Lieber Freund! ich muss wohl eilen dir zu schreiben, wenn der Brief dich treffen soll. Ich habe von Blanc – der in diesen Tagen nach Dresden gereist ist, wo er bis Ende April bleibt, erfahren, dass du bald nach Rügen reist. Wie innig wünschen wir dich alle zu deiner Abreise Glück. Ich darf behaupten, dass die Liebe dir manches in einem hellern Licht zeigen wird, wenn du gleich nicht zu denen gehörst, die den Muth verlieren. Wenn du zurückkommst wird uns beiden Berlin wichtiger sein, als jemals. Denn die Vereinigung einiger Familien, die sich in sich und unter sich lieben bilden doch den heitersten Kreis im Leben – Lieber! wie wir dich alle Glück und Segen wünschen, wie innig wir uns freuen würden, wenn wir dein Glück theilen könnten, dass weiss du wohl –

Ich und Hanne befinden uns sehr wohl, und die Kinder so lustig, selbst Clærchen so schön geworden, dass es uns innerlich ergözt. Dabei leben wir jetzt in Jubel und Freude, weil die Lieben alle bei uns sind, und es fehlt uns in der That nichts als eine Kleinigkeit, nemlich Geld. Ich habe mich aber durchaus nicht darüber grämen können, dass das dumme Verhältniss in Cassel aufgehoben ist. Es war doch ein hohler Boden und höchst unsichre Lage. Auch geht nichts über das liebevolle und enge Anschliessen  | 39v in so trüben Zeiten.

Zwei Schriften – meine geognostische – 20 Bogen stark, und die Idee der Universitäten, werden nun wirklich erscheinen. Ich bitte dich, dass du dich bei Reimers erkundigst, wie viel ich wohl von ihm zur Messe erwarten dürfte, und wie wir überhaupt stehen. Die Idee der Universitäten, wird 10 Bogen in klein octav betragen. Das Manuscript ist fast fertig, und der Druk ist angefangen. Ich bin mit der Ausarbeitung ziemlich zufrieden, und es sollte mir lieb sein, wenn sie dir gefielen – Da Schwetsche zu erfahren wünscht, was, und wieviel ich ihm an Reimers anweisen durfte, so wære es mir lieb ein Paar Zeilen mit der næchsten Post zu erhalten. Überhaupt wünschen wir alle etwas von dir zu erfahren, ehe du wegreisest. Du gehörst so ganz uns zu, und bist so innig unserm schönen Kreise einverleibt, dass wir nicht leicht zusammen [sind], ohne deiner zu erwæhnen, und dich in unsere Mitte zu wünschen – Ich habe vielleicht niemals so anhaltend gearbeitet, wie in dieser Zeit. Meine Bücher dictire ich, was meiner redenden Natur mehr anspricht, und  | 40 die Abende bekommen mir, nach einer in Anstrengung zugebrachten Tage sehr wohl. Dabei wächst Muth, Zuversicht und Hofnung, und der Frühling erweckt die schönsten Aussichten für alles, was wir wünschen. Glaube nicht die unwichtigen Zeilen, die in einer trüben Stunde hingeschrieben wurden. Zwar das Benehmen einiger, hatte mich wirklich empört – Aber war das nicht zu erwarten? und soll, was das Gute bewirken will, nicht über jede Schlechtigkeit erhaben sein.

Deine Rede habe ich erhalten, und wir haben sie mit vieler Freude gelesen. Es war mir sehr lieb über einen Gegenstand, den man immer, man kann es wohl sagen, umgieng – wenigstens nie den wahren innern Kern berührte, klare und bestimmte Worte zu vernehmen –

Von Schlegel hat mir Reinhardt geschrieben. Er geht wirklich mit.

Verzeih mir den flüchtigen Brief. Du weiss, ich bin kein Meister im Briefschreiben, und jezt vollends muss ich einen jeden Augenblick beendigen – Schreib uns ja genau, wann du wieder in Berlin sein wirst. Grüss Reimers und Nanny . – Reil hat erklært, dass er ohne mich, durchaus nicht nach Berlin gehen würde.

St

Zitierhinweis

3205: Von Henrich Steffens. Vor dem 11.4.1809. In: schleiermacher digital / Briefe, hg. v. Simon Gerber und Sarah Schmidt. Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften, Berlin. URL: https://schleiermacher-digital.de/ediarum_pzwei/projects/schleiermacher/web/briefe/detail.xql?id=S0007034 [Druck: KGA V/10, Berlin 2015]

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