Hab d 28t Febr 1808

Wenn Du mein Einziger Bester innigst mitfühlender Freund meinen lezten (im Grunde langweiligen Brief) dennoch ganz gewürdiget hast – Dir den eigentlichen Sinn herausgezogen – das was zu meinem Wesen darin gehört besonders betrachtet – wirst Du wohl theilnehmend erwogen haben, daß dasselbe in seinen innersten Tiefen eigen berührt und erschüttert – mehr als je in einer andren periode – die mein eigen Herz betraf – seit meinem Schweigen sind die Erklärungen immer lauter und eindringender geworden – Briefe geschrieben (die vorher nur bey Bestellungen und Abholungen in der Entfernung Statt hatten worin mann freilich auch dem gepreßten Herzen Luft machte) aber nun schrieb mann – ehe mann auf einen Tag sich entfernte – sprach immer nur von seiner Helene – die man mündlich nie so nante – kurz von innigen heiligen Schwüren – und von der Achtung die mann seit der Bekantschaft mit ihr nur erst für sich selbst habe! – ich machte mir's gegen Beide zur Pflicht – nachdem ich jede Gelegenheit benuzt und ergriffen, ihm, jede Hoffnung zur Erfüllung seiner Wünsche zu benehmen – ihm 1mahl so schonend aber doch so bestimt als möglich alles gesagte schriftlich zu wiederholen – Ihm zu bekennen – daß er ihr gewiß nicht gleichgültig – daß ihr edles zärtliches Herz eher einen Kampf aussteht – – daß sie aber auch – wenn | 6v er einmahl das Land verlaßen – sich – so groß die Verläugnung selbst für sie auch sey das Wiederkomen verbäte – weil sie, ihn, und überhaupt Niemanden heirathen würde! – Mettelin ließ mich in seiner Antwort schreklich dafür büßen – doch den folgenden Tag – bat er mir einigermaßen ab – und war wieder ganz weich – einige Stunden darauf bestätigte sich seine Versezung nach Reichenbach zum Colonel weil, er, bei der Arbeit am Controlle Wesen ausersehen ist – zu gleicher Zeit wurde angedeutet daß ein andrer – von seinen Bekanten – den wir auch kennen – weil er immer in der Tule(?) logirte – hieher kämme – Dieses – welches Mettelin nicht ahndete – bestürmte nun vollends das Herz dieses gequälten Liebenden von allen Seiten – 1mahl weil diese Veränderung den Beutel der Seidliz weit mehr leeren wird – 2tens ihm der geglaubt das Detachement bei seinem Amt mit besorgen zu könen – nun durch dieses Dazwischenkommen ihm jedes Blümchen was er brechen könte mit Dornen versezt wird! sehr stürmend war der Abschied doch nichts begehrend als einen Händedruk – den er schon einigemahl Abends wenn er durch seine Reden – die Gute ganz consternirt gemacht – sich geholt hatte – das sind 10 Tage – Seitdem sahen sie sich bey der | 7 Baronin am Tische wo er aber seine Rolle – ganz meisterhaft spielte – obschon er sehr blas und abgehermt aussah, eben so künstlich betrug er sich bei, Uns, in Geselschaft des andern Officiers – als er in einigen Tagen hier durchgieng da der Colonel nach Frankenstein rükkte! – –

Es ist merkwürdig Lieber Friz – daß bei Uns Beiden ein ganz eigner Wechsel entstanden – ich unterhalte dich bei zunehmenden Alter von Dingen – die mir in vorigen Jahren bei deinen Mittheilungen öfters lächerlich wurden und muß dich noch deshalb um Verzeihung bitten – denn wenn mann das alles – so mit ansieht – nur als Freundin mit empfindet – kann man nur selten ans lachen denken – überhaupt bleibt meine warme Empfänglichkeit für dergleichen heere und große Gefühle – so wohl Liebe als Freundtschaft – und Mitempfindung – – vor 14 Tagen ungefähr hörte ich ganz zufällig daß Konopack – gestorben – wie mich dieses auch ganz eigen erschütterte – und mich bei allem Sonderlichen was wir hier erleben, und Abwechselungen auch Beratschlagungen mancher Art – einige Tage lang begleitete – der Gute hat doch ein Vorgefühl gehabt – daß er nicht mehr lange hienieden wirken würde – wenn, er, auch bei seinem Besuch | 7v sein Hinscheiden näher ahndete – hoffentlich ist es dir ordentlich und vorsichtig gemeldet worden sonst wärest du als Freund doppelt zu bedauern! – über Willing hast du mir gar nichts gesagt – nur die Herz nur im vorbeigehn – Jeder solcher Verlust trübt auch mein Wesen – du Guter! In diesen Tagen kamm ich durch eigene Veranlaßung – daß wir öfters in der Seidliz Stube Nachmittags unsre LehrStunden haben und mich ihr bei uns Seyn wenn sie auch ganz stum ist sehr glüklich macht – auf die verewigte Comtesse Friderique deren Nähe dich auch bei deinem dortigen Geschäfte wenn sie – gieng – kamm und blieb, sehr erheiterte – ich wies ihr den Brief den ich besize – welcher ihr außerordentlich behagte!!! die gegenseitigen Mittheilungen unserer Briefe – auch die gemeinschaftliche lectüre – und der Einklang unsrer Seelen bey vorzüglich schönen Stellen ist uns sehr erquikend – und hebt unsren Geist über so manche kleinliche Schwierigkeiten – welche die jezige Laage der Dinge mit sich bringen – denn Lieber Du must wißen daß – besonders wenn wir hier auf der, Burg, leben alles was das Hauswesen betrift oder doch damit Bezug hat – die Gute Seidliz alles mit mir überlegt – dazu komt noch daß wir 14 Gemeine im Schloße haben, welche die Gute Seidliz selbst beköstigt – – und nur für jeden 2 Stük Bett zu haben – hat sie ein ganzes Sopha genommen und viele Frießdeken noch dazu gekauft – – Alle diese Last trägt sie aus großer Liebe, für, ihre Kinder deren Vermögen ohnehin durch diesen schreklichen Frieden sehr zusammenschmilzt | 8

d 2 Aprill 1808

Mit der Comtesse Friderique habe ich lezt aufgehört – mit ihr fange ich auch wieder ann! So wie du ihr bey Ihrer Rükkehr aus Königsberg oder Danzig – die Antwort gabest: Wenn man auch so verlaßen ist: möchte ich Heute – und seit einem halben Jahre sagen Charles hat Gestern seit einem Vierteljahre endlich geschrieben! Aber sonst verlaßen mich, Alle, Du Lieber deßen Zeilen mir so viel werth von so großer Bedeutung sind – schreibst gar nicht ich brauche dir nicht zu sagen wie tief ich diesen Verlust empfinde! und wiederhole es noch 100mahl – wie sehr ich bei diesem Entbehren die Vernichtung Deiner Briefe – aus HalleBerlin und Schlobitten bereue! meine hiesigen Freunde – Aulock und Stegmann – schweigen ganz seit ich bey der Seidliz bin! – Freilich habe ich auch jezt – während der Einquartierung weniger Zeit als sonst zu schreiben – ich muß es oft künstlich genug anstellen! um nur den Kleinen den gehörigen Unterricht zu geben ! Abends wenn man auch wenn die Kinder zu Bett sind – sich erholen wolte – so geht der Leutenant oft vor 11 uhr nicht weg – plaudern wir dann noch 1 halbes Stündchen für Uns – so komt Mitternacht leicht heran – und Lotte steht dann selten vor 7 auf – weil der Winter auch noch immer sehr strenge – ob es bey Euch auch so! Vorgestern – Abend als wir sehnlich wünschten allein zu sein – lud der Leut nant die Wirthe hiesigen Dorfes, zu einer Unterredung ein – und ich befand mich – unter 14 Bauern – dem Schulmeister – da denn wechselsweise die Frau, und ich, was der Leutnant zu sagen hatte, den Bauern vortrug – die Scene dauerte bis 10 uhr! | 8v

D 22t Aprill

Bis hieher ist es mir noch nicht so gut geworden – mich mit Dir zu unterhalten – theils war ich in den Zwischenzeiten zu sehr mit den Kindern beschäftigt da die gute Seidliz am 12ten ihren Gebur t stag hatte – und ich den Kindern eine kleine Reimerey meiner Art dazu lehrte; dann muste ich im Nahmen der Seidliz dem Chauvin der endlich einmahl geschrieben antworten – und auch dem guten Charles . Abends war ich vom 3 Aprill an bis zum 19ten in sehr angenehmen Gesprächen verflochten – oder las für mich sehr schöne französische Bücher; an jenem Tage – als wir uns eben zu Tische sezen wolten es war der kleinen 5jährigen Bertha Geburtstag – erhielt Leutnant Ronât (?) mit seinen 14 Chasseurs Ordre zum Abmarsch – kaum hatten wir die Suppe verzehrt – so kamen auch schon wieder 14 Mann Voltigeurs – mit ihrem Leutnant Darracq Autorfußnote (am linken Rand)einem sonderlich steifen – der den Mantel der Heiligkeit während 5 Monat in Gnadenfrei um sich geworfen – hier aber bald auf unsre Frauenzimmer Jagd machte. Augenbliklich muste wieder für diese Mannschaft gekocht werden – während die Frau nach unsrem Essen und der Abreise des Ronât(?) – alles übrige besorgte – machte ich nötige Abhandlungen mit diesem; der beim ersten Anblik der guten Seidliz eine Art Furcht einjagte – mir aber ohngeachtet seines imposanten und laconischen Wesens – ein äußerst gescheuter Mann zu sein schien welches er auch wirklich ist – der sich nicht gern bey Kleinigkeiten aufhält die ewigen Klagen und Geschwez der Soldaten um Kleinigkeiten nicht ausstehen, kann, und alles am ersten Tage abredete – es war eine eigne Miene mit welcher er die Frage, warum 2 Voltigeurs sich in der Bediente | 9 einquartiert hätten – da er doch nur 1 Bedienten hätte kurz vor dem Schlafengehn mit dem Licht in der Hand beantwortete: „ja es ist wahr, aber ich wünsche daß dieser eben so verpflegt werde als mein eigentlicher Bedienter es wird zwar etwas mehr betragen – aber wenn Sie mich zufrieden zu sehen wünschen und mich etwas ehren wollen – so behandeln Sie jenen, gut, denn er ist mein Vertrauter – o es ist ein treflicher Mensch ich kann ihn zu den wichtigsten Angelegenheiten brauchen.“ Man merkte wohl daß ihm ein solches Geschöpf unentbehrlich – theils um Ihm seine Abendtheuer ausführen zu helfen sein Vorleser aus dem Deutschen zu seyn – denn er kan beide Sprachen volkommen – und ihm auch überall als Dolmetscher zu dienen – übrigens aber sind Beide häßlich – den alten französischen – der nicht nur seine portion sondern auch noch 2 seiner Cameraden zu sich nimt – nent er einen Ostrogohten – – Darracq selbst ist nicht groß etwas stark – sehr brünet – hat viel Selbstständigkeit – nicht nur viel Militairische Kentniße d.h. mit der ganzen Geschichte alter und neuer Zeit sehr bekant – sondern er hat auch noch, höhere, die nicht nur zum guten Geselschafter – sondern zum eigen gebildeten Menschen und Denker gehören – die Montesquieuschen Werke die ihm längst bekant – las er dennoch hier mit Vergnügen, mir borgte er les lettres persannes – auch hatte er von Voltaire le siecle de Louis quatorze – alles dieses waren Bücher aus der Schlosler Bibliotheke | 9v wo sein Capitain logirte – der sich selbst dort – und auch ihnen wohl gefiel – gern hätten wir auch diesen (Freund) bei dem er ganz den Capitain vergißt kennen gelernt! leider ist nun die Herrlichkeit überall vorbey – die Voltigeurs sind in andre Dörfer gerükt – und wir haben wieder dieselben Chasseurs – und nicht den Ronât der nur gar zu gern in Gnadenfrey geblieben – statt deßen einen Sergant – der um alle Weitläuftigkeiten zu vermeiden – an unsern Tisch genomen wird – ganz wie ein Officir gepflegt wird – nur Abends haben wir ihm noch keinen Wein – so auch Nachmittags keinen Caffé gegeben! aber wie groß ist die Leere – nach diesem Darracq – in den ich gewiß nicht verliebt bin – aber recht gern gestehe ichs – daß er mir unter allen die ich kenne am mehrsten behagt – deßen Bekantschaft – und Abschied mir keinesweges gleichgültig!!! überhaupt verdenke es mir ja keiner wenn ich für so mancherley klein, und große Plakereyen doch auch etwas BelohnungAutorfußnote (am linken Rand) ⎡ es soll mir wohl etwas dafür werden aber jezt gewiß nicht – wenn nur das gewöhnliche fortgehen kann! – – verlange und da selbige äußerlich in jezigen Tagen und wohl auch zukünftigen nicht bedeutend seyn kann – so ist mir Geistes Genuß weit vorzüglicher – da ich ohnehin (den treflichen Umgang Autorfußnote (mit Einfügungszeichen am linken Rand ohne Klammern) wäre dieser nicht in jeder Betracht traulich – so käme es mir oft vor als wäre ich gar nicht bei der Gemeine mit der Seidliz ausgenommen, die mir alle ihre Correspondenz mittheilt) gar sehr in der Dürre bin, ist mir dergleichen wohl zu gönnen; nach Gnadenfrey gehen wir nur an hohen Festtagen – auch waren wir in der Marterwoche Donnerstag und Freitag dort – – und übrigens sehr einsam – weil auch Emilie mit einem starken Cathar nicht wegzubringen war – Den 31ten Merz verbrachte ich auch hier; zwar vergnügt doch mit einem wehmütigen Gefühl was ich nicht ganz unterdrüken konte. | 10

Eigentlich ist meine Epistel lang und bedeutend genug – aber da ich mich ungern von solcher Unterhaltung trenne – und gar zu gerne von einem Posttag zum andren auf Briefe von Dir noch warte – so will ich auf diesem Bogen dir noch alles sagen was ich auf dem Herzen habe – und was mich überhaupt so sehr an dich erinnert – nicht deine Bücher – denn die hat die ehrwürdige Bertram und Reichel ! sondern diejenigen die wir jezt lesen – schon seit Februar haben wir sie hier – nehmlich: Briefe während meines Aufenthalts in England und Portugall an einen Freund – von Bernard – geb. Gad. Schon in der Meinung, daß dieses wohl das Buch sein könne, nach welchem die verewigte Comtesse Friderique in ihren lezten Stunden noch verlangte – zog ich es mir aus dem Catalogue aus – und ich glaube mich nicht geirrt zu haben – es ist ganz treflich belehrend für Geist und Herz – Wir lasen die ersten Blätter in jenen langen Abenden – vor Tische zusammen – wenn Mettelin Uns Ruhe ließ – Die Verfaßerin sprach davon (wie jedes Leiden durch die Kräfte zweyer innig verbundener Menschen mit mehrer Leichtigkeit getragen würde – als es getheilte Kräfte thun können – um dieses poetischer zu sagen als sie es im Stande sey führt sie eine Stelle aus einem Buche an [von] deßen unmodischer Tittel die jüngre Lesewelt immer abgeschrekt würde; ich fange diese NoteAutorfußnote (am linken Rand) ⎡ So lange der erste Mensch allein war, mit sich und der Natur – waltete freilich die Gottheit über ihn – Sie sprach ihn auf verschiedne Art ann – aber er verstand sie nicht. – an zu lesen – werde aber durch die Kinder unterbrochen – die Seidliz endigt es – und liest – Schleiermacher über die Religion – mit einem mir unvergeßlichen Blikke – es war ihr eigen, daß sie es finden muste – wir lasen die Stelle noch mehreremahle – und es that mir leid daß ich die Reden nicht eben hier habe – aus denen muß es doch sein!!! – | 10v

Eins verdrängt immer das andre! ich wolte in meinem BücherBericht fortfahren – aber da ist mir ein lebendiges Wesen vor die Augen gekommen – welches mich gleich beim ersten Anblik wie ganz bekant ansprach – ein Husar – – welcher hier die Pächter besuchet, und es beim Sergeant meldete! – ich hörte bald von unsrem Gärtner – daß er weiland in Halle studirt, kurz vor der Franzosen Einzug weggegangen – und dich sehr gut kenne und sich gar sehr freute deine Schwester wenn auch nur im Vorbeigehn gesehen zu haben – Der Gärtner citirte mir ihn her – und ich hatte mit diesem, Scheiber, einige recht angenehme Augenblikke – er sprach mit vieler Wärme von, Dir, von deinen Talenten – Deinen Vorlesungen – usw. – hat auch zu jenen Leuten viel von dir geredet – ich nante ihm Konopak – bei dem er wohl Collegia gehabt – und als ich sagte daß er in Rostock sein schönes kraftvolles Leben geendet war er ganz erschrokken, und weich! Sein Vater, und Schwager sind Prediger im breslauischen – er war nach geendigten Studien – Referendaire in Breslau – und ist wahrscheinlich aus Mangel an Vermögen sich so durchzuschlagen unter die Husaren gegangen – wo er Unterofficier ist – – O Gott wenn ich schon so viel Freude empfinde – so laut an dich erinnert zu werden – von dir und über dich zu sprechen – – wie wird das Gefühl seyn – was mich bei unserm einstigen Gott gebe baldigen Wiedersehen ergreifen wird – – die gute Seidliz spricht recht oft davon – wir wir recht heimliche Tage hier in Habendorf mit einander verleben wollen. | 11

d 2 May

Seit 3 Tagen lebe ich wieder einmahl in Gnadenfrey, um des Witwen- und Schwesternfestes willen – binn aber bis heute Arrestant gewesen – wegen einer Geschwulst im Gesichte binn auch überhaupt mit einem unangenehmen Husten schon 3 Wochen geplagt – lebe aber demohngeachtet in den süßesten Rükerinerungen unsers Wiedersehens 1805. Viel sehr viel habe ich mich schon daran erlabt! – o Gott ein solches werden wir, nie, wieder feyern – Doch sehnt sich mein ganzes Wesen nach Dir! ach wie wohlthuend würde mir jezt einen halben Tag Unterhaltung mit dir sein – wären auch die Worte die ich Dir ablocken könte sparsam wie das wohl der Fall bei dir ist – fühlte ich doch auch im Verstummenden aber Seelenvollen Blik Deine Theilnahme Deine Zustimung!!! ach es sind trübe Zeiten – die uns so mancherley Entbehrungen veranlaßen – aber die schmerzlichsten sind immer das scheinende Entfernen unsrer Lieben! wie so gar schwierig scheint mir ein Zusammentreffen mit Dir Du Einziger – oft glaube ich jezt wir sehen uns nie wieder! – O Gott ich solte mehr Vertrauen haben zu Dem der mir der reinen Freuden doch schon so viele schenkte – und auch bei deren verweigern – nichts als Liebe zum Ziele hat.



Daß die Aulock ganz schweigt – und ich gar nicht weiß wie und ob ich wieder anfangen soll zu schreiben – habe ich wohl schon erwähnt – – an Wedeke habe schon lange eine Epistel angefangen – mache ich die adresse an den Hofprediger in Koenigsberg oder, wie? Lieber | 11v

Von dem BucheAutorfußnote (am linken Rand) ⎡ auch komt ein Platon (?) drinnen vor als Erzieher – und Liebender der mich auch in vieler Rüksicht an dich du Guter erinnert – was wir jezt beendigt haben – wolte ich dir noch sagen – ich weiß wohl daß du dergleichen nur als Kleinigkeiten ansiehst und vielleicht auch aus Mangel an Zeit nicht würdigest – eigentlich ist dieses auch nur für Frauenzimmer geschrieben – ErziehungsGemählde von Caroline Rudolphi – eine Art von Roman ist es freilich aber die mehresten Caractère doch durchaus natürlich – u nd das Ganze des Styls erinert mich und auch die Schuhmann die doch einiges von dir weiß – gar sehr an Dich!! auch an deine Art in mancherley Absicht – dann auch an deine Freunde – denn es kommen gute herrliche PfarrLeute darinnen vor – die Willichs heißen – aber in ihrer Darstellung Wedekes sind – die Frau die sehr zart schon etwas übers mitlere Alter weg – sehr schwechlich ist heißt Deborah – stirbt auch in dem Buch – und Alles was sich bey dieser wichtigen Verwandlung noch bey ihr ereignet und aus ihr hervorgehet – ist von der Art wie ich mir die Wedeke dabei denke – auch habe ich wohl früher ein andres Buch gelesen wo ich an Alle diese Lieben in Preussen und Ruegen dachte – ist die Herz schon dorthin abgereist? ich weiß nicht wie es ist daß ich seit dieser Ankündigung noch nicht an sie schreiben konte? Hier ist ein ganz Buch voll woraus du wohl der Nany mittheilen wirst – ich grüße sie herzlich! und bitte dich innigst schreibe bald

Deiner Lotte

 am linken Rand von Bl. 6 Noch muß ich dir bei Abgang dieses Briefes am 3 May sagen daß es jezt nur 5 Wochen sind daß wir nichts von Mettelin sehen noch hören – Vielleicht ist alles auf immer vorbei – Gott gebe es – daß er klug geworden

Zitierhinweis

2648: Von Charlotte (Lotte) Schleiermacher. Habendorf und Gnadenfrei, Sonntag, 28.2. bis Dienstag, 3. 5. 1808. In: schleiermacher digital / Briefe, hg. v. Simon Gerber und Sarah Schmidt. Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften, Berlin. URL: https://schleiermacher-digital.de/S0006477 [Druck: KGA V/10, Berlin 2015]

Download

Dieses Dokument als TEI-XML herunterladen.

Kanonische URLDieser Link führt stets auf die aktuelle Version.

https://schleiermacher-digital.de/S0006477