und Thüren nicht verschoben wird; sie werden doch noch genugsam riechen und abfärben wenn wir zurükkommen. Auch hat Nanny vergessen bei unserm Tischler einen Eßtisch zu bestellen und bittet Sie dieses nachzuholen einen solchen nemlich der sonst gar nicht gesehn wird, vom schlechtesten Holz, an die Wand zu lehnen – ich kann es nicht genauer beschreiben aber Sie werden schon wissen welche Art ich meine und Bedacht nehmen auf unsere tägliche Zahl und darauf daß er für noch ein Paar Personen mehr vergrößert werden kann.  Dann wünscht auch unsere Friedrike die Küche geweißt und den Herd nothdürftig ausgebessert zu haben und Madame Thiele hat versichert, dieses ließe die Kirche nicht machen. Vielleicht könen Sie dazu einen Maurer verschaffen der nicht zu sehr prellt; allein lassen Sie doch an diese Arbeit nicht eher gehen als nothwendig ist damit sie so eben vor unserer Ankunft fertig werde weil ich gern Madame Thiele so lange als möglich im ruhigen Besiz der Küche ließe

Ich habe Nanny noch einmal gefragt aber sie weiß vor der Hand nichts mehr zu bitten als nur daß Sie den Tischler im Allgemeinen treiben möchten, daß alles fertig | werde namentlich die große Anstalt auf dem Boden.

Friederike Schwarz macht Pfingsten Hochzeit und wahrscheinlich Lotte auch; wenigstens wird Hasselbach erwartet dessen Gesundheit sich doch muß gebessert haben [.] Vielleicht sind wir auf dieser Doppelhochzeit schon als junge Eheleute die Zeit wird rasend schnell vergehn – aber doch brennt mich die Sole unter die Füße wenn ich an alles denke was nun vorgeht und wovon ich erst so spät erfahre und so ganz abgeschnitten bin. Jedem Posttag werde ich mit der größten Sehnsucht entgegensehn.

Schreiben Sie mir nur auch hübsch wenn Sie Lust und Zeit haben, und glauben Sie nicht daß in dieser Fülle von Glükseligkeit irgend etwas liebes mir weniger werth wäre als sonst.  Die besten Grüße an Wilhelmine Manon und wer Ihnen sonst vorkomt. Sehen Sie Spilleke so sagen Sie ihm daß ich außer mir wäre mein Pathchen nicht noch vor meiner Abreise gesehn zu haben aber die Confusion war zu groß. – Wenn Sie ins Haus gehn so erinnern Sie doch die Thiele daß meine Einführung auch gehörig abgekanzelt wird.  Adio mein lieber Freund da Sie soviel für mich zu thun haben so bitte ich Sie nicht erst mich in gutem Andenken zu behalten – vor der Hand soll das wol nicht fehlen

Schl.

Zitierhinweis

3230: An Joachim Christian Gaß. Poseritz, Montag, 1.5.1809. In: schleiermacher digital / Briefe, hg. v. Simon Gerber und Sarah Schmidt. Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften, Berlin. URL: https://schleiermacher-digital.de/S0007059 [Druck: KGA V/10, Berlin 2015]

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