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Hrn Professor Schleiermacher / Berlin / Realschulbuchhandlung [Autorfußnote Bl. 22]

Liebster Freund!   Vgl. Brief *2645.
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dein Brief, anstatt mich abzuschrecken, spornt mich vielmehr hinzugehen. Meine Ehre selbst, dünkt mir, fordert, dass ich mich meinen Gläubigern stelle. Oder sollte ich mich stille seitwærs schieben? sollte ich den Gläubigern mein ganzes Eigenthum überlassen? Du fürchtest, dass es meinen Ruf schaden würde, wenn ich hingehe – aber ist das nicht vielmehr der Fall, wenn ich nicht hingehe?
Denke Dir den Lermen, den es machen muss, wenn man erfährt, ich wære irgendwo angestellt, ohne in Halle gewesen zu seyn? Oder wenn meine Gläubiger, die doch ohne allen Zweifel über meine Entfernung am meisten beunruhigt sind, einen öffentlichen Schritt thäten, sich an meine Sachen vergriffen. Wahrlich allenthalben habe ich Gegner, und dieses würde hinreichend sein mir die Aussichten allenthalben zu sperren. Deine Ankündigung ist ja unterzeichnet – was geht das mich an – zurückrufen sollst du nichts – das fordere ich von dir – Will man mir nicht in Halle – gut! so gehe ich weiter – und herzlich gern – nur geht mein Weg nothwendig über Halle – Das fordert meine Ehre.

Ich steige in Giebichenstein ab, gehe dann nach Reil , Niemeyer, Kæferstein, rufe alle meine Gläubiger zusammen, stelle Ihnen alles vor, habe etwas Geld, kann, mit Sicherheit mehr   lies: versprechen
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Versprechen
und habe nichts schändliches begangen, verkrieche mich daher für keinen Menschen – und mir schauderts nur das thatenlose, bettelhafte Leben længer fortzusezen – Es macht mich schlecht; wenn ich es længer ertrage | 21v

Will man mich in Preussen Gut! man kann mich rufen, auch aus Halle !

Lieber Schleiermacher! Fürchte Dich nur nicht. Hat doch Reil selbst mich wissen lassen, dass ich für den Lection s-Catalog die Vorlesungen besorgen sollte – Kriecht doch Niemeyer für meine Schwiegermutter – ist nicht Reichardt der Vorspieler im Lande, also der Vornehmste næchst dem  Jerôme Bonaparte, König von Westphalen
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König
? Gott behüte mich da zu bleiben – Aber mein Weg geht darüber. Meine Frau fürchtet, dass du noch etwas ærgeres weiss, was du verbirgst. Schreib es nur. Ein Brief trifft mich noch hier.

Ich muss schliessen, wenn dieser Brief noch fort soll – verzeih mir die verworrenen Zeilen. Wenn wir uns nur sehen, nur sprechen könnten! Manches müsste ein kurzes Gespræch klar machen. Adieu – Ehestens mehr

Dein H. Steffens

Zitierhinweis

2662: Von Henrich Steffens. Vor dem 18. 3. 1808. In: schleiermacher digital / Briefe, hg. v. Simon Gerber und Sarah Schmidt. Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften, Berlin. URL: https://schleiermacher-digital.de/ediarum_pzwei/rest/db/projects/schleiermacher/web/briefe/detail.xql?id=S0006491 [Druck: KGA V/10, Berlin 2015]

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