d 31t. May 8.

Ihr Brief lieber Marwiz hat unsern Reinhardt nicht mehr hier gefunden sondern ist ihm nach Magdeburg nachgeschikt worden; dies ist der erste Grund der Verzögerung dessen was Sie gewünscht haben. Dann aber ersah ich aus Ihrem Briefe den er mir mitschikte daß Sie in den nächsten Tagen hier eintreffen würden, und das ist die zweite. Endlich hatte mir Reinhardt noch Ihren Brief an Wolf zur Besorgung übergeben, und ich wollte abwarten ob mir dieser etwa die Antwort zusenden würde und das ist die dritte. Ich hoffe daß nicht ein Rükfall in das Fieber Ihre Herkunft verzögert hat sondern irgend etwas gleichgültiges oder erfreuliches; da ich aber nun doch nicht mehr sicher darauf rechnen kann und die einigen Wochen bis zur Reise Ihres Herrn Bruders leicht verfließen könnten so säume ich nicht länger Ihnen zu senden was Sie verlangen, wiewol es mir wunderlich vorkomt in förmlichen und officiellen Worten in denen man eigentlich nichts sagen kann etwas über Sie | 35v sagen soll. Lieber wollte ich, ich hätte den Goethe oder wer sonst in Weimar das meiste ausrichten kann zur Stelle um ihm von Ihnen zu erzählen[.] Aus Ihrem ganzen Plan aber, das kann ich nicht läugnen wünsche ich recht sehr(?) daß nichts werden möge. Diplomatische Verhältnisse hat das Ländchen ja jezt gar nicht und in der Staatsverwaltung kann doch auch nichts bedeutendes da zu lernen sein. Warum wollen Sie nicht die einsamen Studien so lange vorziehn bis sich entscheidet was aus diesen Ländern wird, eine Entscheidung die doch gewiß von dem Ausgange des jezt gegen Oestreich losbrechenden Krieges abhängen wird.

Ihre mich betreffenden Fragen kann ich Ihnen wol besser beantworten als Reinhardt. Ich lese diesen Sommer gar nicht; es wollte sich kein rechter Trieb dazu einstellen, ich möchte mir auch(?) gern die Aussicht nicht sperren, wenn es irgend die Finanzumstände erlauben wollen noch eine kleine Reise zu machen. Auch merke ich wol(?) daß aus dem nächsten Bande des Platon wieder dies Jahr nichts werden würde wenn ich auch läse.  Noch Eines aber kann ich Ihnen sagen:(?) Es ist hier der reformirte Prediger an der Dreifaltigkeitskirche gestorben , und ich habe an den König geschrieben daß wenn er bei | 36 der hier zu erreichtenden Universität nicht auch einen akademischen Gottesdienst zu stiften dächte er mir doch diese Stelle möchte geben lassen. Sie gehört freilich zu denen die seit dem Kriege ganz ohne Besoldung gewesen sind; es kommt mir aber auch nur darauf an eine feste Kanzel zu haben, und zwar eine solche deren mäßige Geschäfte sich am leichtesten mit dem akademischen Beruf verbinden lassen, und das ist grade diese.

Lassen Sie mich nicht vergeblich wünschen Sie bald hier zu sehen.

Schleiermacher

Zitierhinweis

2724: An Alexander von der Marwitz. Berlin, Dienstag, 31. 5. 1808, ediert von Sarah Schmidt und Simon Gerber. In: schleiermacher digital / Briefe, hg. v. Simon Gerber und Sarah Schmidt. Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften, Berlin. URL: https://schleiermacher-digital.de/S0006553 [Druck: KGA V/10, Berlin 2015]

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