Berlin d 8t. Merz. 9

Sie verzeihen es wol einem ziemlichen Gedränge von Geschäften daß ich Ihnen vierzehn Tage später antworte als ich eigentlich gekonnt hätte. Ich habe dem Herrn Präsidenten von Scheve das Schreiben Ihres Herrn Principals selbst zugestellt; er ist der Sache so geneigt als möglich allein sie gehört zu den streitigen Verhältnissen über die er nicht allein entscheiden kann; indem, da der Siz des Domprobstes Magdeburg ist das Recht desselben auf die dortige Regierung eigentlich übergehn muß. Er glaubt allerdings daß bald ein allgemeines Abkommen über die streitigen oder getheilten Patronatrechte mit ihr wird getroffen werden; er warf aber doch den Gedanken hin daß wenn die Sache Eil hätte entweder Ihretwegen oder wegen des Gesundheitszustandes des Emeriti, Sie die Stelle vorläufig nur als Sublevant d.h. ohne spes succedendi nachsuchen möchten. Unter dieser Form meinte er, würde es gar keine Schwierigkeiten haben, und das übrige würde sich hernach von selbst finden. Aus Ihrem Briefe scheint ein periculum in mora nicht hervorzugehn, und  über der Zeileich überlasse Ihnen daher ob Sie diesen Weg einschlagen oder vielleicht lieber die Zwischenzeit bis die Streitfrage über das Patronatrecht sich entscheidet dazu benuzen wollen sich für jeden Fall auch die Magdeburgischen Behörden geneigt zu machen. Kann ich | übrigens noch etwas thun um die Sache in Gang zu bringen oder zu beschleunigen so rechnen Sie überall auf meine Bereitwilligkeit. Was übrigens Ihr Examen betrift so glaube ich nicht daß es schaden könnte wenn Sie auch das erste Examen in Magdeburg nähmen, nur müßte dies geschehen ehe  über den ursprünglichen Text geschriebenje eher je lieber und ehe Sie zu der Stelle hier praesentirt werden sonst würden Sie erst förmlich um Dispensation nachsuchen müssen. Indeß werden Sie doch das zweite Examen und die Ordiantion auf jeden Fall hier nehmen müssen

Ich habe mich übrigens sehr gefreut wieder einmal von Ihnen zu hören. Ich war schon im Begriff ein Paar b  über den ursprünglichen Text geschriebenBekannten von denen ich weiß daß sie in einiger Verbindung mit Herrn von Alvensleben stehn den Auftrag zu geben sich zu erkundigen ob Sie noch da wären; denn gern mag ich meine näheren Schüler auf meiner  über der Zeileihrer Laufbahn so weit ich nur kann verfolgen. Ihr Brief war mir daher eine sehr angenehme Ueberraschung. Von Herzen wünsche ich nun daß Sie Ihren Endzwek dem hiesigerseits gewiß nichts entgegenstehn wird erreichen und daß Ihnen dann Ihr Amt recht viel Befriedigung aller Art gewähren möge. Ich hoffe nicht nur wenn Sie Ihres Examens wegen hieherkommen Sie zu sehn sondern auch noch vorher von Ihnen zu hören.

Mit herzlicher Zuneigung der Ihrige

Schleiermacher

Zitierhinweis

3129: An August Wahlert. Berlin, Mittwoch, 8.3.1809, erarbeitet von Simon Gerber und Sarah Schmidt. In: schleiermacher digital / Briefe, hg. v. Simon Gerber und Sarah Schmidt. Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften, Berlin. URL: http://schleiermacher-digital.de/ediarum_pzwei/rest/db/projects/schleiermacher/web/briefe/detail.xql?id=S0006958 [Druck: KGA V/10, Berlin 2015]

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