Piwik

Dantzig d. 5 Januar 1809.

Glück zum neuen Jahr, alter Philosoph! Wie hält es denn mit Dir; was treibst Du; was machst Du? Im Schreiben, d. h. im Briefschreiben, da scheint es mit Dir auch gar langsam herzugehn. Doch hoffe ich daß Du mir einmal ein Viertelstündchen opfern wirst, so wie ich auch sonst noch auf Deine guten Dienste rechne. Mit der Stelle in Bremen , da wird es wohl diesmal nichts werden, sondern es wird den Hofprediger Eylert in Potsdam treffen, wie mir mein Onkel schreibt. Nun aber weißt du aus meinen vorigen, zum Theil noch unbeantworteten Briefen, daß ich aus Dantzig weg will und weg muß. Es frägt sich also: kannst du etwas würcken für mich, das mir Eylerts Stelle zu Theil wird, wenn der geruffen werden sollte? Oder weißt du mir sichere Wege an die Hand zu weisen, die ich dazu einzuschlagen habe? Und überhaubt – aber bei unserer alten Freundschaft bitte ich um eine hübsch ordentliche Antwort – was kannst du mir für Wege vorschlagen, um eine Stelle in den preußischen Staaten zu ambiren. Wäre es gerathen mich an Deinen Freund, den gegenwärtigen Minister des Innern, Dohna zu wenden? Dürfte ich mich dabei auf meine Bekanntschaft mit dir berufen? Würdest du auch wohl selbst ein Wörtchen meinetwegen mit ihm sprechen? Ich möchte zum Frühjahr so gerne eine Reise nach einem andern Aufenthaltsort machen, und am liebsten wäre mir der auf dem Lande. Ich muß dir dabei bemerken daß bei Müller in Bremen ein Bändchen Predigten von mir erscheint, das ich jeden Posttag erwarte; und diese habe ich der Eintzigen Louise dedicirt. Wäre es rathsam bei Übersendung des DedicationsExemplars bei Ihr um eine Anstellung in ihren Landen zu bitten? – Oder ist es paßender der OberHofministerin von Voß auch ein Exemplar zu senden und mein Gesuch bei der anzubringen? – Den in Ruhe gesetzten Minister von Schrötter werde ich bei seiner hiesigen Anwesenheit, die in einigen Tagen statt finden wird, sprechen und auch empfohlen werden. Ob der aber noch wohl etwas würcken kann, das ist die Frage. Du mußt mir, wenn du anders noch mein und der Meinigen Freund bist, einmal schon einen Gefallen thun und mir ausführlich darüber schreiben und (wofern du kannst) auch deine Hand mitbieten, um mich auf einen festen Platz zu helfen. Und wie solltest du nicht können da Dohna, der dich so liebt und ehrt, der Dich bei deiner hiesigen Anwesenheit in meinem Hause besuchte, dein Freund ist. Und Dohna vermag jetzt viel, wenn nicht alles. Sein Wunsch, ist jetzt Befehl. Wahrlich Freund, du wirst mich und die Meinigen sehr zufrieden machen, wenn du selbst etwas thust und mir die Wege nachweisest, auf denen ich meine endliche Anstellung finden kann. Jetzt bin ich das wahre fünfte Rad am Wagen und unsere Kirchenkassen sind jetzt wircklich außer Stand etwas für mich zu thun. Auch habe ich mein Tagewerk für Dantzig vollendet. Ich habe eine Geschichte der Belagerungen geliefert; ich habe Gemälde von Dantzig geschrieben; und meine Topographie von Dantzig wird in Vierzehn Tagen aus der Preße seyn. Was will Dantzig mehr von mir? – Ein viertes Werkchen sollst Du erst kennenlernen, wenn wir uns vielleicht einmal mündlich sprechen. Du könntest mir wohl ein Exemplar deiner Predigten verehren; am liebsten wäre mirs wenn du mir ein Geschenk mit deinen sämmtlichen theologischen Wercken und dem Plato machtest; auf dem Wege, auf welchem du diesen Brief erhältst und auf dem ich mir auch deine Antwort zurük erbitte, könntest Du mir das Alles sehr bequem übermachen. Und damit du siehst, wie ich mich zu schützen verstehe, bei der nächsten Gelegenheit, daß Troschel etwas nach Berlin absendet, sollst du dagegen einen completen Satz aller meiner Werke erhalten, da wirst du denn auch das eine böse Kind kennen lernen, zu dem ich mich nicht als Vater bekennen darf, so sehr man es auch achtet und liebt.

Die Meinigen sind alle wohl und gesund. Meine ältesten Mädchen sind bereits mannbar und zur Ausstellung fertig. Meine beiden Eltern leben noch, aber das Alter drückt sie sehr. Meinen Bruder, den Engländer, hast du in Königsberg gesprochen. Der Artzt sammlet Gold und Gemälde. Ich – schreibe und mache Grillen und bin wieder ausgelaßen lustig. Wie es Gott giebt. Die Sarchen , die eben an meinen Schreibtisch tritt läßt dich grüßen. Nun, Freund, sei nicht faul und zeige dich als der treue Freund deines treuen Freundes

Duisburg.

Zitierhinweis

3027: Von Friedrich Carl Gottlieb Duisburg. Danzig, Donnerstag, 5.1.1809. In: schleiermacher digital / Briefe, hg. v. Simon Gerber und Sarah Schmidt. Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften, Berlin. URL: https://schleiermacher-digital.de/ediarum_pzwei/rest/db/projects/schleiermacher/web/briefe/detail.xql?id=S0006856 [Druck: KGA V/10, Berlin 2015]

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